Billig-Jobs: Frauen in der Gehaltsfalle

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Sind Billig-Jobs typische Frauen-Berufe?

Frauen sind das starke Geschlecht: Sie können Bundeskanzlerin werden oder Außenministerin, Mega-Popstar und sogar Fußball-Europameister. Doch wenn es um die reale Arbeitswelt geht, sind deutsche Frauen auch im 21. Jahrhundert noch deutlich im Nachteil: Sie verdienen nicht nur mehr als 20 Prozent weniger als Männer in gleichen Positionen, sie haben auch weniger Aufstiegschancen und sind in Chef-Etagen kaum zu finden. Statt dessen herrscht ein großer Frauen-Überschuss im so genannten Niedriglohn-Sektor. Traurig, aber wahr: Schlecht bezahlte Jobs sind Frauensache! Erst in 150 Jahren, so sagten britische Wissenschaftler kürzlich in einer Studie voraus voraus, verdienen Frauen genau soviel wie Männer.

Von Kerstin Kraska-Lüdecke

Es gibt sie natürlich: Die Managerin mit dem Top-Gehalt und die Vorstandsvorsitzende in einer Männerdomäne. Doch sie gelten immer noch indirekt als "Quotenfrauen" und werden als positive Ausnahmen angesehen. Tatsache ist, dass der Durchschnittsdeutsche die verschiedenen Jobs immer noch in "Männerberufe" wie zum Beispiel Polizist oder Pilot, und in "Frauenberufe", also Krankenschwester oder Friseurin einteilt. Auch ist es nachgewiesen, dass sobald Frauen einen Berufs-Sektor für sich entdeckten und sich dort vermehrt um Stellen bemühten, das Durchschnittsgehalt in diesem Bereich sofort fiel. Dies bedeutet, dass Frauen nicht unbedingt von einem Arbeitgeber direkt benachteiligt werden. Die Diskriminierung läuft eher indirekt oder unbewusst ab, weil es üblich ist, für "Frauenberufe" weniger Geld zahlen.

Beispiel Altenpflegerin: 1667 Euro

Sandra (31) arbeitet als Altenpflegerin in einem großen Betrieb im Rheinland. Die Mitarbeiter werden dort in Teams aufgeteilt, die dann abwechselnd den Frühdienst (ab 5.30 - 12 Uhr), Spätdienst (12 - 20 oder 13 - 23 Uhr), Teildienst (9 - 12 Uhr und 17 - 22 Uhr) oder die Nachtbereitschaft (22.30 Uhr - 7 Uhr) übernehmen. Zu ihrer täglichen Arbeit gehören drei Hauptbereiche: Behandlungspflege, Häusliche Krankenpflege und Haushaltshilfe. Sie kümmert sich um alte und oft bettlägerige Menschen, die unter Demenz, Bewegungsbehinderungen, Lähmungen, aber auch Depressionen und Inkontinenz leiden. Für viele der alten und kranken Menschen ist die Pflegerin der einzige Lichtblick am Tag, das weiß Sandra. Sie hat diesen Beruf unter anderem deswegen gewählt, weil sie Menschen helfen wollte. Für ihren harten Arbeitsalltag bekommt Sandra rund 1650 Euro brutto im Monat, der Bundesdurchschnitt liegt bei 1667 für Frauen und 1738 für Männer. Netto bleiben der ledigen Sandra etwas über 1000 Euro im Monat: "Manchmal frage ich mich schon, ob ich nicht zu wenig bekomme. Etwas mehr wäre wirklich schön."

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Beispiel Zimmermädchen: 1145 Euro

Janina (23) ist seit drei Jahren Zimmermädchen in einem Münchener Hotel. Früh aufstehen, früh anfangen, Schichtdienst, das alles gehört zu ihrem Alltag. Sie räumt unordentliche Hotelzimmer auf, putzt den Dreck aus den Bädern, und erlebt nicht selten unangenehme Überraschungen: "Erst vor ein paar Tagen habe ich gegen Mittag eine Zimmertür geöffnet und mich wie üblich mit "Housekeeping" gemeldet. Von drinnen schlug mir ein beißender Gestank entgegen, nach Alkohol, Urin und etwas Undefinierbarem. Der Fußboden war mit Klamotten, Schuhen, Zigaretten und Flaschen übersät. Ich habe erstmal alle Fenster geöffnet und lange gelüftet, ehe ich mit der Arbeit überhaupt anfangen konnte."

Janinas Ziel ist es, den Gästen im Hotel eine perfekte Umgebung zu bieten. Das ist nicht immer leicht, denn manche Gäste verwechseln ihr Zimmer schon mal mit einer Müllhalde oder demolieren sogar Teile der Einrichtung. "Neulich fragte mich eine Bekannte, ob die Arbeit im Hotel nicht sehr aufregend und glamourös wäre - ich habe ihr gesagt: Was soll daran schon glamourös sein? Ein dreckiges Handtuch ist auch dann ein dreckiges Handtuch, wenn ein Star es angefasst hat." Besonders schlimm sei es jedes Jahr während des Münchener Oktoberfestes: Dann, so die 23jährige, seien drei Wochen lang extrem verunreinigte Zimmer sowie "Schnapsleichen" an der Tagesordnung.

Janinas arbeitet tagsüber von 7 – 16 Uhr und manchmal im Spätdienst von 18 – 23 Uhr. Das sie jung und ledig ist, kommt sie damit ganz gut zurecht. Romy (27), eine Kollegin von ihr aber beklagt sich darüber: "Die Arbeitszeiten im Hotel sind schon sehr gewöhnungsbedürftig. Durch die wechselnden Arbeitszeiten ist es schwer, sein Privatleben einigermaßen hinzubekommen." Für ihren Job bekommen die beiden rund 1300 Euro im Monat. Und das ist recht gut bezahlt: Der Durchschnittsverdienst eines Zimmermädchens liegt bundesweit bei etwa 1145 Euro. Eigentlich ist Janina damit ganz zufrieden. Sie lebt noch bei ihrer Mutter, muss keine Miete zahlen. Bei Romy ist das anders: Sie ist alleinerziehend mit Kind, und der Lohn reicht kaum aus: "Manchmal habe ich schon überlegt, ob es nicht einfacher ist, Hartz IV zu kassieren und zu Hause zu bleiben. Aber schließlich habe ich immer noch meinen Stolz."

Weiterlesen: Krankenschwester und Friseurin

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