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Lernen im Internet: Wie sinnvoll ist Medienunterricht schon in der Grundschule?

Medienunterricht schon in der Grundschule?
Medienunterricht schon in der Grundschule? Tablets statt Schulbücher 00:02:17
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Könnte 'Googeln' schon bald auf dem Lernplan stehen?

Smartphone, Tablet und Notebook sind aus deutschen Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Aber soll auch in der Grundschule damit gearbeitet werden? Bildungsexperten haben den Vorschlag gemacht, dass Kinder lieber lernen sollten, wie man richtig googelt, anstatt den Unterrichtsstoff auswendig zu lernen. Viele Eltern sehen das kritisch, aber kommen wir in der heutigen Zeit wirklich darum herum, mit diesen Medien zu arbeiten? Und ist es nicht besser, Kindern schon in der Grundschule beizubringen, wie man verantwortungsvoll Umgang mit den zahlreichen Angeboten umgeht?

Von Jutta Rogge-Strang

Kreativer Umgang mit digitalen Medien will gelernt sein

Digitale Medien bieten viele Möglichkeiten für Information und Kommunikation. Aber sie bergen natürlich auch Risiken, wenn man an Computerspielsucht oder Cybermobbing denkt. "Schulen in Deutschland stehen heute vor der Herausforderung, die Heranwachsenden zu einem selbstbestimmten und kritischen, aber auch zu einem produktiven und kreativen Umgang mit digitalen Medien zu befähigen“, fand Heike Schaumburg 2015 in ihrer Studie für die Bertelsmann Stiftung heraus.

Das größte Problem dabei sind die Lehrer. Denn die sind nicht als 'Digital Natives' aufgewachsen und haben den Umgang mit den elektronischen Medien nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Während heute schon Kleinkinder versuchen, gedruckte Bilder mit den Fingern zu vergrößern, muss die Eltern- und Lehrergeneration den Umgang mit den neuen Medien erst lernen. Um einen kompetenten Unterrricht abzuhalten, müssen Lehrer also immer wieder weitergebildet werden, um mit den rasanten digitalen Entwicklungen mithalten zu können. 

In einigen deutschen Schulen gibt es bereits Medienunterricht

Sinnvoll ist der Medienunterricht auf jeden Fall: Der Unterricht wird durch den Einsatz von Lernspielen oder e-books abwechslungsreicher und es werden neben Inhalten ganz nebenbei auch Computerkenntnisse vermittelt, so eine Umfrage der 'Deutschen Telekom Stiftung' 2013 unter Schülern und Lehrern. Dabei gaben aber nur 23 Prozent der befragten Schüler an, den Umgang mit Medien von Lehrkräften gelernt zu haben. 64 Prozent haben sich den Umgang selbst angeeignet, 45 Prozent von Freunden, 36 Prozent von den Eltern gelernt.

In Limburg fängt eine Grundschule immerhin schon in der 3. Klasse mit dem Medienunterricht an: "In der heutigen Zeit werden wir nicht umhin kommen, mit diesen neuen Medien zu arbeiten. Die Kinder werden das zuhause sowieso verwenden. Ich denke, dass es unser Job ist, in der Schule den Kindern einen richtigen Zugang zu geben und zu zeigen, dass sie verantwortungsbewusst damit umgehen und nicht einfach nur rumsurfen“, so die Grundschullehrerin. Dabei sollen die Kleinen auch nicht überfordert werden: Erwachsenen-Suchmaschinen wie Google bieten viele Informationen an, zu viele für Kinder. In Limburg nutzt man daher altersgerechte Suchmaschinen wie Frag-Finn, Hells Köpfchen und Blinde Kuh.

Für ältere Kinder und Jugendliche bieten Diskussionsforen, Chats und Wikis die Möglichkeit, sich sinnvoll zu vernetzen. In diesen gemeinsam genutzten "Arbeitsräumen“ können sie kommunizieren, elektronische Dokumente auszutauschen oder gemeinsam an einem digitalen Produkt arbeiten. Voraussetzung dafür sind allerdings ausreichend viele und funktionierende Computer oder Tablets in der Schule. Denn gerade an der Ausstattung hapert es häufig: Deutschland liegt damit weit abgeschlagen hinter anderen Nationen wie Australien, Kanada oder den Niederlanden zurück. 

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