
Die Kolumne von Birgit Ehrenberg
Die Expertin für Liebe und Leidenschaft
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Sex-Geräusche: Hören Sie Ihre Nachbarn stöhnen?
Eine meiner liebsten Freundinnen ist gerade in ein ehrenwertes Haus umgezogen. Dort wohnt eine andere sehr liebe Freundin von mir. Die beiden verstehen sich gut, wir haben schon den einen oder anderen Abend zu dritt verbracht und viel gelacht. Bis die Sache mit den Sex-Geräuschen kam.
In einem Punkt sind diese beiden Frauen allerdings grundverschieden, sie würden sich über diesen Punkt ordentlich in die Haare kriegen, wenn wir das Thema anschneiden würden. Bis jetzt habe ich das tunlichst vermieden. Es geht um Sex-Geräusche. Meine eine Freundin, die neu ins Haus gezogen ist, produziert mit ihrem Freund reichlich Geräusche beim Sex. Ächzen, stöhnen, keuchen, schreien. Das ganze Programm.
Meine andere Freundin ist von so etwas fürchterlich genervt, sie hat mir erzählt, dass sie einmal sexuell aktive Nachbarn hatte, die laute Sex-Geräusche von sich gegeben haben. Sie war sauer und hat sich bei der Hausverwaltung beschwert. Die drohten ihr Rausschmiss.
Was tun, wenn die Nachbarn laut stöhnen?
Nun sitze ich in dieser Sache echt zwischen den Stühlen. Dummerweise habe ich nämlich meiner Sex-Geräusche-Freundin erzählt, dass sie in ein Haus zieht, in dem eine Freundin von mir ihre Nachbarin sein wird, die Sex-Geräusche hasst. Ich mache mir Sorgen um das herrliche Sexleben meiner Sex-Geräusche-Freundin. Die traut sich nämlich nicht mehr. Die schickt ihren Freund weg, wenn er Sex will, weil sie Angst davor hat, dass meine andere Freundin sich bei der Hausverwaltung beschwert. Und dass sie dann mit ihrem Freund auf der Straße sitzt. Keine Wohnung, erst recht keinen Sex mehr, geschweige denn, welchen mit lauten Geräuschen. Stumm in die Büsche schlagen heißt es dann.
Ich frage mich, warum manche Menschen derart ausflippen, wenn es in der Nachbarschaft ein wenig lauter zugeht beim Sex. Ich habe da eine Theorie. Ich glaube, die Menschen, die kaum Sex haben, sind die schlimmsten Feinde von Sexgeräuschen. Wer das ist, der kaum Sex hat, das lässt sich leicht herausfinden. Macht die Probe aufs Exempel.
Bringt einmal in Gesellschaft das Thema ''Sex-Geräusche'' auf den Tisch. Das eine Lager ist gegen Sexgeräusche, plädiert dafür, dass man beim Sex die Klappe hält, damit keiner gestört wird. Das andere Lager setzt sich leidenschaftlich für die Sexgeräusche-Freiheit ein. Betrachtet diese als ein Menschenrecht und fordert grenzenlose Freude an den Sexgeräuschen Anderer. Schnell erhitzen sich die Gemüter. Sexgeräusche-Befürworter werfen den Gegnern vor, sie seien verklemmt und intolerant. Die Gegner unterstellen den Befürwortern Rücksichtslosigkeit und mangelndes Schamgefühl.
Gegner der Sex-Geräusche nur sexlose Neider?
Ich selbst tendiere eher zum Lager der Freunde der Sex-Geräusche. Die haben nämlich Recht: Wenn ich mich in einer sexuell sehr aktiven Phase befinde, erlebe ich nächtliches Stöhnen und spitze Schreie aus der Etage über mir als inspirierend. Ich lächle in mich hinein, denke an mein baldiges nächstes Mal. In sexlosen Zeiten dagegen klopfe ich grimmig mit dem Besen an die Decke.
Nun habe ich in Selbsterkenntnis eine glatte Eins. Die Wurzel meiner Empörung ist: Der pure Neid. Ratet, wer über mein ehrliches Geständnis in Rage gerät, mich wüst beschimpft? Richtig: die Sexlosen. Da haben wir die Missetäter auf frischer Tat ertappt. Spricht man sie darauf an, leugnen sie ihr enthaltsames Leben. Früher oder später brechen sie allerdings argumentativ zusammen, geben zu, dass sie keinen Sex haben. Und unbedingt welchen wollen. Unbedingt. Am besten mit Geräuschen. Was soll ich dazu sagen!? Ein Hoch auf die Sexgeräusche! Und darauf, dass alle so viel Sex haben, wie sie wollen.















