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Liebeskummer ab 40: Darf man da noch unter einer Trennung leiden?

Hat man mit 40 noch ein Recht auf Liebeskummer?

Viele Frauen glauben, dass man im Alter vernünftiger wird. Sogar in der Liebe. Dass man zum Beispiel nicht mehr den schlimmsten Liebeskummer der Welt hat, weil man achselzuckend denkt: „Ach, der Harald verschmäht mich. Dann ist das eben so! Ach, der Manfred hat mich betrogen. Egal! Schön ist was anderes, aber das Leben geht weiter.“

Die Rechnung geht nicht auf. Die Liebe hat eigene Gesetze, hat eine eigene Vernunft, eine eigene Unvernunft. Die wahre Liebe lacht über die angebliche Weisheit des Alters. Das müssen besonders gefühlsintensive Frauen erfahren. Wie eine Frau, die sich im Frauenzimmer per Email an mich gewendet hat. Ich nenne sie „Anna“, sie ist 43. Für mich ist Diskretion oberstes Gebot, doch Anna hat mir ausdrücklich erlaubt, dass ich ihre Nöte hier schildere, damit das ein Trost ist für andere Frauen in ihrer Lage.

Sie schreibt „Liebe Birgit, ich leide Höllenqualen. Ich bin verliebt wie mit 17. Damals erlebte ich eine unglückliche Liebe, war richtig krank vor Kummer. All meine Freundinnen, meine Eltern und meine Lehrer sind sensibel auf mich eingegangen. Jetzt geht es mir ähnlich schlecht, ein Mann, mit dem ich ein Jahr zusammen war, ein wunderbares Jahr, hat mich von heute auf morgen verlassen. Ich kann nicht schlafen, nicht essen, ich war sogar 14 Tage krank geschrieben. Meine Kinder haben mich oft weinen gesehen in den letzten Wochen. Ich brauche Hilfe, Rat, Zuspruch. Doch mein Umfeld reagiert mit Unverständnis und Kälte. Sogar meine beste Freundin fragt mich fassungslos, warum ich mich in meinem Alter wegen eines Mannes derart gehen lasse. Ich leide nun zweifach: An Liebeskummer und an der Scham, dass ich überhaupt welchen habe. Dass meine Kinder mich in diesem Zustand sehen. Habe ich mit 43 Jahren kein Recht darauf, dass mich die Liebe umwirft?“

Liebeskummer ist immer schlimm - ob mit 17 oder mit 40

Ich habe Anna geantwortet: „Du Arme! Ich möchte Dich ausdrücklich ermuntern, für Deine Gefühle einzustehen. Diese sind nämlich ein Grund zur Freude. Es ist doch wunderbar, sich ein leicht bewegtes Herz bewahrt zu haben! Das heißt: Man ist seelisch jung. Das heißt nicht: Man ist unreif!

Das ist, und das kannst Du, liebe Anna, Deinem Umfeld von mir ausrichten, kein Armutszeugnis. Das ist ein Zeichen von innerer Fülle. Denn: Wer das Lieben aufgibt, gibt das Leben auf. Und Liebe ist ohne Risiko undenkbar. Dieser eine Mann ist vielleicht nicht zu haben. Aber es kommt ein anderer, der Dich will. Das ist wie mit 17. Da ist auch jemand gekommen. Vertraue darauf. Gib Dich Deinem Kummer hin, gestatte Dir alle Narrheiten. Wenn Du Dich dagegen stemmst, wird alles viel schlimmer. Rufe den Mann an, leg wieder auf, wenn Dir danach ist. Schreibe ihm einen Liebesbrief. Schicke Sie ihn ab oder lasse es. Mit diesen Tätigkeiten holst Du Dich selbst aus dem Loch heraus. Die Wunde heilt. Dein Herz ist bald wieder offen für eine neue Liebe.“

Anna hat sich über meine Antwort sehr gefreut. Und mich gefragt, warum denn ihre Freundinnen so lieblos sind mit ihr. Der Stachel sitzt natürlich. Ich kann dazu nur sagen, dass diese Frauen im Grunde gar nicht darauf zählen, dass man vernünftiger wird, wenn man älter wird. Das geben sie vor. Hört sich gut an. Aber: In Wahrheit sind sie, ich muss es leider offen sagen: neidisch. Sie möchten selbst gern noch einmal etwas erleben, was sie aus ihrem Alltag herausreißt, wann ihre Seele zum Singen bringt. Auch wenn das am Ende ein trauriger Gesang wird. Selbst dann hat die Seele einmal wieder gesungen. Das ist unvergleichlich schön.

Nur trauen sich die meisten nicht mehr jenseits der Jugend, die Risiken und Nebenwirkungen der Liebe auf sich zu nehmen.

Ich hoffe, mit meinen Worten ermuntere ich Euch alle, immer offen zu sein für die Liebe, sie immer mit jeder Faser Eures Herzens auszuleben.

Nur dann findet Euch die Liebe. Die, die weh tut. Und die, die zutiefst beglückt. Das Eine ist ohne das Andere nicht zu haben. Das gilt für jedes Alter.

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