LIEBE LIEBE

Lieben heißt warten: Warum wir um die Liebe bangen dürfen

Birgit Ehrenberg
Liebesphilosophin Birgit Ehrenberg hilft in Sachen Liebe

Warum warten, bangen und hoffen wichtig für die Liebe ist

Von jeher steckt in Liebesliedern eine große Weisheit über die Liebe, ganz unabhängig davon, ob es sich dabei um Klassik, Schlager oder Pop und Punk handelt. Musik und Liebe, das inspiriert sich gegenseitig.

Meine Oma hat mir als junges Mädchen oft Lieder der großen und genialen Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander vorgespielt, die eine oder andere (bedeutsame) Zeile habe ich seitdem im Ohr. Zum Beispiel diese hier: „Immer warten nur die Menschen, die wirklich lieben!“

Ich habe mich mit 17 Jahren gefragt, und ich frage es mich noch heute: Stimmt das? Besteht ein logischer Zusammenhang zwischen Warten und Lieben? Es kursieren auf alle Fälle Meinungen, die das Gegenteil behaupten. Wer sich selbst liebt, so heißt es, der wartet nicht. Auch wer sich gerade frisch über beide Ohren verliebt hat, sieht und nimmt das mit Humor und Leichtigkeit, hängt nicht in der Warteschleife, ob das Objekt der Begierde sich meldet oder nicht, ein Treffen vorschlägt oder nicht, eine Liebeserklärung macht oder nicht.

Nein, der Selbst-Lieber dackelt durch seinen Alltag (wie gesagt: total verliebt, aber lässig), freut sich seines Lebens und erwartet vielleicht einen Anruf oder mehr, doch er wartet nicht.

In freudiger Erwartung zu sein, das zeugt immer vom Glauben an das Gute und zwar durchgängig. Warten, das heißt zwar auch, dass man Hoffnung hat, aber der wartende Mensch, dem ist mitunter Angst und Bange, dass es vielleicht keinen Anruf gibt, keine Beziehung, kein Happy End für seine Gefühle.

Menschen, die lieben, warten

Für mich fühlt sich das Warten richtig an, menschlich und wahrhaftig. Wer wirklich innerlich bewegt ist von einer Begegnung, wer diese berühmten Schmetterlinge im Bauch hat, wen es also wirklich erwischt hat, dem ploppt gewissermaßen die Seele hoch. Und der hat dann manchmal einen dicken Kloß im Hals, so ist das, wenn sein Visier fallen lässt, mit dem man normalerweise durch die Welt rennt. Sich zu verlieben, das heißt inne halten, leise werden, horchen, bibbern. Werde ich erhört? Werde ich gehört? Frau Leander wusste, wovon sie sang: Menschen, die lieben, warten.

Sich zu lieben, das führt eine Schutzlosigkeit mit sich, eine, die wunderbar ist. Denn diese Offenheit ist keine Schwäche! Nicht warten, das ist beileibe keine Stärke. Es kostet Mut, vor sich zuzugeben, dass man vom Herzen und von seinem Wohlbefinden her darauf angewiesen ist, dass der andere auf einen zukommt. Da können Minuten zu Stunden werden. Das muss einem nicht peinlich sein, das ist einfach Liebe.

Wer gar nicht daran denkt, ob und wann er etwas von dem Menschen hört, der einen ganz in den Bann gezogen hat, der ist von diesem Menschen schlicht und ergreifend nicht in den Bann gezogen.

So einfach ist das. Das Warten als solches hingegen ist nicht einfach, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Hier ist die geniale Strategie, um den Warten seinen Schmerz zu nehmen: Man muss sich das aus dem Kopf schlagen, dass man irgendwie unzulänglich ist, weil man immer wieder auf die Uhr guckt und an den Fingernägeln kaut vor Ungeduld.

Man muss sich das verzeihen und sich selbst in den Arm nehmen.

Das ist eine schöne Liebe zu sich selbst, mit der im Gepäck kann man mit Fug und Recht darauf hoffen, zurück geliebt zu werden! Den Coolem mimen, das hat nichts mit Selbstliebe zu tun, da arbeitet man gegen sein eigenes Herz, man macht sich damit das Leben und die Liebe schwer. Und genau das wollen wir doch nicht.

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