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Lange Beziehung: Helfen diese zehn goldenen Regeln?

Rituale, die eure Beziehung frisch halten
Rituale, die eure Beziehung frisch halten Das solltet ihr machen, um eure Beziehung frisch zu halten 00:01:11
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Wie klappt das Projekt "Lange Beziehung"?

Wie führt man über lange Zeit eine glückliche Beziehung? Über kaum ein Thema haben sich Psychologen, Soziologen, Pädagogen und neuerdings auch Coaches so viele Gedanken gemacht wie über dieses. Ein US-Autor hat nun gerade zehn goldene Regeln aufgestellt, die als Basis für eine perfekte Partnerschaft dienen sollen. Doch tun sie das wirklich?

Von Christiane Mitatselis

Es ist ein netter Gedanke: Ein Paar befolgt einfach eine Reihe von universal-gültigen Verhaltens-Anweisungen – und schon kann nichts mehr schief gehen. Die Liebe bleibt lebenslang frisch wie am ersten Tag, Langeweile ist ein Fremdwort, Streit sowieso, und sie leben glücklich zusammen, bis der Tod sie scheidet, wie es in der christlichen Trau-Lithurgie so schön heißt.

Passenderweise hat Victor Parachin, der US-Autor, der die zehn Regeln für das Gelingen einer Partnerschaft aufgestellt hat, einen kirchlichen Hintergrund. Er ist Pfarrer und hat einen Haufen Ratgeber verfasst, zum Beispiel "Zehn Regeln fürs Verzeihen" oder "Tägliche Stärke für tägliche Notwendigkeiten" – und: "Ein Jahr biblischer Inspiration".

Was der Herr Pfarrer, über dessen neues Werk die ‚Huffington Post‘ berichtet, zur Ehe zu sagen hat, ist nicht neu, liest sich aber hübsch – und ist in Kurzform dies: Erfolgreiche Paare haben Spaß miteinander, sie betonen ihre Gemeinsamkeiten, sie respektieren sich, sie streiten auf konstruktive Art, sie lernen miteinander zu wachsen, sie haben gleiche oder zumindest ähnliche Werte. Und sie beachten die 40/60-Regel, das bedeutet für beide: Ich gebe 60 Prozent und bekomme nur 40. Es gehe mehr darum, die richtige Person zu sein als die richtige zu finden, heißt es weiter.

Auch in langen Beziehungen lässt sich nicht alles regeln

Wenn sich ein Paar, das in einer Krise steckt, in Therapie begibt, wird es ähnliche Verhaltens-Anweisungen zu hören bekommen. Manchmal, vor allem im frühen Stadium der Krise, ist noch etwas zu retten. Oft ist es aber schon zu spät, sind emotionale Schäden angerichtet, die sich nicht mehr reparieren lassen.

Denn hier gilt eine Regel, die so unerfreulich ist, dass sie in keinem Ratgeber steht: Hat sich die Liebe, das launige Biest, einmal verabschiedet, dann kehrt sie nicht mehr zurück. Ein Paar kann dann noch einen Modus Vivendi finden, eine Art, zusammenzuleben, die für beide erträglich ist. Mit der Vorstellung von Liebesglück im romantischen Sinne hat das nichts mehr zu tun.

Das grundsätzliche Problem aller Beziehungs-Ratgeber ist dies: Sie wollen alles regeln, doch es lässt sich nicht alles regeln. Nicht auf alles können Menschen Einfluss nehmen. Denn entgegen der Ansicht des Herrn Pfarrers Barachin ist es sehr wohl essentiell, das Glück zu haben, den richtigen Menschen zu treffen. Im Idealfall ist das jemand, mit dem man sich versteht, ohne viel über das Verstehen zu reden; jemand, mit dem man glücklich lebt, ohne das problembehaftete Wort Beziehung jemals auszusprechen – und ohne in die Verlegenheit zu geraten, einen Paar-Ratgeber konsultieren zu müssen.

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