Labienkorrektur: Neuer Trend Intim-OP

Intim-OP bei Frauen
Labienkorrektur: Neuer Trend Intim-OP

Intim-OP für die perfekte Vagina

Alles fit im Schritt genügt manchen nicht mehr. Jetzt muss es auch im Slip perfekt aussehen: Immer mehr Frauen lassen sich ihre intimste Zone durch einen Chirurgen „verschönern“. Angeblich liegen Vagina- oder Schamlippen-OPs „im Trend“: Von etwa 7000 Operationen im Intimbereich waren 5400 sogenannte Schamlippenkorrekturen – nicht immer aufgrund medizinischer Indikationen. Eine Ursache für diesen Trend wurde auch schon ausgemacht: Die Intimrasur. Durch sie sei zu sehen, was von Natur aus bisher meist verhüllt war. Was zur Folge habe, dass in immer mehr Frauen der Wunsch wachse, auch in diesem sehr privaten Bereich „optimal auszusehen“.

Von Ursula Willimsky

Neu-Modellierung des Venushügels, eine Unterfütterung der Vagina, eine Aufpolsterung des G-Punktes oder Klitoris-Modulationen – alles scheint möglich. Vieles nur auf Privatkosten. Die OPs in der Intimzone sind schon lange kein Tabu mehr, ärztliche Fachkongresse beschäftigen sich mit dem neuen Betätigungsfeld für Plastische Chirurgen, man sucht nach Richtlinien. Und man kritisiert. So warnt zum Beispiel der Weltärztinnenbund (MWIA) vor intimchirurgischen Eingriffen aus rein ästhetischen Gründen: Solche Operationen seien mit erheblichen psychischen und körperlichen Risiken verbunden.

MWIA-Vizepräsidentin Dr. med. Waltraud Diekhaus findet in einem Interview im „Ärzteblatt“ deutliche Worte: „Den Frauen wird eingeredet, alle Schamlippen müssten gleich und möglichst jugendlich aussehen“. Abweichungen würden als OP-Indikation dargestellt. In einer internationalen Stellungnahme kritisiert der Weltärztinnenbund, dass manche Ärzte ihre Patientinnen zu „unnötigen“ oder „unüberlegten“ Eingriffen ermutigten. Unterstützt würden von den Ärztinnen plastische Eingriffe für Frauen, die nach Traumata oder schmerzvollen traditionellen Praktiken, die aufgrund einer Fehlbildung oder krankheitsbedingter Veränderungen einen der Eingriffe wünschen.

Doch dem – nach Meinung des MWIA unbewiesene - Versprechen, dass derartige Eingriffe das sexuelle Empfinden oder die Attraktivität einer Frau steigern könnten, steht der Verband skeptisch gegenüber.

Unter der bemerkenswerten Unterschrift „Schamlippen kein Randthema mehr“ beschäftigt sich auch die Deutsche Gesellschaft der plastischen, rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgie mit dem Skalpell- oder Lasereinsatz im intimen Bereich: „Wir werden darüber diskutieren müssen, wie man mit dem Thema umgeht. In vielen Fällen sind die Eingriffe notwendig, etwa bei stark vergrößerten, schmerzhaften Schamlippen. Aber natürlich sorgt die starke mediale Aufmerksamkeit auch dafür, dass viele Frauen ihre Schamlippen nicht mehr als ,schön‘ empfinden“, sagt auf der Seite der Gesellschaft deren Präsident Prof. Peter M. Vogt. „Da es auf dem Gebiet noch an Standards mangelt, arbeitet die DGPRÄC bereits an einer interdisziplinären S1-Leitlinie zur Intimchirurgie der Frau.“

Eine Intim-OP birgt viele Risiken

Es gibt Frauen , die unter ihren extrem großen – meist inneren - Schamlippen leiden, die Schmerzen beim Verkehr haben, die nur ungern weitere Strecken mit dem Fahrrad fahren oder Reiten gehen - oder noch nicht einmal eine enge Jeans tragen wollen. Doch es gibt auch Frauen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind und ihn perfektionieren wollen – normal scheint ihnen zu wenig. Die Intim-OPs sind unter anderem bei körperverliebten Brasilianerinnen sehr beliebt, auch in den USA sind sie weiter verbreitet als in Deutschland. Durch den Trend zu Waxing oder Ganzkörperrasur scheint sich das zu ändern: In der Sauna oder nach dem Sport in der Umkleidekabine sieht man plötzlich, was vorher so nicht zu sehen war. Und manche Frau fängt an, zu vergleichen… Hierzulande hat sich die Zahl von Schamlippen-Korrekturen innerhalb weniger Jahre auf 1400 pro Jahr verdoppelt.

Das Spektrum der möglichen ästhetisch-plastischen Leistungen ist groß: Die Verkleinerung der Schamlippen ist in diesem Bereich der häufigste Eingriff. Wenn medizinische Gründe vorliegen, übernehmen sogar die Kassen den Eingriff. Seltener werden die äußeren Schamlippen vergrößert, indem sie zum Beispiel unterspritzt werden. Mit Injektionen aus Eigenfett kann aber auch die Vagina unterfüttert und so verengt werden (Kosten: bis zu 4000 Euro). Aufgepolstert werden kann aber auch – wenn man denn einen Arzt findet, der dazu bereit ist – der sogenannte G-Punkt. Jenes Lustzentrum im weiblichen Körper, von dem bis heute niemand so ganz sicher weiß, ob es überhaupt existiert (Kosten: etwa 1500 Euro). Und auch die Klitoris kann „aufgehübscht“ werden: Manche Frauen lassen sich den Klitorismantel straffen, unter anderem, um ihn optisch zu verkleinern (Kosten: etwa 2000 Euro). Die Klitoris selbst gilt noch als tabu: Zu viele Nerven, die durch den Eingriff irritiert werden könnten. So wie alle Operationen haben auch all diese Eingriffe Risiken und Nebenwirkungen – Bagatellen sind sie nicht. Neben den „normalen“ OP-Risiken (weshalb, so Experten, man sich genau überlegen sollte, ob man seinem Körper eine Belastung zumutet, die medizinisch nicht nötig ist) kann es gerade in diesem Bereich als Folge unter anderem zu Überempfindlichkeiten oder Taubheitsgefühlen kommen. Zu dauerhaften Schmerzen. Oder Narben.

Als Idealbild gilt manchen eine Intimzone, die bei der erwachsenen Frau ähnlich gebaut ist wie bei einem vorpubertären Mädchen. Nur so sehen beileibe nicht alle Frauen aus. Auf einer Seite erzählt ein plastischer Chirurg, dass er Patientinnen, die mit einem OP-Wunsch zu ihm kommen, erst einmal Fotos von Vulvas fremder Frauen zeigt. Für viele von ihnen scheint allein der direkte Vergleich mit normalen anderen Körpern schon zu genügen, um sich zu entscheiden: Gegen den ästhetisch-chirurgischen Eingriff. Sie kommen nie wieder in die Sprechstunde.

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