LIEBE LIEBE

Liebe zur Winterzeit: Leidenschaft gibt's auch zur kalten Jahreszeit

Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Man muss nicht auf den Frühling hoffen

Was die Ausprägung der Liebe angeht, hat jede Jahreszeit ihren eigenen Charme. Der Sommer ist spannend, körperbetont und sexy. Der Herbst besticht mit einer gewissen Ruhe und Reife und Abgeklärtheit, profitiert aber noch von der Hitze des Sommers, hat es erotisch durchaus faustdick hinter den Ohren. Ganz vorne liegt für die meisten Menschen der Frühling, da erwacht die Natur, da räkeln sich auch unsere Gefühle zu neuem Leben. Zum Winter fällt vielen Liebenden nichts ein.

Dabei ist der Dezember, zumindest christlich gesehen, die Hohe Zeit der Liebe. Und wenn ich mir einen Blick in die Hütten der Menschen erlaube, den mir ja viele gewähren, dann muss ich sagen, dass in diesen vorweihnachtlichen Wochen tüchtig geliebt wird.

Doch die Liebe hat eine andere Temperatur als sonst, sie ist nicht kälter, sie köchelt allerdings leise vor sich hin, sie zeigt uns nicht ihr aufregendes Gesicht, sie braucht kein Styling, keine Dessous, keinen Champagner, keinen "Kick".

Der Liebe reicht ein Sofa, Glühwein oder Kakao, Kekse, eine Fernbedienung. Und eine Decke, unter die man sich kuscheln kann mit seinem Liebsten. Auch wer sonst genau auf seine Kleidung innerhalb der eigenen vier Wände achtet und sich auf die Liebesfahnen geschrieben hat, sich auf keinen Fall in einer Beziehung gehen zu lassen, lässt sich gehen.

Statt auf hohen Hacken stapft man in dicken Socken herum, hüllt seine scharfen Kurven regelmäßig in eine herrliche Jogginghose und beschäftigt sich damit, welcher Film als nächstes mit dem Partner geschaut wird. Ich muss nicht eigens erwähnen, dass selbst figurbewusste Frauen in diesen Tagen Nüsse und Chips und Schokolade zu ihren Hauptnahrungsmitteln zählen.

Auch im kalten Winter kann es heiß werden

Nun könnte man einwenden, dass sich das alles sehr gemütlich und verlockend anhört, diese Rundum-Puschelei, dieses Satte und Zufriedene, doch dass einem da zumindest temporär die Sexualität abhanden kommt, auf die man doch so aufpassen soll. Ich warne schließlich immer wieder davor, dass sich der Zauber der Erotik in Trägheit rasch verliert.

Das gilt aber tatsächlich nicht für den Winter, nicht für diese 24 Tage bis zum Heiligen Abend. Das ist eine Liebes-Ausnahme-Phase. Hier gelten andere Regeln. Regeln, die die Erotik übrigens nicht außer Kraft setzen.

Das denken nur wir Frauen, dass wir mit Nüsslein im Mund und Jogginghose und ohne Lippenstift nicht mehr anziehend wirken. Im Gegenteil: Männer mögen diese gemütliche Stimmung, sie freuen sich, dass ihre Frauen locker lassen, sich verführen lassen zum Sich-Gehen-lassen. Das macht Männer manchmal mehr an als Perfektion, glaubt mir das.

Toller Sex ist damit also nicht ausgeschlossen, sondern geradezu vorprogrammiert, der Mann kann sich kaum am Zaume halten vor Lebensfreude und Sinnenfreude. Er will einem an die Wäsche, auch wenn es sich um eine Jogginghose handelt.

Die Erotik entwickelt sich vom Sofa aus direkt ins Schlafzimmer. Dort reißt man sich die Gemütlichmacher-Kleidung vom Leib und fühlt sich sofort frisch und sexy wie im Sommer.

Damit hätten wir im vermeintlich lahmem Winter liebesmäßig und jahreszeitenmäßig ziemlich viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen, findet Ihr nicht?

Ich bin sehr zufrieden mit dem Winter, was „Liebe leicht gemacht“ angeht.

Viel Spaß beim Kuscheln und mehr, Eure Birgit.

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