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Küsschen zur Begrüßung: Kinder sollten nein sagen können

Küsschen zur Begrüßung. Kinder sollten nein sagen können
Küsschen zur Begrüßung. Kinder sollten nein sagen können © Getty Images/OJO Images RF, Robert Daly

Viele Kinder finden Begrüßungsküsschen nervig

Weihnachten ist das Fest der Liebe: Da ist es völlig normal, wenn Tante Uschi die lieben Kleinen an sich drückt und ihnen ein Küsschen aufschmatzt. Viele Kinder mögen das aber nicht: Und das ist auch gut so!

Jutta Rogge-Strang

Weihnachten steht vor der Tür, und wenn Omas und Opas zu Besuch kommen, wird Freude erwartet. Da wird zur Begrüßung gedrückt und geküsst, und auch die Kinder sollen mitmachen. Was passiert aber, wenn der Nachwuchs absolut keine Lust auf Küsschen hat? Wie soll man sich in der peinlichen Situation verhalten? Darf man Kinder zum Küssen zwingen?

Kinderschützer haben dazu eine klare Meinung: Kinder haben das Recht, Nein zu sagen, und das sollte respektiert werden. Denn schon bei diesen Kleinigkeiten fängt die Selbstbestimmung an. Kurz gesagt: Ein Kind, das früh lernt, dass es das Recht auf körperliche Selbstbestimmung hat, ist später weniger anfällig für einen Missbrauch.

Eltern sollten immer die Verbündeten des Kindes sein. Wenn sie ihr Kind aber dazu zwingen, zu den Verwandten lieb zu sein und sie zu küssen, kann das beim Kind den Eindruck erwecken, dass die Verwandten den Eltern wichtiger sind. Und dieser Eindruck ist nicht gerade positiv für das Urvertrauen des Kindes. Es lernt, dass es Momente gibt, in denen das eigene Gefühl den Konventionen unterzuordnen oder schlicht falsch ist.

Dass ein Begrüßungs-Küsschen für Opas spätere Übergriffe begünstigt, ist vielleicht etwas übertrieben, aber es besteht natürlich ein Zusammenhang. Das Kind lernt im Grunde, dass es einen ungewollten Körperkontakt akzeptieren muss. Dabei ist es wichtig, die Kinder zum Nein-Sagen zu ermutigen, denn das macht sie stark.

"Stell' dich doch nicht so an!"

Allerdings ist es schon peinlich, wenn die Kinder bei der Begrüßung solche „Probleme“ machen. Schließlich wurden wir auch schon mal von irgendeiner Tante ungefragt geküsst und haben es überlebt. Zudem verstehen die Verwandten oft nicht, warum die Kinder sich so vermeintlich ablehnend verhalten, und Eltern kommen in Erklärungsnot. Sie wollen natürlich nicht, dass die Gefühle der Erwachsenen durch eine solche „Kleinigkeit“ verletzt werden. Und sie wollen, dass ihre Kinder von den anderen als niedlich und nett gesehen werden.

Da hilft nur eins: Reden Sie darüber, machen Sie vielleicht einen kleinen Scherz. Erklären Sie, dass Ihr Kind eventuell gerade keine Lust auf Küsschen hat, und dass das auch gut so ist. Dass die Kuss-Verweigerung keine persönliche Ablehnung bedeutet, sondern dass Ihr Kind vielleicht nie „fremde Leute“ küssen möchte.

Die meisten werden sicherlich verstehen, dass Sie Ihr Kind unterstützen und vor Missbrauch schützen wollen. Und die Großeltern sollten stolz darauf sein, dass sie ein starkes und selbstbewusstes Enkelkind haben. Und dann steht einem harmonischen Weihnachtsfest (fast) nichts mehr im Wege!

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