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Lesbischer Sex: Ist Sex unter Frauen wirklich besser?

Liebeskolumne
Birgit Ehrenberg

Darum ist Sex von lesbischen Frauen nicht unbedingt besser

Immer wieder geistern neue Sex-Studien durch die Hemisphäre, meistens sind die Ereignisse nicht wirklich neu oder weltbewegend. Aber manchmal geben sie zu denken. Manchmal inspirieren sie mich dazu, etwas noch einmal aufzurollen. Wie es ein Ermittler bei der Polizei tut. Heute stecke ich meine Spürnase in den Fall: Haben Lesben wirklich den besseren Sex?

Das behaupten viele Wissenschaftler. Sie bemessen die Qualität von Sex nach der Häufigkeit von Orgasmen. Das ist natürlich ein schlagkräftiges Argument. Es gibt immer noch nicht gerade wenige Frauen, denen es schwer fällt, zum Orgasmus zu kommen. Wenn man denen sagen würde, dass sie mit einer Dame im Bett diverse Orgasmen erleben können, würde vielleicht die eine oder andere nach einen Höhepunkt dürstende Hetero-Frau schreien, dass sie unbedingt das Lager wechseln will.

Ich bin sicher, dass das mit den Orgasmen stimmt. Ich bitte Euch: Wie häufig sind Männer ungeschickt im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht? Ich meine es im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Unbeholfenheit stirbt nicht aus, da kann die Gesellschaft noch so aufgeklärt sein.

Wenn ich mir nun vorstelle, da kommt so eine Fee daher, die alle Geheimnisse des weiblichen Körpers kennt, ist das eine erfreuliche Phantasie. Was soll die schon verkehrt machen? Eher macht sie alles goldrichtig. Verlockend.

Aber: All das, was ich bis jetzt beschrieben und geschrieben habe, ist abstrakt. Fakten, abstrakte Fakten, die hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Phantasie keine bleibt – fast ein Faktum. Die Vorstellung, wie toll und erotisch es wäre, wenn da eine Frau käme, die auf der Klaviatur unsers Körpers mit Hingabe und Kenntnis spielt - reines Kopfkino. Wo bleibt das pralle Leben mit all seinen herrlichen Unsicherheiten?

Liebe spielt bei Qualität von Sex eine wichtige Rolle

Ich habe Lesben aus dem wahren Leben gefragt, ob sie glauben, dass sie besseren Sex haben. Das bezweifeln die meisten. Die Antworten klingen ähnlich wie bei Hetereos: Die lesbischen Frauen haben eher mäßigen Sex erfahren, der doch irgendwie schön war, weil sie die Frau seelisch liebten. Sie haben galaktischen Sex mit einer Frau gehabt, die sie nicht liebten. Sie hatten den besten Sex der Welt mit einer Frau, die sie liebten und mit der sie lebten. Das war immer die Krönung. So ist es für Hetero-Frauen in der Regel auch.

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich habe meine lesbischen Freundinnen befragt und keine Studie mit 7.000 Lesben durchgeführt. Ich bringe allerdings meinen gesunden Menschenverstand und meine Erfahrung mit ein in dieses Thema und kann nur sagen: Der Sex von Lesben kann besser sein, muss es nicht. Das hängt vom Einzelfall ab.

Das ist nun auch keine Neuigkeit. Aber manche Wahrheiten müssen immer wieder gesagt werden, damit sich die Leute nicht in Scheinwelten verrennen, in Vorurteile.

Offen sein, keine Etiketten aufkleben, das tut der Liebe gut, sie mag es, wenn die Menschen keine festen Bilder von ihr im Kopf haben.

Und dem Sex tut diese Frische erst recht gut.

Und den Orgasmen ebenfalls. Oha.

In diesem Sinne: In jeder Hinsicht ohne Scheuklappen durch das Liebesleben gehen, neugierig bleiben, das macht die Liebe leicht!

Eure Birgit

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