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Leben mit Brustkrebs: Nicole Staudingers Kampf gegen den Krebs

"Wir Frauen sind so viel mehr als nur Brüste und Haare"

In ihrem Buch 'Brüste umständehalber abzugeben' berichtet Nicole Staudinger über ihre Krebserkrankung und wie sie mit ihrer Familie dagegen angekämpft hat. Mittlerweile ist sie gesund und entschied sich, ihre Brüste und Eierstücke entfernen zu lassen um die Krankheit nicht noch einmal ausbrechen zu lassen. Sie möchte damit Frauen mit ähnlichem Schicksal ermutigen: "Wir Frauen sind so viel mehr als nur Brüste und Haare."

"Brüste umständehalber abzugeben": Nicole Staudingers Kampf gegen den Krebs
n „Brüste umständehalber abzugeben“ berichtet Nicole Staudinger über ihr Leben mit Krebs. © www.fotomotor.de, Moritz Thau

Als die Krankheit sie einnahm, war sie Ehefrau, Mutter zweier Söhne, auf dem Weg in die Selbstständigkeit, hatte gerade eine Firma gegründet, wollte mit ihren Seminaren auf Tour gehen. Nicole Staudinger ist selbsternannte "Schlagfertigkeitsqueen". Und das ist nicht etwa hochgepokert, sondern eine gute Selbsteinschätzung, denn sie gibt Schlagfertigkeitsseminare für Frauen mit dem motivierenden Ziel: "Steh deine Frau!". Nun ist sie auch noch Buchautorin – mit einer ähnlichen Mission.

Ausgerechnet an ihrem 32. Geburtstag entdeckt sie den Knoten in der Brust. Sie steht unter der Dusche, tastet ihre Brust ab, wie immer. Den Knoten nennen sie und ihre Freundin "Karl Arsch". Ein Name, der für so eine schlimme Krankheit noch zu lieb klingt, aber ihre Einstellung repräsentiert: hoffnungsvoll. Vom Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs bis zum Beginn der Chemo waren es zweieinhalb Wochen in der ihr vor allem ihre Mutter beistand. "Das ist nicht lang, aber für mich war es eine Ewigkeit", sagt sie. Diese schwere Zeit überstand sie mit ihrer Mutter vor allem, weil die beiden so konstruktiv positiv an die Sache herantraten: "Jede Untersuchung war ein Berg. Und diese Berge haben wir uns einzeln vorgenommen. Zwischen den Bergen gab es Stücke, die geradeaus gingen. Die muss man dann auch genießen und währenddessen Kraft schöpfen."

Nicole Staudinger: 'Brüste umständehalber abzugeben'

"Meine Familie und vor allem meine Kinder sind mein Motor", sagt sie. Die Konfrontation mit dem normalen Familienalltag während der Krankheit war für sie zwar eine Herausforderung, aber auch Antrieb und Bestimmung. An schlechten Tagen sind ihre Söhne und ihr Mann die Motivation. Die beiden Jungs sind auf ihre Mama angewiesen und geben ihr gleichzeitig Aufgaben und Lebensmut. „Ihr seid meine beste Medizin“, sagt sie zu ihrer Familie und meint damit wohl auch die schmerzhafte Ehrlichkeit ihrer drei Männer zu ihrer der Chemo geschuldeten Kurzhaarfrisur, die offenbar nicht den größten Anklang fand. Für Nicole selbst fühlte sich der Ausfall ihrer Haare an, „als ob man seinen Schutz ablegen muss. Es fühlt sich sehr, sehr bitter an.“ Diese aufrichtigen Worte zeigen, dass die Krankheit sie trotz positiver Einstellung stets darauf hinweist, in welchem Stadium der Erkrankung sie noch steckt.

So gab es natürlich auch Tage, an denen sie im Bett lag und sich und ihr schweres Schicksal einfach nur selbstbemitleidet hat. Ihre Familie hatte Verständnis, verlor jedoch nicht den Fokus aus den Augen: "Ja, Du bist eine arme Maus, aber jetzt steh auf, die Sonne scheint."

Nicole Staudinger empfand die Krankheit insgesamt sowohl körperlich als auch seelisch sehr schmerzhaft. Dabei hat sie für sich herausgefunden: "Die gesunde Seele kann den Körper ganz gut aufrecht halten, andersrum ist es schwieriger."

Stars wie Kylie Minogue und Sylvie Meiss, die auch an Brustkrebs erkrankten, sieht sie kritisch: "Wenn dann auch bitte mit allen Höhen und Tiefen. Brustkrebs ist nicht nur Perücke und schön schminken. Brustkrebs ist auch Todesangst und Übelkeit von der Chemo." Nicole Staudinger trägt das, was die meisten unter Angelina-Jolie-Gen (BRCA1 bzw. BRCA2) kennen, in sich. Sie hat sich auch mit der Schauspielerin und ihrem Schicksal, so wie der Entscheidung, sich die Brüste abnehmen zu lassen auseinandergesetzt. "Sie wurde sehr oft als hysterisch beschrieben. Für mich war klar: Ich mache alles in meiner Macht Stehende, um diese Sache nie mehr wieder zu bekommen." Zur Prävention hat sie ihre Brüste und Eierstöcke "umständehalber abgegeben", wie der Buchtitel schon verrät.

Nicole Staudinger steckt aktuell in den letzten Zügen der Behandlung und schaut positiv in die Zukunft. Ihr Buch "Brüste umständehalber abzugeben" erscheint am 15. September 2015.

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