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Litschis auf leeren Magen töteten in Indien hunderte Kinder – wie gefährlich ist die Frucht wirklich?

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Sind die süßen Früchte des Litschibaums wirklich so gefährlich? © sad dogg design - Fotolia

Studie: Unterzuckerungen bei indischen Kindern, die zu viele Litschis gegessen und aufs Abendbrot verzichtet haben

Diese Meldung macht Angst – doch wir können Sie beruhigen. US-Forscher fanden heraus, dass Litschis in großen Mengen auf leeren Magen gegessen eine toxische Unterzuckerung auslösen können. In ihrer Studie, die am 30. Januar in 'Lancet Global Health' veröffentlicht wurde, gingen die Experten einem rätselhaften Kindersterben im indischen Bundesstaat Bihar auf den Grund. Heraus kam: Die Kinder hatten viel zu viele Litschi gegessen und dann aufs Abendessen verzichtet. Wer die süße Frucht nicht kiloweise während einer Fastenkur ist, hat jedoch nichts zu befürchten.

Seit 1995 kam es in Nordindien bei hunderten kleinen Kindern zu merkwürdigen Erkrankungen: Eines Morgens bekamen sie Krämpfe und wurden bewusstlos. Jedes dritte betroffene Kind starb dann an krankhaften Veränderungen des Gehirns – oft noch am gleichen oder nächsten Tag. Die mysteriöse Krankheit trat vor allem im Juni auf.

Erst vermuteten die Forscher Schwermetalle oder Pestizide, doch die Tests waren negativ. Den Litschis auf die Schliche kamen die Experten, weil alle Kinder ungewöhnlich niedrige Blutzuckerwerte hatten. Die Vermutung lag nahe, dass die Kinder an einer Unterzuckerung starben. Doch wie kam es dazu?

Dafür wurde die Ernährung der Kleinen unter die Lupe genommen. Dabei fiel auf, dass die Kinder meist auf das Abendessen verzichtet haben. Doch das allein würde die morgendliche Unterzuckerung noch nicht erklären. Es musste etwas sein, was den Blutzucker zusätzlich zum Abfallen gebracht hat. Und so ein Stoff kommt in Litschis vor. Es nennt sich Hypoglycin und verhindert mit seinem Abbauprodukt, dass das Fett im Körper abgebaut und Zucker produziert wird. Die Folge: Der Blutzucker sinkt dramatisch ab. Und tatsächlich haben sich viele dieser Kinder von Litschis ernährt. In ihren Urinproben fanden die Forscher außerdem Hypoglycin.

Doch nicht nur Litschis sind den Kindern zum Verhängnis geworden. Auch die Tatsache, dass die Kleinen sich an den süßen Früchten satt aßen und das Abendessen wegließen, spielte eine Rolle. Denn solche oft ohnehin unterernährte Kinder erkrankten doppelt so häufig wie die, die zusätzlich zu den Litschis abends noch etwas anderes zu sich nahmen.

Bleiben nur die Fragen: Warum gerade die Region in Indien und wieso gerade Juni? In Bihar werden seit einigen Jahren Litschis angebaut und in dem Erkrankungsmonat werden sie geerntet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Kinder auch unreife Früchte gegessen haben. Darin ist der Gehalt an Hypoglycin höher als in reifen Litschis.

Sollte ich also lieber keine Litschis mehr essen?

Wie das bei giftigen Substanzen oft der Fall ist: Die Menge macht das Gift. Wer reife Litschis in kleineren Mengen und nicht auf leeren Magen, hat nichts zu befürchten.

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Vorsicht bei Obst aus diesen Ländern! Zu viele Pestizide 00:00:38
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