LIEBE LIEBE

Liebe auf Augenhöhe: Keine Frau ist eine Göttin!

Birgit Ehrenberg
Ehrenbergs neue Liebeskolumne

Eine Frau ist eine Frau und keine Göttin.

Ich plädiere immer dafür, dass eine Frau an ihrem Selbstverhältnis arbeitet. Es heißt ja, dass nur jemand, der sich selbst liebt, einen anderen Menschen wirklich lieben kann. Das ist eine große Wahrheit, wobei mir der Ausdruck "Selbstliebe" nicht so gut gefällt. Ich bevorzuge das Wort "Achtung". Das drückt mehr aus, finde ich. Wer sich achtet, der geht sorgfältig und eben achtsam mit sich um, er weiß sich zu schätzen, kennt seinen Wert. Das sind präzise Maßgaben für den Umgang mit der eigenen Psyche.

Die weibliche Selbstachtung geht manchmal den Keller runter, wenn man vom Leben, von Männern, mehrfach einen auf den Deckel bekommen hat. Häufig geschieht es dann, dass eine derart gebeutelte Frau sich nach und nach wieder auf sich besinnt, ihre seelische Baustellen hinter sich lässt und mit einem erholten Selbstwertgefühl einen Neuanfang wagt.

Das ist gut! Nach hinten geht dieser Schuss allerdings los, wenn die Frau ein übersteigertes Selbstbewusstsein entwickelt hat. Man kann auch zu viel Selbstbewusstsein haben, das verleitet einen leicht zu merkwürdigen Ansichten.

Ich kenne zum Beispiel viele Frauen, für meinen Geschmack zu viele, die deutlich formulieren, wie sie von einem Mann behandelt werden wollen: Nämlich wie eine Göttin. Das ist ja fast schon ein geflügeltes Wort geworden: "Ich will wie eine Göttin behandelt werden!"

Ich frage: Was soll das heißen? Dass Männer sich einem vor die Füße werfen? Auf einem Altar Opfer darbringen? Einen ehrfürchtig betrachten wie eine Heilige? Ich frage weiter: Was soll das bringen? Ich kann doch nur mit einem Mann auf Augenhöhe glücklich sein. Wie soll Harmonie entstehen, wenn die Frau - quasi als Göttin verkleidet - Lichtjahre über dem Mann steht? Das ist doch eine Qual von Anfang an.

Der Mann, der sich in eine solche Beziehung begibt, der sich auf diese Art der Anbetung und Unterwerfung einlässt, der die fiese Suppe auslöffeln soll, die ein anderer Mann mit seinen Missetaten eingebrockt hat, wird seine "Angebetete" bald anstrengend finden. Zu anstrengend, um mit ihr zusammensein zu wollen.

Ich stelle mir vor, dass dieser arme Mensch vielleicht auch schon schlechte Erfahrungen mit einer Frau gemacht hat. Gleiche Rechte für alle: Was ist, wenn er fordern würde, dass man ihn wie einen Gott behandeln möge? Da würden Frauen, die Göttinnen sein wollen, dumm aus der Wäsche gucken.

Eine Frau ist eine Frau und keine Göttin

Wir können die Sache auch pragmatisch betrachten: Ein Mann, der vor einem herumkriecht im Staube und den lieben langen Tag nichts anderes im Sinn hat, als sich anzubiedern, den will doch keine Frau haben. Das ist doch schnell unerträglich, das geht einem auf die Nerven.

Da fällt man dann gern wieder auf einen männlichen Bösewicht rein, nur um nicht einzuschlafen vor Langeweile. Und einen Bösewicht wollte man doch eigentlich nicht mehr!

Ich würde also zusammenfassen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Eine Frau ist eine Frau und keine Göttin. Sie darf sich selbst achten und gut finden und darf sich mit jedem Recht der Welt wünschen, dass ein Mann sie wie einen Menschen behandelt, der Respekt verdient. Aus diesem wertschätzenden Umgang kann sich Liebe entwickeln und blühen und gedeihen – wenn dem Mann genau das Gleiche gewährt wird: Respekt. Bitte merken: Götter gehören in den Himmel.

Hier auf Erden gilt: Menschen passen zu Menschen. Wir sind alle gleich in der Liebe.

Liebe auf Augenhöhe, das macht Liebe leicht!

Eure Birgit

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