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Lebensmittelinfektionen: Krank durch Essen - Keime, Viren und Chemikalien schuld

Lebensmittelinfektionen durch Keime und mangelnde Hygiene
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Lebensmittelinfektionen können zu Erbrechen, Durchfall und Krämpfen führen

Weltweit sterben nach UN-Angaben jedes Jahr etwa 420.000 Menschen an Infektionen durch verseuchte Lebensmittel - unter ihnen 125.000 noch junge Kinder. Bis zu 600 Millionen Menschen erkranken demnach pro Jahr durch Nahrung, die etwa mit Chemikalien, Bakterien oder Parasiten belastet ist. Ein Drittel der Todesfälle betreffe Mädchen und Jungen unter fünf Jahren, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Anfang Dezember 2015 veröffentlichten Bericht. In Deutschland werden nach Angaben des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) jedes Jahr rund 200.000 Erkrankungsfälle gemeldet, die wahrscheinlich durch Lebensmittel übertragen wurden. Salmonellen gehören demnach in der Bundesrepublik zu den wichtigsten Erregern.

Symptome für Lebensmittelinfektionen sind Erbrechen, Durchfälle, Krämpfe sowie Fieber. Bei Vergiftungen, die auch durch Pilze oder bestimmte Fischarten ausgelöst werden können, sind diese Symptome besonders stark, und es kommen oft noch Halluzinationen hinzu. Die gravierendsten Probleme gibt es den WHO-Angaben zufolge mit Durchfall infolge verseuchter Nahrung.

Doch wo genau lauern die Gesundheits-Risiken? Hauptursache für Lebensmittelinfektionen ist der Verzehr von rohen oder nicht genügend gekochten Lebensmitteln wie Fleisch, Eier, Gemüse oder Milchprodukten, die mit Noroviren, Campylobacter, Salmonellen oder Kolibakterien belastet sind. Auch Nahrungsmittel, die mit Erregern von Hepatitis A, Typhus, Schimmelpilzen oder Bandwürmern verseucht sind, würden Hunderttausenden von Menschen schwere gesundheitliche Probleme bereiten, warnt die Studie.

Hygienemangel und Antiobiotka-Einsatz als Risikofaktoren

Die Sicherheit von Lebensmitteln hängt von vielen und immer komplizierteren Faktoren entlang der Nahrungsmittelkette ab. Sicher ist das Essen auf dem Teller nur, wenn Hersteller, Verarbeiter und Konsumenten Hygiene-Regeln beachten - und sowohl die Beteiligten selbst als auch die Behörden gründlich kontrollieren.

Eine große Mitschuld an Kontaminationen von und durch Lebensmittel tragen die Verbraucher - also wir. Die Nachfrage nach billigen Lebensmitteln wie beispielsweise Fleisch bedingt die Massentierhaltung. Damit kranke Tiere in diesem Mastfabriken nicht den gesamten Bestand infizieren, bekommen alle Tiere vorsorglich und in regelmäßigen Abständen Antibiotika verabreicht: in Deutschland werden nach BUND-Schätzungen jährlich rund 2.000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert. Das führt jedoch nicht dazu, dass die Tiere tatsächlich gesünder sind, sondern dass sich normalerweise harmlose Erreger an die Antibiotika gewöhnen - Resistenzen entwickeln, wie die Fachleute sagen. Denn die Antiobiotika gehen vom Fleisch in unseren Organismus über. Folglich entwickeln auch wir Resistenzen gegen Antibiotika. Dies kann vor allem für Erkrankte mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden.

Und auch die Zubereitung von Lebensmitteln in der Küche birgt viele Gefahren: Lange Zeit kursierte die Empfehlung, Hähnchen aus dem Supermarkt sollen abgespült werden. Mittlerweile raten Gesundheitsexperten davon ab: Das Risiko, resistente Keime in der gesamten Küche zu verbreiten, sei zu groß. Zur richtigen Hygiene gehöre, rohes Geflügel nur mit Handschuhen anzufassen und an einem gesonderten Arbeitsplatz bratfertig zu machen. Auf gar keinen Fall dürfe Geflügel auf dem gleichen Schneidebrett wie Salat, Brot oder Rohkost verarbeitet werden. Auch gut durchkochen, braten und garen sind wichtige Maßnahmen im Schutz vor Keimen.

Nicht jeder kann die Qualität von Lebensmitteln beeinflussen oder kontrollieren. Vor allem in Entwicklungsländern verbreiten sich viele Keime und Erreger über Trinkwasser. Aber wer die Möglichkeit hat, zwischen teuren und günstigen Lebensmitteln zu wählen, sollte im Zweifel etwas mehr Geld für kontrolliert produzierte Lebensmittel ausgeben und Hygieneregeln einhalten. Die WHO warnt auch vor Chemikalien - und verlangt generell strengere Kontrollen bei der Lebensmittel-Produktion.

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