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Kuckuckskinder sind seltener als gedacht

Kuckuckskinder gibt es - aber seltener als gedacht
Jedes Kind ist es wert, unterstützt zu werden.

Studie belegt, dass der Anteil der Kuckuckskinder nur bei ein bis zwei Prozent liegt

Haben Frauen auch schon in grauer Vorzeit ihren Ehemännern Kuckuckskinder untergeschoben? Eine neue Studie belegt: Nur etwa ein bis zwei Prozent aller Kinder sind die Folgen eines Seitensprungs. Bislang war man von 10 bis 30 Prozent ausgegangen.

Von Jutta Rogge-Strang

Frauen sind treuer als gedacht! Eine aktuelle belgische Studie belegt, dass der Anteil der Kuckuckskinder nur bei ein bis zwei Prozent liegt, und das in unterschiedlichen Kulturkreisen. Forensische Biomediziner um Dr. Maarten Larmuseau von der Universität in Leuven (Belgien) haben Stammbäume der letzten 500 Jahre untersucht, und kamen zu einem überraschenden Ergebnis.

Frauen sind offenbar monogamer, als es Evolutionsforscher bislang wahrhaben wollten. Untersucht wurden verschiedene Stammbäume, wo sämtliche männlichen Nachkommen des Urahns dasselbe Y-Chromosom tragen müssten. Ist das nicht der Fall, kann genau definiert werden, wann und in welcher Familie ein Seitensprung mit Folgen stattgefunden haben muss.

Tatsächlich konnte bei den untersuchten Stammbäumen und dem Genmaterial nur bei 0,9 Prozent der Kinder pro Generation eine Fremdvaterschaft nachgewiesen werden. Bei dem Stamm der Dogon auf Mali kam man auf 1,8 Prozent, zwei weitere Studien mit 300 und 400 Jahre zurückreichenden Stammbäumen kamen mit 0,9 und 1,2 Prozent auf vergleichbar niedrige Anteile in Südafrika und Italien.

Auch mit weiteren Untersuchungsmethoden, dem Zusammenhang zwischen Familiennamen und Y-Chromosom, konnten in unterschiedlichen Kulturen nur etwa ein Prozent Kuckuckskinder ermittelt werden. Für die Forscher eine große Überraschung: Konnten Frauen früher doch besser verhüten als gedacht? Oder hat die Angst vor sozialer Ächtung dazu geführt, dass außereheliche Liebschaften vermieden wurden? Ist die Lust auf außereheliche Affären also eher ein Wunschdenken der Forscher?

Es gibt einige prominente Kuckuckskinder

Regisseur Lars von Trier erfuhr erst mit 33 Jahren von seiner todkranken Mutter, dass der jüdische Ulf Trier nicht sein leiblicher Vater war, sondern der ehemalige Chef der Mutter. Die Mutter von US-Schauspielerin Liv Tyler klärte ihre Tochter im Alter von 10 Jahren darüber auf, dass der Rockmusiker Steven Tyler ihr leiblicher Vater ist. Die Mutter von Drogeriegründer Dirk Rossmann gestand ihrem Sohn an seinem 16. Geburtstag, dass er der Sohn des Nachbarn ist.

Ein Schock für alle Beteiligten: Denn die Kinder, die ihr Leben lang der eigenen Familie vertraut haben, sehen sich im Nachhinein verraten und getäuscht. Dabei hatte die Mutter nur die Sehnsucht, die funktionierende Familie aufrecht zu erhalten, ihrem Ehemann die Kränkung zu ersparen oder schlicht die Angst, verlassen zu werden.

Psychologen wissen, welche Kraft es die Frauen kostet, mit dieser Lebenslüge zu leben. Auch die Kinder spüren meist, dass irgendetwas nicht stimmt. Wenn eine Person aber erst als Erwachsener erfährt, dass er oder sie einen anderen Vater hat, bricht ein großer Teil der Identität zusammen. Für manche Betroffene kann das eine schwerwiegende Krise bedeuten.

Schauspieler Bruno Eyron („Balko“) erfuhr nach 10 Jahren, dass die Tochter seiner Ex-Freundin nicht von ihm stammt. Aber er entschied sich dazu, der eingetragene und unterhaltspflichtige Vater zu bleiben: "Es gibt eine Menge Kuckuckskinder auf der Welt. Aber jedes Kind ist es wert, unterstützt zu werden, wenn man es kann."

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