Live-Sex: In neuer TV-Show haben Paare vor Publikum Sex

Neue TV-Show: Live-Sex für die Wissenschaft?
Neue TV-Show: Live-Sex für die Wissenschaft? Paare vergnügen sich in einer Studio-Box! 00:03:02
00:00 | 00:03:02

Mit Live-Sex bricht eine englische TV-Show nun Tabus

Sex. Live auf der Bühne. Im Beisein von Zuschauern. Und dann soll das Ganze angeblich auch noch seriös sein und alles andere als Pornographie. In Großbritannien sorgt eine Show für aufgeregte Schlagzeilen. Und das, obwohl es die Sendung noch gar nicht gibt. Die erste Folge von „Sex Box“ wird erst am 7. Oktober ausgestrahlt. Aber das mediale Vorspiel setzt schon jetzt ein. Das Konzept scheint auf den ersten Blick einfach: Ein Paar hat auf der Bühne Sex in einer Box. Danach diskutiert es mit Moderatorin Mariella Frostrup und Experten über das Erlebte. Das Schöne an der Show: Was vielleicht zunächst nach BB-Getümmel im Whirlpool klingt, ist eigentlich reines Kopfkino. Denn zu sehen gibt es – nichts.

Live-Sex: In neuer TV-Show haben Paare vor Publikum Sex

Von Ursula Willimsky

Die Sex-Box ist sowohl schall- als auch blickdicht. Und was darin geschieht, wird nicht gefilmt. Im Grunde kann keiner, weder die Zuschauer noch die Experten, sagen, ob das Paar in der Box gerade die heißesten Minuten seines Lebens hat oder ob die beiden noch mal in Ruhe die Einkaufsliste fürs Wochenende durchgehen. Wir gehen aber mal davon aus, dass es eher auf Alternative 1 hinauslaufen wird. Immerhin haben die Paare sich ja für eine Sex-Show beworben. Wobei die Auswahl der Kandidaten für die Macher alles andere als einfach war: Schließlich wollten sie ganz normale Menschen und auf gar keinen Fall Leute mit exhibitionistischen Vorlieben.

Denn der Show geht es nach Eigendefinition vor allem um eins: Zu zeigen, oder sagen wir mal besser: klarzustellen, dass die „wahren Erlebnisse der echten Menschen“ nur sehr wenig mit dem zu tun haben, was man in Magazinen, im Internet oder bei einschlägigen Sendungen so zu sehen bekommt. Offen und frei sollen die Paare über ihre Sexualität reden – und sie dahin rücken, wo sie hingehört: Nämlich weit weg von Pornographie und Schmuddel-Image. „Wir sollen den Sex von der Pornographie zurückerobern“.

„Ich bin die Sache ganz schön ängstlich angegangen“, erzählt die Moderatorin, „und mit einer gewissen Skepsis, vor allem bei der Frage, warum wir denn eine Box brauchen. Aber im Endeffekt denke ich, dass uns ein wirklich, wirklich reifer – und fürs Fernsehen überraschender – Blick auf ein Thema gelungen ist, dem wir bisher erlaubt haben, in seinen schlimmsten Auswüchsen zu wuchern“.

Was soll der Live-Sex in der Sendung bezwecken?

Bei der Sex-Box soll es anders werden: Offen und ehrlich soll gesprochen werden, und zwar nicht über Techniken oder Praktiken, sondern darüber, was eine normale Sexualität für ein normales Paar bedeutet. Den Sender geht es darum, zu zeigen, dass Sexualität ein Bestandteil einer Paarbeziehung ist, der weder bräsig-verschämt verschwiegen werden sollte noch hemmunglos gehottet. Ein Gegenentwurf also zur Pornographie-Explosion der letzten Jahre. Entsprechend liebevoll wurden die drei Kandidaten-Paare für die geplanten drei Shows gecastet: Ein Paar Mitte Zwanzig, ein schwules Paar, das schon seit langer Zeit zusammenlebt und ein Paar, das aus einer Sandkastenliebe entstand.

Sie – so der Plan – sollen sich in der Box näherkommen und sich dann mit einem Psychologen, sowie einem Sex- und einem Paartherapeuten austauschen. Moderiert wird die Runde von Mariella Forstrup, einer 50-Jährigen, die in weißer Bluse und schlammfarbenen Hosenanzug auch nicht gerade den Eindruck macht, als ob sie hauptberuflich für einen Porno-Kanal arbeitet.

Spannend bleibt die Frage, wie Chanel 4 die Zeit füllen will, die die Paare in der Box verbringen. Zu sehen und zu hören gibt es ja nichts. Werden die Experten die Wartezeit mit Fachsimpeleien und wichtigen Fakten überbrücken? Oder lässt der TV-Sender gar die Zuschauer mit ihren Phantasien allein, für die die Box natürlich eine herrliche Projektionsfläche darstellen würde? Malen die sich dann vielleicht sogar ganz wilde, verwegene Dinge aus, die da in dem elfenbeinfarbenen Schlafschächtelchen passieren? Und müssen nachher gar erfahren, dass alles gar nicht so wild war, sondern ganz normal, so wie daheim eben auch?

Eigentlich gar keine so schlechte Idee: Einfach mal bestätigt zu bekommen, dass es ganz normal und okay ist, ganz normal zu sein. So mancher Zuschauer, der verunsichert ist von dem vermeintlichen „hemmunglosen Alltag in deutschen Betten“, wie er einem oft in Medien vorgespielt wird, dürfte dies durchaus als Erleichterung empfinden...

Anzeige