Leben ohne Arme: Mutter ohne Arme lehrt ihren Sohn Lebensmut

Mutter und Sohn haben von Geburt an keine Arme

Linda hat es sich zum Lebensziel gemacht, ihrem kleinen Sohn zu zeigen, dass er trotz seiner Behinderung alles im Leben schaffen kann. Sowohl sie selbst wie auch ihr Sohn kamen ohne Arme zur Welt.

Leben ohne Arme: Mutter ohne Arme lehrt ihren Sohn Lebensmut
Wegen dem seltenen Gen-Defekt, Holt-Oram-Syndrom genannt, haben Linda und Timmy keine Arme.

Da die beiden keine Hände haben, regeln sie alles in ihrem Leben mit den Füßen - doch für Linda ist das Leben mehr als lebenswert. Aus diesem Grund hat sie sich ganz bewusst für ein Kind entschieden. „Ich wusste immer, dass das Risiko besteht, dass mein Kind die gleiche Krankheit haben könnte wie ich. Trotzdem haben wir uns für ein Baby entschieden“, erzählt die stolze Mutter.

Linda hat ihrem Sohn die Krankheit tatsächlich vererbt. Auch Timmy hat von Geburt an keine Arme. Dass das kein Problem ist, demonstriert Linda ihrem Sohn tagtäglich. Für jeden normalen „Handgriff“ lässt sie sich eine eigene Lösung einfallen. Kochen oder Betten machen - kein Problem für die 35-jährige. Selbst die schwierigsten und feinsten Bewegungen beherrscht sie inzwischen mit ihren Füßen.

Linda will wie alle Frauen gut aussehen: „Wenn ich Make-Up trage, denken immer alle, mich hätte jemand geschminkt. Wenn ich dann sage: ‚Nein, das habe ich selber gemacht‘, kann das niemand glauben“, erzählt sie. Linda ist fest davon überzeugt, dass auch ihr Sohn alles schaffen kann - ohne Sonderbehandlung, denn die wollte die starke Frau schon als Kind nicht. Linda wächst mit vier gesunden Geschwistern auf, weigert sich sogar die extra für sie angefertigten Armprothesen zu benutzen.

„Es ist mir nie in den Sinn gekommen ist, dass ich anders als andere Kinder bin. Meine Eltern haben immer von mir erwartet, dass ich Aufgaben im Haushalt erledige. Ich musste auf meine Geschwister aufpassen, Windeln wechseln und die Babys füttern. Außerdem bin auf eine öffentliche Schule gegangen, in eine Klasse in der sonst keine Behinderten waren“, berichtet die Frau.

Vor elf Jahren findet sie das große Glück - den Mann ihres Lebens. In einem Fitnessstudio trifft sie auf Richard. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick: „Mich haben ihre starke Persönlichkeit und ihre offene Art so fasziniert. Für mich ist sie eine wunderschöne Frau“, sagt der Mann, den Linda inzwischen geheiratet hat. Das Paar feierte vor zehn Jahren seine Traumhochzeit und wünschte sich nichts sehnlicher als ein Kind. Aber das Risiko, dass Lindas Baby auch krank zur Welt kommen könnte ist extrem hoch, denn die Krankheit ist vererbbar.

Leben ohne Arme: Seltenes Gen-Defekt ist schuld

„Ich leide unter einem Gendefekt, dem Holt-Oram-Syndrom, es nennt sich auch Herz-Hand-Syndrom. Es ist eine Fehlbildung des Herzens und der Arme“, erklärt Linda. Tatsächlich wird auch Timmy mit dem seltenen Gendefekt geboren. Unter 100.000 Menschen hat ihn nur eine Person - Timmy gehört dazu. Drei Monate verbringt er im Krankenhaus, muss mehrmals operiert werden. Timmy überlebt nur knapp.

Sein Herzfehler konnte erfolgreich operiert werden - heute ist Timmy neun Jahre alt. Mit viel Geduld bringt Linda ihm jetzt alles bei: Vom Essen übers Zähneputzen bis hin zum Spielen. „Meine Mutter zeigt mir immer wie ich meine Füße benutzen muss, damit ich ein normales Leben führen kann“, sagt der Neunjährige. Timmy spielt sogar Gitarre und Keyboard mit den Füßen. Zu Hause scheint er glücklich zu sein, aber in der Schule sieht das etwas anders aus.

„Ich würde mir wünschen, dass ich Arme hätte, genau wie meine Mitschüler. Dann wäre ich endlich nicht mehr anders“ – Worte, die Mama Linda nachdenklich stimmen. Sie macht sich Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes: „Was passiert, wenn er keine Partnerin findet? Mit meinem Ehemann habe ich jemanden, der auf mich aufpasst und mir hilft, wenn meine Eltern nicht mehr da sind. Er hat das jetzt schon von ihnen übernommen. Mein Sohn hat das nicht. Timmy hat auch keine Geschwister die für ihn da sein könnten und ihn unterstützen“.

Für Linda und Richard ist die Familienplanung abgeschlossen, das Risiko ein weiteres Kind mit dem Gendefekt zu bekommen ist ihnen zu hoch. Timmy bleibt der Lebensmittelpunkt seiner Eltern.

„Timmy ist so ein charismatischer, lustiger und intelligenter Junge – es macht einfach so viel Spaß ihn aufwachsen zu sehen. Ich bin so stolz auf meinen Sohn und auf alles was er macht. Es ist fantastisch, dass er alles daran setzt, all die Dinge zu schaffen, die gesunde Kinder können“, sagt Richard über seinen Sohn.

Um Timmy den Kontakt zu anderen Betroffenen zu ermöglichen, will Linda jetzt sogar eine eigene Hilfsorganisation ins Leben rufen. Dafür büffelt sie mehrmals die Woche in einem Management-Seminar und wächst wieder einmal über sich hinaus, damit Timmy trotz seiner Behinderung ein glückliches Leben hat - genau wie seine Mama.

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