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Kündigung wegen Hochzeit: Frau wird baldige Schwangerschaft unterstellt

Kosmetikerin klagt gegen Diskriminierung
© dpa, Jan-Philipp Strobel

Kosmetikerin bekommt 10.800 Euro Entschädigung

Die Düsseldorfer Kosmetikerin Annette M. hat 10.800 Euro Entschädigung wegen Diskriminierung zugesprochen bekommen. Ihr Chef hatte ihr gekündigt, als sie ihm auf seine Frage ob sie eventuell vorhabe, im folgenden Jahr schwanger zu werden, nicht antwortete.

Die Kosmetikerin hatte ihre Arbeitszeit erhöhen wollen und war daraufhin von ihrem Arbeitgeber per E-Mail gefragt worden, ob denn bei ihr mit einer Schwangerschaft zu rechnen sei. Ihre bevorstehende Heirat lasse dies vermuten. In der Mail hieß es wörtlich: "Liebe Frau M., wie Sie mir gesagt haben, werden Sie Ende Oktober heiraten. (...) Ich will ganz offen sein. Für eine Frau in Ihrem Alter ist es 'normal' schwanger zu werden und Kinder zu bekommen. Wir von L. freuen uns über jeden neuen Erdenbürger – müssen jedoch Rücksicht auf unternehmerische Belange nehmen. Den 'Neuaufbau' des Standorts Düsseldorf würden wir gerne mit Ihnen machen – aber das funktioniert natürlich nicht, wenn Sie 2012 wegen einer Schwangerschaft ausfallen", zitiert die 'Bild' aus der entsprechenden E-Mail. Die E-Mails des Arbeitgebers trugen die Betreffzeile "Berufs- vs. Familienplanung".

E-Mail-Betreff: "Berufs- vs. Familienplanung"

Daraufhin zog die Düsseldorfer Kosmetikerin vor Gericht. Und das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf gab der 35-Jährigen Recht. Denn mit der Betreffzeile in der E-Mail "Berufs- vs. Familienplanung" habe der Arbeitgeber den Zusammenhang zur Schwangerschaft und damit den Diskriminierungsgrund "mit seltener Deutlichkeit praktisch auf dem Tablett" präsentiert, so der Vorsitzende Richter Martin Quecke. Ihren Job ist Annette M. dennoch los.

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