Lafontaine & Wagenknecht: Ehemann sagt ja

Lafontaine & Wagenknecht: Ehemann sagt ja
© dpa, Becker & Bredel

Wagenknechts Ehemann: Keine Eifersucht

Gibt es sie wirklich, die Liebe ohne Leiden? Egal wohin oder wie sich der Partner orientiert? Sahra Wagenknechts Ehemann Ralph T. Niemeyer zumindest scheint danach zu streben, auch wenn seine Frau jetzt einen Neuen hat. Der Neue heißt Oskar Lafontaine. Auf dem Landesparteitag der Saar-Linken bekannte der sich offiziell zu seiner Beziehung zu der Politikerin. "Ich bin seit einiger Zeit mit Sahra eng befreundet. Das war´s dann auch. Mehr habe ich nicht dazu zu sagen."

Von Ursula Willimsky

Gestählt durch den Genuss diverser Frauenfilme und -Romane erwarten wir jetzt eigentlich eins: Dass der Mann von Sahra Wagenknecht adäquat – sprich: stinksauer – reagiert. Im Zorn ein paar Mao-Bibeln aus dem Fenster wirft, mit der Hard-Cover-Ausgabe des "Kapitals" versucht, Oskars Auto zu zerkratzen oder zumindest in einer Talk-Show verkündet, dass er froh ist, Sahra los zu sein, weil er eigentlich schon immer fand, dass sie eine Zicke ist. Aber nein. Was macht der Mann? Er schreibt einen offenen Brief, und in dem schreibt er von der Liebe.

Er schreibt davon, dass er und Sahra einen Zustand der Liebe erreicht hätten, der einschließt, dass man dem anderen "von ganzem Herzen das Beste" wünscht.

Niemeyers Liebe schließt auch Lafontaine ein

"Nur wenige Paare sind dazu in der Lage, so zu empfinden … letztlich ist es so, dass in der menschlichen Liebe nur Agápe und die Liebe zu den eigenen Kindern bedingungslos und wirklich frei von eigenen Interessen ist, und somit als universell bezeichnet werden kann." Und weil seine Liebe nun mal universell ist, schließt diese Liebe auch Lafontaine, den Nebenbuhler oder Nachfolger mit ein: "Unsere Solidarität und Verbundenheit ist nicht gebrochen, denn wir haben eine andere Form der Liebe gefunden, die einschließt, dass ich mich auch Oskar verbunden fühle."

Immerhin, und das beruhigt uns jetzt doch ein bisschen, selbst er würde nicht bedingungslos jeden neuen Gefährten seiner Frau akzeptieren: "Hätte sie mir allerdings gesagt, es handele sich bei ihrem Schwarm um Helmut Kohl, dann hätte ich mich mit einem Luftgewehr airschossen." Kleiner Scherz am Rande. Auch sanfte Menschen sind offensichtlich nicht völlig gefeit vor der Versuchung, ab und an mal eine Spitze gegen andere loszuwerden.

Aber im Ernst. Ralph T. Niemeyer schreibt in seinem "kleinen Portrait über die Liebe" davon, dass er und Sahra "einen Punkt in der Liebe" erreicht hätten, den manche in Anlehnung an Platon Agápe nennen, eine "selbstlos fördernde Liebe, die als reine Nächstenliebe – bis hin zur Feindesliebe – ohne Eigennutz auf das Wohl des geliebten Wesens gerichtet" sei.

Aber wer die zweite Phase meistere, landen eben bei Agape, der höchsten Stufe der Liebe. Wie schön. Nur: Ist das wirklich erstrebenswert? Oder besser gesagt: Kann ein Paar das überhaupt schaffen, so viel Freiheit in der persönlichen Entwicklung mit Liebe zu kombinieren? So viel Verständnis für den anderen aufzubringen? Uns interessieren Ihre Meinung und Erfahrung, ganz losgelöst von Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Ralph T. Niemeyer: Wie sehen Sie dieses Liebesmodel? Könnten Sie sich vorstellen, ihrem Noch-Ehemann mit seiner neuen Partnerin mit so viel Liebe zu begegnen? Oder ist es nur ein Zeichen dafür, dass die ursprüngliche Paarliebe ohnehin erloschen war? Ist diese Form der Liebe die höchste? Oder eher Zeichen dafür, dass ganz prosaisch aus der Liebe Freundschaft geworden ist (ein Zustand, dem wir jedem Paar wünschen, dessen Wege auseinanderdriften)?

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