Online auf Partnersuche: Erste Kontaktaufnahme
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Partnersuche im Internet: Die ersten E-Mails
Frauenzimmer-Autorin Lotta Mertens schreibt über ihr ganz persönliches "Erstes Mal" - auf Partnersuche bei der Online-Singlebörse neu.de. Nach zwei weiteren Wochen in der digitalen Welt des Flirtens ist sie um einige Erfahrungen reicher und mitunter etwas überfordert…
Von Lotta Mertens
Den schlimmsten Teil habe ich hinter mir: die Auswahl eines Profilfotos. Nachdem neu.de ein Foto von der Seite beim Laufen und eins, auf dem ich genau nicht in die Kamera geguckt habe, als Profilfoto abgelehnt hat, fühlte ich mich genötigt, dann doch mal freundlich in die Kamera zu lächeln. Genauer gesagt, in die Webcam meines Rechners. Im Prinzip finde ich es super, dass neu.de wirklich jedes Foto kontrolliert und nur aussagekräftige Bilder zulässt. Aber mir ist es immer noch ein bisschen peinlich, online auf Partnersuche zu sein. Und ich möchte nicht, dass mich aus Jux und Dollerei ein Kollege anschreibt, wobei - dem müsste es dann ja genauso peinlich sein, also hält der sich vielleicht auch lieber bedeckt.
Partnersuche: Kontakt mit dem beleidigten Widder
Nachdem ich also ein Foto hochgeladen und einen ausführlichen, möglichst ehrlichen Begrüßungstext geschrieben habe, wimmelte es nur so von neugierigen männlichen Besuchern auf meinem Profil. Was mich dazu bewogen hat, dann doch mal einen Abend online zu sein, bewaffnet mit einem Glas Rotwein. Was dann passierte, hat mich tatsächlich fast an die Grenzen meiner kommunikativen Fähigkeiten gebracht, von denen ich bisher dachte, sie wären uneingeschränkt. Zunächst klickte also im Sekundentakt ein neuer Besucher auf mein Profil. Wenn man online ist (also auch im neu.de Chatfenster erscheint), poppt unten rechts immer eine kleine Meldung auf. Die meisten Besucher habe ich allerdings gleich aufgrund ihres Fotos ignoriert. Zeitgleich wurde ich aber in einem weiteren Fenster ständig angelächelt. Also da auch mal nachsehen. Aha, soso, ja, ganz nett. Ab und zu habe ich dann mal zurückgelächelt. Wir wollen ja höflich blieben.
Und dann war es soweit: meine erste Mail! Ich gebe zu, ich war ein wenig aufgeregt und der Herr war optisch auch recht präsentabel. Aber weil er gerne gleich Nägel mit Köpfen macht, sollte ich sofort meine Telefonnummer rausrücken. So nicht, mein Lieber! Als wenn ich jedem dahergelaufenen Wicht einfach so meine Telefonnummer auf die Stirn nageln würde. Auch der nächste Herr - Sternzeichen Widder - kam direkt zur Sache und stellte gleich ein paar "nette" Fragen (in meinem Profil steht, dass ich ohne Sport und Musik nicht leben kann - ich schätze, dass sich seine Mail darauf bezog): „kommt drauf an, ob Du Dich auch für die wirklich wichtigen Dinge im Leben begeistern kannst... Sport jedenfalls im Wettkampf? Na gut. Nicht bei mir. Musik hoffentlich selbstgemacht wie bei mir?“ Auf diese etwas - sagen wir mal - überhebliche Kontaktanfrage schrieb ich zurück, dass ich ihm herzlich für die Mail danke, zeige sie mir doch sofort, dass wir nicht auf einer Wellenlänge schweben würden. Daraufhin war der Widdermann dann etwas bockig: „ah, arrogant und nix auf der Pfanne :) danke und bitte für die Blumen“ Ganz ehrlich: Ich wusste sofort, warum dieser Mann Single ist...
Flirten mit rassigen Italienern und smarten Nerds
Nach weiteren gefühlt hundert Profilbesuchern und zwanzig "Smiles" war ich kurz davor durchzudrehen. Das war mir eindeutig zu viel für einen Abend. Und nur ein Bruchteil der Besucher weckte mein Interesse. Die meisten zeigen einfach die männliche Gabe des Ignorierens. Zum Beispiel der angegebenen Altersgrenze: Ich freue mich zwar über Komplimente, aber "bis 40" schließt doch irgendwie Angebote von Männern Mitte 50 aus - dachte ich. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur spießig. Auch diese Mails à la: "Na, Blondie, ich bin dein Traumboy - lern mich kennen" lösen bei mir keine Glücksgefühle aus. Im Gegenteil.
Aber es gab auch nette Mails, seltsamerweise waren die alle in Englisch verfasst. Das stellt zwar kein größeres Problem dar, trotzdem ist es etwas seltsam. Denn die Möglichkeiten, sich mal eben auf einen Kaffee zu treffen in Italien oder den USA sind dann doch eher gering. Da ist zum einen Mario aus Italien, Unternehmensberater, viel unterwegs und scheinbar finanziell gut ausgestattet - das zumindest klang bei der Beschreibung seines latent mondänen Lebensstils durch. Zu blöd nur, dass ich überhaupt nicht auf Geld stehe und mir reiche Typen am Allerwertesten vorbeigehen. Trotzdem konnte man sich mit Mario im Chat nett unterhalten. Er war höflich und interessiert und schien ernsthaft auf der Suche nach einer Frau zu sein.
Auch mit Phil ergab sich ein netter Mailkontakt, auch in Englisch. Leider ist Phil erst 25 und studiert Informatik. Gut, das Studienfach ist nicht das Problem, aber sieben Jahre Altersunterschied rückwärts? Das ist mir trotz allgemeinem Trend zum jüngeren Mann dann doch etwas zu viel. Aber dennoch: Phil ist super nett, sieht auf dem Profilfoto lecker aus, wohnt tatsächlich auch in Köln und macht den Eindruck, es ernst zu meinen. Damit muss ich meine Meinung über Singlebörsen zumindest zum Teil korrigieren: Zwischen den ganzen Selbstüberschätzern und Vollwürsten gibt es durchaus anständige und nette Männer, die es in der Tat ernst meinen, drei grade Sätze schreiben können, nicht auf den Kopf gefallen sind und ein passables Äußeres vorweisen. Das ist mehr, als ich je zu finden gehofft hatte. Von Mr. Right fehlt nach drei Wochen allerdings immer noch jede Spur. Aber ich bleibe dran, so schwer kann das doch mit der Nadel im Heuhaufen nicht sein!





















