Kuss nach WM-Finale: Die Männerfreundschaft zwischen Schweinsteiger und Podolski

Kuss nach WM-Finale: Die Männerfreundschaft zwischen Schweinsteiger und Podolski
© dpa, Andreas Gebert

Podolski und Schweinsteiger: Was macht Ihre Männerfreundschaft aus?

Jubel, Freude, Überschwang: Deutschland ist endlich wieder Weltmeister! Da darf es auch schon mal ein Küsschen sein. Oder sind Poldi und Schweini etwa schwul? 1954, 1974, 1990, 2014: Deutschland ist zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. In der 113. Minute gelingt Mario Götze das einzige Tor. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger (beide 29) knüpfen im Freudentaumel an alte Zeiten an und machen wieder Faxen. Dazu gehört auch ein Küsschen unter Freunden. Wie gut, dass so etwas heutzutage in der Öffentlichkeit möglich ist!

Jutta Rogge-Strang

Es war ein hartes Stück Arbeit, das Finale gegen Argentinien, denn nicht nur Lionel Messi musste immer im Auge behalten werden. Schweinsteiger musste mehrere Fouls wegstecken, es war ein kräftezehrendes Spiel. Dafür war der Jubel nach dem Schlusspfiff umso größer. Poldi und Schweini werden wieder zu den beiden Spaßmachern früherer Jahre, der Jubel ist unbeschreiblich.

Vor zehn Jahren treffen sich die beiden Sportler zum ersten Mal, der immer gut gelaunte Rheinländer mit der großen Klappe und der blond gefärbte Bayern-Youngster im Partymodus verstehen sich auf Anhieb. Poldi und Schweini werden zum Dreamteam für die WM 2006. Aber dann gehen die Wege auseinander, 2008 wird Schweini seriös und will fortan Bastian Schweinsteiger sein. Poldi wird Vater, kehrt zum FC Köln zurück und heiratet 2011 seine langjährige Freundin Monika. Aber 2014, auf dem Rasen des Maracana-Stadions in Rio de Janeiro, sind die beiden wieder Schweini und Poldi, ganz so wie früher.

Das ist eben auch das Besondere an Männerfreundschaften: Klasse statt Masse. Auch wenn man den besten Kumpel nur ein Mal im Jahr trifft, reicht das den Männern völlig aus. Dabei wird auch nicht unnötig viel gesprochen. Zu 54 Prozent unternehmen die besten Kumpels etwas gemeinsam, 24 Prozent wird Gesprächen über die Arbeit, Sport und Politik gewidmet, und nur zu 19 Prozent sprechen die Männer über sich selbst. Das garantiert eine lebenslange Freundschaft: Die Frauen wechseln, die Kinder sind aus dem Haus, aber der Kumpel aus Sandkastentagen bleibt bis zum letzten Bierchen.

Allerdings haben Männer eine panische Angst davor, als schwul zu gelten. Zu große Nähe und Intimität ist also nicht erwünscht. Es sei denn, man wird Weltmeister. Und dann darf es auch mal ein Schmatzer sein für den Kumpel aus alten Tagen. Mal ganz ehrlich: Ich könnte sie auch küssen! Denn wir sind Fußball-Weltmeister 2014! Juhu!

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