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Künstliches Koma: Die Vollnarkose, die den Patienten entlastet

Was passiert beim künstlichen Koma?

Was ist der Unterschied zwischen natürlichem Koma und der künstlichen Variante? Warum versetzt man Patienten ins Koma, was bekommen sie von ihrem Zustand mit – und vor allem: Wie holt man sie da wieder raus?

Künstliches Koma: Die Vollnarkose, die den Patienten entlastet
© picture-alliance/ dpa, Jan Woitas

Bei einem künstlichen Koma handelt es sich um eine langanhaltende Vollnarkose. Der Patient wird mit Narkosemitteln in einen künstlichen Schlaf versetzt. Das hat den Vorteil, dass das Gehirn entlastet wird. Es arbeitet nicht mehr so viel wie bei vollem Bewusstsein, der Patient spürt zudem keinen Schmerz – wie bei einer Operation, die unter Narkose geschieht. So kann sich das geschädige Gehirn langsam erholen und muss weniger arbeiten.

Das Bewusstsein ist somit ausgeschaltet - und niemand weiß so genau, ob der Patient überhaupt irgendetwas hört oder empfindet. Und weil es niemand weiß, wird er vom Pflegepersonal und von den Angehörigen behandelt wie ein wacher Patient: Man spricht weiterhin mit ihm, als wäre er bei vollem Bewusstsein. Die Hirnströme sind während der Phase des künstlichen Komas kaum messbar.

Obwohl im künstlichen Koma einige Hirnareale ausgeschaltet sind, arbeiten die meisten Organe selbstständig weiter, denn das Stammhirn bleibt weiterhin aktiv. Das bedeutet unter anderem, dass das Herz nach wie vor von alleine schlägt und Organe wie Leber oder die Nieren mit Blut versorgt. Der starke Medikamenten-Mix, unter dem der Patient steht, wird so natürlich abgebaut. Ernährt werden die Patienten über eine Magensonde, die Atmung erfolgt in der Regel künstlich. Sämtliche Funktionen werden permanent überwacht – deshalb befindet sich der Kranke auch auf der Intensivstation. Manchmal wird während des künstlichen Komas die Temperatur des Patienten herabgesetzt, auch das dient der Erholung.

Komplikationen beim künstlichen Koma

Das künstliche Koma kann unterschiedlich lange dauern: Von wenigen Stunden bis zu einem Monat. Spätestens bis dahin muss sich eine Besserung eingestellt haben, falls nicht, wird der Körper immer empfindlicher auf die Vollnarkose reagieren. Es kommt nämlich zu einem Gewöhnungseffekt: Der Körper braucht mit der Zeit immer mehr Narkosemittel. Nebenbei kann es zu Komplikationen kommen, unter anderem zu Infektionen, die den Patienten belasten.

Sollte beim Patienten eine klare Besserung sichtbar sein, wird das Narkosemittel reduziert. Nach und nach bekommt der Körper weniger verabreicht. Wie lange die Aufwachphase dauert, hängt von der Tiefe des Komas ab. Patienten, die wieder das Bewusstsein erlangen, reagieren unterschiedlich darauf. Einige sind verwirrt und brauchen wieder eine Phase der Eingewöhnung. Sie erkennen ihre Angehörigen oft nicht mehr und können sich in der Regel an die Ursache des Komas – zum Beispiel ein Unfall – nicht mehr erinnern. Auch der Kreislauf spielt nach dem Aufwachen verrückt – schließlich ist es auch für ihn eine ganz neue Situation.

Bei einem natürlichen Koma fällt der Patient auch ohne Hinzutun von Medikamenten in einen Tiefschlaf. Ärzte haben keinen Einfluss darauf, wann und ob er überhaupt wach wird. Das ist grob erklärt der entscheidende Unterschied zum künstlichen Koma.

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