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Lebenserfahrung: Wie viel sollten meine Kinder von meiner Vergangenheit erfahren?

Lebenserfahrung: Wie viel sollten meine Kinder von meiner Vergangenheit erfahren?
Wie viel meiner Vergangenheit sollte ich meinen Kindern erzählen? © picture alliance / Bildagentur-o

Wie viel Wahrheit verkraften Kinder?

Mit gerade mal 40 Jahren hat Drew Barrymore ihre Biografie geschrieben: Über ihre Alkoholsucht als Siebenjährige, den ersten Joint mit zehn, Kokain mit zwölf Jahren, einen Selbstmordversuch, Entziehungskuren und Therapien. "Meine Töchter sollen wissen, dass ich keine Heilige bin", so Barrymore. Aber wieviel Wahrheit ist gut für die Kinder?

Von Jutta Rogge-Strang

Wieviel sollten die Kinder von der eigenen (vielleicht negativen) Vergangenheit erfahren? Was sollte man besser verschweigen? Drew Barrymore hat ein wildes Leben hinter sich, ist mittlerweile in dritter Ehe verheiratet und hat mit ihrem jetzigen Ehemann zwei Töchter, Olive (3) und Frankie (17 Monate). Für die beiden habe sie das Buch geschrieben: "Meine Töchter sollen wissen, dass ich keine Heilige bin, die sie davor behüten will, ihre eigenen Erfahrungen zu machen."

Aber kann das wirklich klappen? Ist eine ausführliche Biografie nicht zuviel Information für die Kinder? "Ich werde nicht so tun, als wäre ich ein unbeschriebenes Blatt", so Barrymore zum 'In Style'-Magazin: "Das Beste, was ich tun kann, ist ihnen mein Herz auszuschütten. Schlechte Entscheidungen zu treffen, macht dich nicht zu einem schlechten Menschen. [Durch Fehler] lernt man, bessere Entscheidungen zu treffen." Die Kinder werden früher oder später sowieso von der wilden Vergangenheit der Mutter erfahren: Drews Eskapaden wurden ausführlich in den Schlagzeilen abgefeiert. Ist also Angriff die beste Verteidigung?

Kinder merken genau, wenn es ein Geheimnis gibt

Was soll ein Kind wissen, was kann es seelisch verkraften und was soll es besser nicht wissen? Wann ist der geeignete Zeitpunkt, ein Kind mit einer besonders schmerzlichen Wahrheit zu konfrontieren? Drew Barrymore ist eine Person des öffentlichen Lebens, sie kann ihre Vergangenheit nicht verstecken. Natürlich sind die beiden Kinder noch viel zu jung, um überhaupt etwas von der unrühmlichen Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren.

Psychologen empfehlen, die schlimmen Geschichten von früher lieber in kindgerechte Worte zu fassen. Selbst dann ist manchmal ein Punkt erreicht, wo das Kind genug gehört hat. Wenn es nicht mehr zuhört, reichen die Infos erst einmal aus. Wenn das Kind wirklich noch mehr wissen will, wird es wieder nachfragen. Welche Wahrheiten und Geheimnisse man Kindern zumuten kann, ist aber jeweils vom Alter und der individuellen Reife abhängig und sollte dosiert werden.

Kinder merken genau, wenn es ein Geheimnis gibt, über das nicht geredet wird, und das macht ihnen Angst. Besser ist es also, dosiert und kindgerecht auf Fragen zu antworten. Denn auch die Erwachsenen haben in der Kindheit ihre Erfahrungen gemacht, und das beeinflusst eben auch die Erziehung der eigenen Kinder.

Drew Barrymore gibt ihrer Mutter Jaid Barrymore bis heute die Schuld an ihren Problemen in Kindheit und Jugend. Und sie weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn ein Kind zu viele Informationen über die Eltern bekommt: "Meine Mutter Jaid schrieb ein Buch über Sex und das war das schrecklichste Gefühl der Welt! Das würde ich meinen Töchtern nie antun, es gibt Dinge, die willst du einfach nicht von deinen Eltern wissen." Ob Drew das wohl selbst beherzigt hat?

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