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Lärmempfindlichkeit: Bei Hyperakusie werden Geräusche zur Qual

Lärmempfindlichkeit ist für die Betroffenen eine Qual

Lärmempfindlichkeit, auch Hyperakusie genannt, ist eine hohe Sensibilität gegenüber normalen Alltagsgeräuschen, die für gesunde Menschen keine Probleme darstellen. Schätzungsweise eine Million Patienten in Deutschland leiden an Hyperakusie.

Lärmempfindlichkeit: Wenn Alltagsgeräusche zur Folter werden
Bei Lärmempfindlichkeit wird jedes Geräusch zur Qual © obs, Zapf Tk Techniker Krankenkasse

Auch die die 48-jährige Anne Krüger leidet an Lärmempfindlichkeit. Jede Art von Geräuschen ist für sie der pure Horror - die Krankheit beeinflusst ihr ganzes Leben. Straßenverkehr oder Gespräche am Nachbartisch sind Geräusche, die zum Alltag gehören und den meisten kaum auffallen. Anders geht es Anne Krüger. Normale Geräusche rauben der 48-Jährigen den letzten Nerv: Die Frau empfindet alles viel lauter. Sie leidet seit eineinhalb Jahren an einer Gehör-Überempfindlichkeit, der sogenannten Hyperakusie.

Anne Krüger nimmt fast alle Geräusche als viel zu laut und damit als extrem störend wahr. Ständige Unruhe, Kopf- und Ohrenschmerzen sind die Folge. Selbst ein sonst gemütlicher Restaurant-Besuch wird für sie zur Qual. "Es sind unglaublich viele Geräusche von den Nachbartischen, die auf mich einstürzen. Das ist wie eine Welle, die auf einen einschlägt. Das macht Angst, das ist auch so ein leichtes Panikgefühl und vor allem kann ich mich in dem Moment auch nicht auf mein Gegenüber konzentrieren, mit dem ich mich unterhalten möchte."

Weil das für sie kaum auszuhalten ist, hat sich die Erzieherin in den letzten Monaten immer mehr zurückgezogen, jede für sie scheinbar unerträgliche Lärmquelle gemieden. Doch genau das ist ein großer Fehler, sagt Prof. Gerhard Goebel, Chefarzt der Schön Klinik.

Therapie bei Hyperakusie: Rein in den Lärm!

"Wenn die Patienten diese Geräuschempfindlichkeit verlieren wollen, dann muss man ihnen sagen: Du musst dich den Geräuschen aussetzen, damit sie zurückgehen und das ist für sie überraschend, weil sie von vielen Menschen gehört haben, sie sollen doch ihre Ohren schonen, damit es nicht so unangenehm ist. Das führt ja dazu, dass es immer schwieriger wird."

Die störenden Geräusche zu ertragen, muss Anne Krüger in einer langfristigen Therapie jetzt lernen und sich dort ihrer Angst vor lauten Tönen stellen. Bei ihr hat die Überempfindlichkeit psychische Ursachen, so die Analyse der Ärzte. Denn nicht selten führt gerade Stress zu einer verstärkten Lärmempfindung.

Anne Krüger hat eine Auszeit dringend gebraucht. Wenn die drei Monate Klinikaufenthalt vorbei sind, will sie vor allem eins: Ihr altes Leben zurück. "Was ich jetzt in den letzten Monaten, eineinhalb Jahren gelebt habe, ist kein normales Leben. Es hindert einen wirklich daran, soziale Kontakte zu pflegen oder sich überhaupt in der Gesellschaft zu bewegen. Und natürlich wünsche ich mir, dass ich wieder genauso wie früher an allem teilnehmen kann, ohne das Problem mit dem Ohr zu haben. Und selbst wenn es noch mal ein bisschen laut ist, würde ich sagen: Ach, ist ja nicht schlimm, rein in den Lärm!"

Und genau das ist schließlich die beste Therapie. Anne Krüger ist sich ganz sicher, dass sie ihre lästige Erkrankung bald in den Griff bekommt und ihre eigentliche Lebensfreude dann auch wieder mit anderen teilen kann.

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