Kristina Schröder: "Ich will mehr Zeit für die Familie"

Kristina Schröder
© dpa, Fredrik Von Erichsen

Kristina Schröder hätte die Lage von Eltern verbessern können

Frau Schröder will nicht mehr Ministerin sein. "Ich will endlich mehr Zeit für meine Familie", sagt sie in einem Interview mit dem 'Spiegel'. Gemeint ist damit besonders ihre zweijährige Tochter. Kristina Schröder war die erste Ministerin, die in ihrer Amtszeit Mutter geworden ist. Und ist jetzt die erste, die zugibt: Kind UND Kabinett ist eben doch nicht zu schaffen. Gegner werfen ihr vor, dass das nur eine Ausrede sei, weil sie als Ministerin gescheitert sei. Sie erwidert, dass sie sich nur zurückziehe, weil sie keine weiteren Entwicklungssprünge ihrer Tochter verpassen wolle! Was ist es: Eine verständliche Entscheidung oder hat sie als Vorbild versagt? Und wie könnte man ihr und Millionen anderen Frauen vielleicht helfen?

Von Dagmar Baumgarten

Ach, liebe Frau Schröder, keine Angst, jetzt kommt keine Kritik, sondern ein von Herzen ehrlich gemeintes: Wir verstehen Sie ja so gut! Schade, dass Sie uns erst so spät verstehen! Denn im Gegensatz zu uns, die nur stöhnen, schimpfen, und danach trotzdem lächelnd weiter den Spagat zwischen Kind und Karriere stemmen müssen, hätten Sie ja was ändern können. Stattdessen klingen Sie resigniert. Aber muss man wirklich aufgeben? Ist es eben einfach nicht möglich, Kinder zu bekommen und trotzdem finanziell am Ball zu bleiben? Kind und Karriere hört sich immer so an, als ob die Frauen alle in die obersten Chefetagen wollten. Dass sollten sie können, aber nicht müssen. Dass Mütter so schnell wieder arbeiten gehen, ist aber in den meisten Fällen keine Angst als Heimchen am Herd zu verkommen, sondern schlicht absolut nötig, weil ein Kind für die Eltern nicht nur das Wertvollste auf der Welt ist, sondern leider auch noch ziemlich teuer.

Es muss doch möglich sein, Lösungen zu finden. Wir können auf den Mars fliegen, aber kriegen es nicht hin, familienfreundliche Politik zu machen? Kann nicht sein. Also was brauchen wir?

Diese Ideen helfen Eltern wirklich

Die vielen Milliarden, die in den letzten Jahrzehnten in die falschen Ideen geflossen sind, müssen umverteilt werden. Hier sind laut Experten die wichtigsten drei Säulen, die Familien wirklich helfen:

1) Das Allerwichtigste sind vernünftige Kita- Plätze. Die ganzen Millionen, die in Betreuungsgeld, Ehegattensplitting, und Kindergelderhöhungen sinnlos verpulvert werden, sollte man besser in vernünftige Einrichtungen für Kinder stecken. Das ist wichtig für die Eltern, die so eine Chance haben, wieder Teilzeit arbeiten zu können. So sind sie nicht ganz aus dem Berufsleben raus, und damit auch nicht aus ihren Rentenansprüchen. Es ist aber auch wichtig für die Kinder. Gute Kitas sind für die Entwicklung der Kinder enorm wichtig! Was sie dort an sozialer Intelligenz mitbekommen, stärkt sie für ihr ganzes Leben.

2) Elternzeit – das Konzept sollte man weiter ausbauen. Die Politiker waren ja teilweise geradezu überrumpelt, wie gut die Elternzeit angenommen wird - auch von den Vätern. Hier sollte man dringend weiter reformieren. Teilzeitmodelle sollten gesetzlich weiter unterstützt werden. Viele Mütter möchten gerade in der ersten Zeit noch beim Kind bleiben, haben aber Angst, dass sie danach entweder ganz oder gar nicht in ihren Job zurückkommen. Das darf nicht sein! Diese Voll-Präsenzpflicht als wichtigster Karrierebaustein ist eine deutsche Fehlansicht, an der dringend gearbeitet werden muss! Hier müssen viel flexiblere Teilzeitmodelle her. Für Mütter UND Väter!

3) Die einst oft kritisch beäugten Ganztagsschulen haben sich laut Experten auch bestens bewährt, um Eltern, hier sind es dann doch besonders die Mütter, wieder schrittweise in ihren Beruf einzugliedern. Die Anzahl der Schüler hat sich hier von 2005 bis 2009 auf mittlerweile 2,1 Millionen fast verdoppelt. Ein weiterer Pluspunkt: Die Ganztagsbetreuung hilft nicht nur den Eltern, die sich ihrem Beruf widmen können, während ihre Kinder versorgt sind. Sie unterstützt zudem auch die schwächeren Familien, die sich in Sachen Hausaufgabenbetreuung überfordert fühlen.

Also Frau Schröder, vielleicht stimmen Sie ja jetzt mit Ihrer Erfahrung, ganz klammheimlich zu, dass man in Deutschland eigentlich noch sehr viel Gutes für die Familienpolitik machen muss und kann. Wir wünschen Ihnen eine schöne Zeit mit Ihrer Familie - und Ihrem Nachfolger/in im Amt von Herzen ganz viel Erfolg!

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