FAMILIE FAMILIE

Lebenssituation von Müttern: Wo leben die glücklichsten Mamis?

Lebenssituation von Müttern: Studie macht weltweiten Vergleich
© dpa, Stephanie Pilick

Wie ist die Lebenssituation von deutschen Müttern?

Die internationale Kinderrechtsorganisation ‚Save the Children‘ hat seinen jährlichen Mütter-Report veröffentlicht. Darin werden die Lebenssituationen von Müttern in 176 Ländern verglichen. Deutschland ist mit Platz 9 unter den Top Ten. Auf dem Siegertreppchen sind die skandinavischen Länder Finnland, Schweden und Norwegen. Trauriges Schlusslicht ist der Kongo. Gemessen wird der „Glücks-Index“ unter anderem an Kindersterblichkeit, Schulbildung und das Ansehen der Mutter in der Gesellschaft. Aber lässt sich Glück so pauschal definieren?

Von Sabine Möller

Ich bin gerade sehr glücklich: Während ich arbeite, hat sich mein acht Monate altes Kind ins Land der süßen Träume verabschiedet und lässt mich (hoffentlich) ganz in Ruhe arbeiten. Dass es momentan mit der Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr finster aussieht, habe ich verdrängt. Wichtig ist, dass mein Sohn ausgelassen spielt, während ich Geld verdiene.

Eine Freundin von mir, ebenfalls junge Mutter, ist glücklich, weil ihre Tochter heute nachts statt vier Mal nur zwei Mal gestillt werden wollte. Ein bisschen unglücklich ist dagegen eine Bekannte, deren Sohn nur zwei Stunden geschlafen hat. Und während ich hier schreibe, ist eine Mutter im Kongo glücklich, dass sie ihren Kindern etwas zu essen besorgen konnte. Wo also beginnt das Glück und was bedeutet es?

Dabei müssten wir mit unseren Luxusproblemen wie Kinderbetreuung oder Vereinbarkeit von Kind und Karriere doch froh sein, dass wir in Deutschland leben. Ich möchte ehrlich gesagt mit keiner afrikanischen Mutter tauschen. Dagegen werden meine Sorgen klitzeklein. Der Mütter-Report bestätigt das: „Auf den unteren zehn Plätzen befinden sich ausschließlich afrikanische Länder südlich der Sahara“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung.

Lebenssituation von Müttern - haben wir Luxusprobleme?

Ursachen sind der schlechte Gesundheitszustand von Müttern, ein hoher prozentualer Anteil von sehr jungen Müttern sowie eine hohe Neugeborenensterblichkeit. In diesen Ländern herrscht ein gravierender Mangel an Gesundheitsfachkräften und medizinischer Versorgung während der Schwangerschaft bzw. Geburt. Während wir uns aufregen, dass der Frauenarzt in der Schwangerschaft nur regulär drei Ultraschalluntersuchungen macht (weil diese nur von der Krankenkasse bezahlt werden), haben die wenigsten afrikanischen Ärzte wohl schon einmal mit einem Ultraschallgerät gearbeitet.

Das Gesundheitssystem ist bei den Spitzenreitern Schweden, Finnland und Norwegen natürlich top. Sie kommen auch die Spitzenränge, weil bei ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine Probleme bereitet. Dort haben alle Kinder bis zum Schuleintritt einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, erhalten Betreuungsgeld. Die Öffnungszeiten in den Kitas sind den Arbeitszeiten der Eltern angepasst. Ähnlich sieht es in Schweden aus. In Norwegen werden Familien finanziell stark unterstützt.

Während ich mir noch überlege, wie ich das mit der Kinderbetreuung am besten angehe und auf die zu wenigen Betreuungsplätze schimpfe, sterben in den Entwicklungsländern minütlich Babys, weil sie nicht ausreichend medizinisch behandelt werden. 98 Prozent aller Todesfälle bei Neugeborenen ereignen sich in Entwicklungsländern. Es stimmt mich traurig, dass nicht jedes Kind auf dieser Welt die Chance hat, zu leben! In unserem Grundgesetz ist verankert, dass jeder Mensch gleich ist. Für die Kinder in den afrikanischen Ländern gilt das nicht. Wenn sie das Glück haben, gesund auf die Welt zu kommen, wird ihr Weg gezeichnet sein von Armut, Hunger und Krankheit.

Anzeige