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Leihoma und -Opa als Ehrenamt: Weil Großeltern so wichtig für Kinder sind

SO funktioniert das ehrenamtliche Projekt 'Leih-Oma'
SO funktioniert das ehrenamtliche Projekt 'Leih-Oma' Unterstützung für Eltern, Spaß fürs Kind 00:02:30
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Unterstützung für die Eltern, Spaß fürs Kind

Vor ein paar Jahren hat sich meine Mutter entschieden, vom Land in die Stadt und ein paar Straßen von uns entfernt einzuziehen, um näher bei ihren Enkeln zu sein. Bis heute ein Riesenglück für uns, sonst könnten wir den Familienalltag und das tägliche Jonglieren zwischen Job und Kinderbetreuung gar nicht wuppen. Wenn die Kita mal wieder streikt, wenn ein Kind zum Arzt, aber wir zu einem Termin müssen – im Notfall hilft Oma. Und für die Kinder ist es natürlich sowieso das Großartigste auf der Welt, jeden Tag die Oma zu sehen, von ihr abgeholt zu werden oder bei ihr nach der Schule Mittag zu essen. Oma schimpft nicht so viel wie Mama. Oma hat immer Süßigkeiten im Schrank. Oma spielt zwei Stunden lang mit den Puppen ohne einmal dabei die Augen zu verdrehen. Oma tröstet. Vor allem aber hat Oma Zeit.

Von Merle Wuttke

Und man glaubt es kaum, aber mit einer Großmutter, die in derselben Stadt, am besten sogar noch in demselben Viertel wohnt, wie man selbst, zieht man neidischere Blicke auf sich als mit dem schicksten Kinderwagen. So selten ist dieser Fall nämlich heute – jedenfalls in vielen Großstädten, dass man fast schon ein wenig Angst haben könnte, dass die eigene Oma bald entführt wird – um dann auf fremde Kinder aufzupassen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Wenn ich anderen Müttern erzähle, dass meine Mutter direkt ums Eck wohnt, erblassen die jedes Mal vor Neid und ebenfalls jedes Mal werde ich gefragt: „Kann man die buchen? So etwas will auch!“.

Unsere Oma geben wir natürlich nie im Leben her, aber dafür kann man sich in vielen Städten mittlerweile tatsächlich Großeltern „leihen“. Diesen Service übernehmen Agenturen, die sich auf die Vermittlung von älteren Frauen und Männern spezialisiert haben

Ob fremd oder Familie: Oma ist Oma

Dabei gibt es unterschiedliche Modelle – die Leih-Großeltern der Caritas oder anderen Einrichtungen etwa arbeiten ehrenamtlich, das heißt, die Betreuung durch die Leih-Omas und Opas kostet einen nichts. Bei anderen Agenturen verdienen die Senioren dagegen auf Minijob-Basis auch Geld mit dem Babysitting. Und: Wer es in jungen Jahren nie für längere Zeit ins Ausland geschafft hat, aber immer davon träumte, für den gibt es sogar einen „Granny-Aupair“-Service – in diesem Fall zieht die Leih-Oma mit der Familie an den Lebensort im Ausland (etwa, wenn Mutter oder Vater einen Job in Dubai oder London annehmen).

Wichtig für interessierte Eltern ist bei der Auswahl des Dienstleisters zu schauen, nach welchen Kriterien die Kinderbetreuer dort ausgewählt werden. Eigentlich sollte immer das polizeiliche Führungszeugnis vorliegen, darüberhinaus müssen die interessierten Omas und Opas in der Regel einen Kurs absolvieren, in dem unter anderen Erste-Hilfe gelernt wird. Und natürlich sollten sie auch wirklich Freude am Umgang mit Kindern haben.

Am Ende kommt es natürlich darauf an, wie gut Kinder, Eltern und die Leih-Oma zusammenpassen – schließlich wird sie im besten Fall zu einer festen Bezugsperson für die Kinder und quasi Teil der Familie. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob das nun die „richtige“ Oma ist. Auch eine eigentlich fremde Person kann eine solide Bindung zu den Kindern herstellen, wenn die Chemie stimmt. Und all die wunderbaren Dinge mit den Kindern machen und erleben, die unsere Kinder mit ihrer Oma erfahren.

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