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Lebensglück: Weiß man durch Kinder eher, was 'Leben' bedeutet?

Darum möchten manche Frauen keine Mutter werden
Darum möchten manche Frauen keine Mutter werden Glücklich sein - auch ohne Kinder! 00:02:59
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Glück kann viele Gesichter haben

"Erst wenn man ein Kind bekommt, weiß man, was es heißt zu leben." Was für ein schöner Satz aus dem Munde von Moderatorin Nazan Eckes. Vor einem Jahr wurde sie Mutter - und seither hat Söhnchen Lounis offenbar ganze Arbeit geleistet und Mamas Leben und vor allem die Vorstellung davon, was im Leben wichtig ist, tüchtig umgekrempelt. Wie angenehm muss es doch sein, morgens in den Spiegel zu blicken und sagen zu können: "Ich habe die eine Entscheidung getroffen – und damit für mich das große Glück gefunden." Viele Mütter empfinden so. Aber es muss nicht immer das Baby sein: Der ganz persönliche Glücksfaktor findet in völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen ein Zuhause.

Lebensglück: "Erst wenn man ein Kind bekommt, weiß man, was es heißt zu leben"
Nazan Eckes sagt in einem Interview von VIP.de: "Erst wenn man ein Kind bekommt, weiß man, was es heißt zu leben".

Ursula Willimsky

Bleiben wir erstmal bei den glücklichen Mamas. "Etwas Besseres hätte mir in meinem Leben nicht passieren können!" – diese aus tiefstem Herzen geseufzte Überzeugung gehört zu ihrem Standardrepertoire. Offenbar gibt es irgendwo ein Mama-Handbuch, das vorschreibt, dass dieser Satz im ersten Lebensjahr des Kindes mindestens sieben Mal fallen muss. Und dagegen ist schlichtweg nichts zu sagen.

Auch wenn Außenstehende die Euphorie von Fall zu Fall vermutlich nicht ganz nachvollziehen können und das, was als 'das Beste' umschrieben wird, nur schwer in Einklang bringen mit dem, was sie vor sich sehen: Häufig eine Frau mit tiefen Augenringen, die seit fünfeinhalb Monaten nie länger als zwei Stunden am Stück geschlafen hat (und in genau diesem Zeitraum auch keinen Friseursalon mehr von innen gesehen hat) und der gerade ein Säugling auf die Schulter spuckt. Ja. Glück kann so viele Gesichter haben!

So viele Dinge lassen einen fühlen, was es heißt zu leben

Und nicht immer verstehen die anderen, woraus man selbst seine Zufriedenheit schöpft. Übrigens kein rein weibliches Phänomen: Auch so mancher Mann, der akribisch die Modellhäuschen für seine Eisenbahn zusammenklebt, muss mit hämischen Unverständnis-Äußerungen zurechtkommen. Dabei ist er doch gerade einfach nur glücklich und eins mit seinem Leben. Das sollten wir ihm gönnen.

Gönnen sollten wir das Lebensglück ja generell allen: Den Mamas genauso wie den Frauen, die für ihr Leben einen anderen Schwerpunkt setzen, zum Beispiel weil sie keine Kinder wollen, keine Kinder bekommen können oder die Kinder nicht als ihren alleinigen Lebensmittelpunkt ansehen. Ein erfüllender Job, soziales Engagement, eine wunderbare Partnerschaft, ein Hobby, das einem alles drumherum vergessen lässt – so viele Dinge lassen einen fühlen, was es heißt zu leben. Ich kenne eine Frau, die einmal den schönen Satz gesagt hat: "Am glücklichsten bin ich, wenn ich an einem Sommerabend von meinem Margeriten-Bäumchen die vertrockneten Blüten abknippse." Ja. Das ist es. Fast schon Zen. Beneidenswert.

In ihrem Drang, das persönliche Glücksmoment, das das Leben umgekrempelt hat, mitzuteilen, ähneln Mütter übrigens anderen Menschen, die beispielsweise gerade Nori-Algen, fernöstliche Medizin, Teilzeit-Arbeit, eine angesagte neue Klamotten-Marke oder Barfuß-Laufen für sich entdeckt haben. Mitunter entwickeln sie alle nahezu missionarischen Eifer, um auch andere zu ihrer neuen Lebensform zu begeistern. Da hilft nur: Weghören oder mitfreuen. Hat beides mitunter seinen Reiz und kann das eigene Leben deutlich aufwerten.

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