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Living Apart Together: Beziehungsmodell ohne Zukunft der Beziehung?

Liebesexpertin Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg kennt sich aus.

Zweisamkeit und Freiheit gleichzeitig - Männern gefällt Living Apart Together

Ich habe mich vor einiger Zeit an dieser Stelle mit einem Beziehungsmodell beschäftigt, das vor allem bei Männern großen Anklang findet: Living Apart Together (LAT). Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. Wer sein Liebesleben nach LAT ausrichtet, der lebt bewusst nicht mit seinem Partner zusammen.

Das gefällt vielen Männern, denn eine Beziehung, die in zwei Wohnungen stattfindet, bringt außerordentliche Freiheiten mit sich. Männer mögen Freiheiten. Sie mögen es natürlich ebenso, gebunden zu sein, zu lieben und geliebt zu werden, sie genießen die Freuden der Zweisamkeit. Doch die Möglichkeit, nach den genossenen Freuden wieder ins eigene Heim zu gehen, finden Männer richtig gut.

Selbst ausgesprochen freiheitsliebende Frauen sind dagegen in der Regel sehr an einer gemeinsamen Wohnung interessiert. Ganz oft spielen romantische Gründe eine Rolle, das Zusammenziehen ist schließlich ein bisschen wie Heiraten. Genauso häufig spielen pragmatische Gründe mit, ich kenne diverse Frauen, die die Nase voll davon haben, jeden Tag ein Köfferchen mit sich herumzuschleppen, für den Fall, dass sie beim Freund schlafen. Die Zahnbürste kann man sicher noch beim Freund parken, eine Handvoll Unterhosen kriegt man auch in seinem Schrank unter und zwei Blusen, eine Hose und einen Rock.

Der größte Teil der Sachen ist allerdings in der eigenen Wohnung, irgendetwas fehlt immer, man hoppelt hin und her, man ist nirgends wirklich zu Hause. Schläft der Freund bei der Frau, fehlt ihm vielleicht auch seine Regenjacke oder die Rheumadecke, das macht ihm aber weniger aus. Für ihn überwiegen die Vorteile von LAT.

Woran erkenne ich, dass bei einem Mann Hopfen und Malz verloren ist?

Trotzdem knicken fast die meisten männlichen LAT-Anhänger auf die Dauer ein und machen ihrer Liebsten den Vorschlag, zusammenzuziehen. Es gibt jedoch hartnäckige Kandidaten, die drücken sich in aller Gemütsruhe über Jahre vor dieser Entscheidung. Manche raffen sich nie zu einem gemeinsamen Zuhause auf, bitter ist das für deren Partnerinnen. Ich bekomme viele verzweifelte Nachrichten von Frauen, die sehnsüchtig darauf warten, dass ihr Freund endlich mit ihnen zusammenzieht.

Was hat das zu bedeuten, dass Männer sich derart schwer tun mit einem gemeinsamen Heim? Haben diese Herren Angst, sich ernsthaft zu binden? Ich rede nicht um den heißen Brei herum und antworte klipp und klar: Ja, das haben sie. Nichts wie weg. Wer darauf besteht, LAT zum Prinzip für immer und ewig zu machen, der hat keine Lust auf immer und ewig, der mag es unverbindlich. Der mag es unerträglich einfach.

Das ist eine theoretische Aussage, die keiner Frau hilft, denn was jede Partnerin eines LAT-Manns wissen will und muss, ist: Woran erkenne ich, dass einer nur temporär seine Beziehung nach dem LAT-Ideal ausrichtet, dass der Zusammenzug winkt – und woran erkenne ich, dass bei einem Mann Hopfen und Malz verloren ist?

Meine simple Antwort: An der Zeit, die einer braucht. Wenn vom Kennenlernen an drei Jahre ins Land gegangen sind, dann ist es aus meiner Sicht höchste Eisenbahn für eine Entscheidung. Drei Jahre, das ist eine lange Zeit, die erste Verliebtheit liegt hinter einem, die erste Krise auch. Wer nach drei Jahren noch zusammen ist, ist es mit gutem Grund, es passt einfach. Und wenn es passt, dann kann man Nägel mit Köpfen machen, dann ist der nächste Schritt die amtliche Zukunftsplanung, dann machen zwei Wohnungen keinen Sinn, sondern nur Traurigkeit.

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