Lebensmittelpreise: Essen die Deutschen gut und günstig oder billig und schlecht?

Deutsche geben nur 10% des Einkommens für Essen aus
Deutsche geben nur 10% des Einkommens für Essen aus Anderen Europäern ist das leibliche Wohl viel wichtiger 00:04:02
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Essen in Deutschland: Hauptsache billig - oder?

Lebensmittel sind in Deutschland so günstig wie selten zuvor - das geht auch aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes hervor. Demnach geben wir Deutschen nur 10 Prozent unseres Netto-Einkommens für unsere Ernährung aus - das ist etwa halb so viel wie unsere europäische Nachbarn. Sagt das auch etwas über die Qualität der Lebensmittel, die wir essen und trinken, aus?

Lebensmittel: Wie tief greifen die Deutschen in die Tasche?
Teure Lebensmittel müssen nicht zwangsläufig besser sein. © dpa, Jens Büttner

Leben im Überfluss in der Discounterrepublik Deutschland: Verbraucher kommen hierzulande günstig weg, wenn sie den Kühlschrank füllen müssen. Bedeutet das aber gleichzeitig, dass wer sparsam haushält, weniger auf das achtet, was bei ihm auf den Teller kommt? Unsere Umfrage zeigt: Das stimmt so nicht. Die Deutschen achten durchaus darauf, dass die Lebensmittel, die sie konsumieren gesund, frisch und von guter Qualität sind. Lebensmittelskandale sorgen hierzulande genauso für Empörung wie in anderen europäischen Ländern.

Die Franzosen halten sich für eine Gourmetnation, weil sie monatlich mehr Geld für ihr Essen ausgeben - doch muss das nicht zwangsläufig heißen, dass sie dafür auch wirklich höhere Qualität kaufen. Oder bestimmt die Bereitschaft der Franzosen, mehr zu zahlen, vielleicht auch ein klein wenig die Preise in den französischen Supermarchés?

Bei solchen Vergleichen muss man vorsichtig sein, weil man unterschiedliche Einkommenniveaus vergleicht. Deutschland ist ein relativ reiches Land, deshalb geben die Deutschen verhältnismäßig weniger für Lebensmittel aus. Und auch das Preisniveau muss man sich anschauen, da die Preise in Deutschland im Vergleich günstiger als im europäischen Durchschnitt sind.

Gerade mal 10 Prozent ihres Netto-Einkommens geben die Deutschen im Schnitt monatlich für Lebensmittel aus - halb soviel wie die Polen oder Franzosen beispielsweise, die sich deshalb auch für qualitätsbewusster halten.

Essen wieder schätzen lernen

Doch ein wichtiger Grund dafür, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland so niedrig sind, ist die hohe Discounterdichte in Deutschland. Das drückt zwar die Preise, senkt aber nicht unbedingt die Qualität der Produkte.

Beispielsweise waren beim großen großen Pferdefleischskandal teure Markenprodukte genauso betroffen wie die günstigen No-Name-Lebensmittel aus dem Discounter. Höherer Preis gleich höhere Qualität, niedriger Preis gleich niedrige Qualität - dieser Vergleich stimmt im Lebensmittelbereich häufig nicht.

Ein Verbraucher, der hierzulande versucht, preisbewusst hauszuhalten, muss nicht zwangsläufig auf gute Qualität verzichten. Wer sich beim Einkauf saisonal und regional orientiert und vielleicht auch mal öfter auf Fleisch und Wurstwaren verzichtet, kommt gesund ernährt durch die Woche - auch ohne sein Konto zu überziehen.

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