Sozialer Vergleich macht unzufrieden
FZ: … doch Resonanz und Anerkennung bleiben oft aus.
Wir müssen uns die Aufmerksamkeit mit all den anderen teilen, mit denen wir zusammen arbeiten. Egal, was und wo wir arbeiten - wir werden immer einer unter vielen sein. Wir sind ersetzbar und die Welt bricht möglicherweise gar nicht zusammen, wenn wir mal ausfallen. Das ist die Realität, alles andere Träumerei, die enttäuscht wird.
FZ: Wir stolpern also über unsere eigenen Erwartungen?
Ja. Und über den sozialen Neid: Wir vergleichen uns ständig mit Kolleginnen, Freunden, Verwandten, Nachbarinnen. Nur wenn wir zum Beispiel mehr verdienen als sie, finden wir, dass wir viel verdienen, ganz egal, was wir vorher für uns als Grenze definierten, ab der wir täglich den Champagner öffnen wollten - und könnten. Den sozialen Vergleich haben Forscher schon lange als eine ständige Quelle der Unzufriedenheit ausgemacht.
FZ: Dann müssen wir wohl das Arbeitsleben realistischer betrachten. Bloß – wie macht man das?
Es geht uns besser, wenn wir uns mit uns selbst beschäftigen: Grundmuster in unseren Gefühlen und unserem Verhalten finden und aufbrechen. Bestimmte Probleme begegnen uns immer wieder, privat oder beruflich. Es kann zum Beispiel sein, dass sich im Job etwas aus der Eltern-Kind-Beziehung wiederholt, sei es das Thema Abhängigkeit oder Freiheitsbegrenzung. Ich bekomme also erneut die Chance, dieses Thema zu verarbeiten. Es lohnt sich darüber hinaus, das Arbeitsleben aus positiveren Blickwinkeln als bisher zu betrachten.
FZ: Zum Beispiel?
Ein optimistischer Blick in die Welt, auch auf das, was man bereits geleistet hat, beschwingt. Wir sind doch gar nicht so un-erfolgreich, wie wir oft meinen!
FZ: Den Blick derart zu verändern - das geht sicher nicht von heute auf morgen. Gibt es auch eine Strategie, die sofort anschlägt?
Gehen Sie ganz bewusst und freundlich auf Ihre Mitmenschen, die Kolleginnen oder Kunden, zu. Behandeln Sie ALLE so, wie Sie selbst behandelt werden wollen. Lassen Sie sich auch durch die Unfreundlichkeit oder mangelnde Fairness der anderen nicht aus der Ruhe bringen. Sie werden ganz rasch erleben, dass sich Ihre Geduld und Ihre Wertschätzung auf die anderen übertragen. Und Sie werden ganz rasch selbst anders behandelt.