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Lehm-Diät: Effektiv, aber gefährlich

Lehm-Diät: Effektiv, aber gefährlich
Lehm kann entweder als Tablette oder als Pulver, vermischt mit Saft eingenommen werden. (Symbolbild) © picture alliance / dpa Themendie, Monique Wüstenhagen

Abnehmen mit Lehm: Große Risiken, große Effekte

US-Stars wie Shailene Woodley und Zoe Kravitz haben es vorgemacht, jetzt ist der Trend nach Europa übergeschwappt: Um abzunehmen, nehmen Menschen Lehm zu sich. Dieser schwillt im Magen an und beseitigt das Hungergefühl. Die 'Clay Cleanse'-Diät gilt allerdings als gefährlich: Lehm kann giftiges Arsen enthalten, das Nierenversagen, Schäden an Gehirn und Nerven, sowie Krebs verursacht.

Das Abnehmen mit Lehm ist der neueste Einfall der Diätindustrie. Die Lehm-Diät soll aber nicht ausschließlich beim Abnehmen helfen, sondern auch dem Körper Toxine entziehen. Der Trend entstand in den USA, wurde durch Hollywood-Stars bekannt und kommt in Europa an, berichtet die Zeitung ‚Daily Mail‘. Das englische Blatt hat mit Fiona Nicholl gesprochen – die Frau aus Wilmslow in der Nähe von Manchester hat dank dem Lehm-Pulver circa vier Kilogramm in zehn Tagen abgenommen.

„Es hat sich perfekt angehört: Schnell abnehmen, ohne sich hungrig zu fühlen“, sagt sich die 50-Jährige, bei der laut eigener Aussage keine sonstigen Diäten gewirkt hatten. Sie bestellte eine 'Home Detox Box' für knapp 100 Euro. Im Paket enthalten waren probiotische Nahrungsergänzungmittel, Enzym-Kapseln, ein Einlauf-System für Zuhause sowie 200 Gramm von einem Gemisch aus Bentonit und Flohsamenschalen.

An den ersten drei Tagen der Diät nahm Fiona nur die Probiotika, die das Wachstum von guten Darmbakterien fördern und vier oder fünf Lehm-Säfte zu sich. „Obwohl die Säfte das Hungergefühl verdrängen, beraubten sie mich der Energie – ich wollte nur noch schlafen“, erinnert sich Fiona. Da der Lehm kaum verdaut werden kann, musste Fiona ein- oder zweimal am Tag das Einlauf-Set benutzen.

Lehm-Diät: Mögliche Nebenwirkungen schrecken nicht genug ab

Wie funktioniert die Lehm-Diät? Ernährungswissenschaftlerin Nora Lohner erklärt: "Lehm enthält das Tonmineral Bentonit. Es wirkt wie ein Schwamm, nimmt Schadstoffe auf und kann auf das Zwölffache des Ursprungsvolumens anschwellen. Daher sorgt Bentonit für ein Sättigungsgefühl, ohne dem Körper dabei Kalorien zuzuführen. Zudem enthält Lehm wichtige Spurenelemente wie Magnesium, Kalzium und Eisen. Daher gehen viele Menschen davon aus, den Körper über Lehm mit diesen Spurenelementen versorgen und ihrem Körper etwas Gutes tun zu können. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall: Die Spurenelemente sind fest an den Lehm gebunden und können vom Körper nicht aufgenommen werden".

Stattdessen bindet der Lehm seinerseits Nährstoffe wie Eisen und Kalium und entzieht sie dem Körper dadurch. Daher leiden viele Menschen, die Lehm in ihre Ernährung integrieren, an einem Eisenmangel und folglich an Blutarmut (Anämie). Das äußert sich in Form von Blässe, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Der Vorteil: Nicht nur gesundheitlich günstige Stoffe heften sich an den Lehm, sondern er bindet auch Stoffwechselprodukte, die für den Körper problematisch sein können. Daher wirkt Lehm entgiftend. "Daher lässt sich der Grundsatz der Diät auch sehr treffend mit dem Satz 'Dreck reinigt den Magen' zusammenfassen", so Lohner.

Fiona Nicholl schrecken die Risiken nicht ab: Sie will die Diät nächstes Jahr wiederholen.

Lohner hält grundsätzlich nicht viel von schnellen Diäten: "Grundsätzlich sollte man von allen Diäten die Finger lassen, die einseitig und dazu geeignet sind, die Gesundheit zu gefährden. Dies ist bei der Lehm-Diät definitiv gegeben. Wer dauerhaft abnehmen will, kommt um eine langfristige Ernährungsumstellung nicht herum. Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, fettarme Milchprodukte sollten täglich, Fisch und Fleisch mindestens drei Mal in der Woche auf Ihrem Speiseplan stehen. Trinken Sie täglich mindestens zwei bis drei Liter und zwar am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Regelmäßige Bewegung unterstützt die Gewichtsabnahme zusätzlich", rät die Ernährungsexpertin.

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