Kristina Schröder: 'Danke, emanzipiert sind wir selber!'

Kristina Schröder: Danke, emazipiert sind wir selber
Kristina Schröder: Danke, emazipiert sind wir selber © dpa, Britta Pedersen

Anti-Feminismus-Parolen von Kristina Schröder?

Emanzen - ihr nervt! Achtung: Das ist kein aktuelles Stammtisch-Geblöke aus Hintertupfingen, sondern die neueste Aussage unserer Familienministerin Kristina Schröder. Sie hat nämlich gerade ein Buch geschrieben, in dem sie sich beklagt, wie schwer es Frauen haben. Und liefert auch gleich eine merkwürdige Begründung: Die blöden Feministinnen sind schuld, so Schröder. Ist die blonde Ministerin eine verkappte Macha (also ein weiblicher Macho) - oder verschleiert sie mit ihrem Anti-Feminismus-Geschwalle bloß ihre politischen Misserfolge?

Von Dagmar Baumgarten

Jeder darf in Deutschland eine eigene Meinung haben. Auch eine Ministerin. Und schon alleine wegen der Gleichberechtigung sollten Frauen das gleiche Recht haben, dümmliche Stammtischparolen zu verbreiten wie irgendwelche unverbesserlichen Machos, die ihr Gehirn nicht durch Denken vorzeitig abnutzen wollen. Es ist nur befremdlich, dass ausgerechnet eine Familienministerin die Frauenbewegung so unnötig in den Dreck zieht, indem sie sie auf die üblichen Klischees der männerfeindlichen Kampfhyänen reduziert. Aber was tut man nicht alles, um als Politiker/in in den Bestseller- Listen zu landen?

Sind Feministinnen an allem schuld?

Ihr Buch mit dem Titel "Danke, emanzipiert sind wir selber!" scheint ursprünglich als Autobiografie geplant gewesen zu sein. Aber irgendwie scheint ihr die bloße Erzählung von ihrer veränderten Rolle von der erst kinderlosen Familienministerin zur Powerfrau, die es als erste schwangere Ministerin in die Schlagzeilen brachte, zu langweilig gewesen zu sein. Oder sie dachte, dass man von ihr als Ministerin zu der brisanten Thematik, wie man als Frau Kind und Karriere meistert, eine intelligente Einschätzung erwartet. Die bietet sie nicht - doch um davon abzulenken, wie brisant das Thema gerade für sie als Frauenquoten- Verhinderin ist, zündet sie lieber eine Nebenkriegsschauplatz-Bombe und schiebt alle Schwierigkeiten, die das Frauenleben so mit sich bringt, auf die Frauen selbst. Respektive auf die, die einst in einer Bewegung etwas für die Frauen erkämpfen wollten.

Eigentlich hat sie ja gar nichts gegen Emanzipation. Und auch nicht gegen Quote. Aber eben nur, solange es ihr nützt. Sie kam damals über die Hessenquote ins Amt. Und die Frauenbewegung an sich wäre ja auch ganz gut gewesen, gibt sie zu. Aber es sei jetzt eben nicht mehr aktuell. Warum? Weil Minister wie sie lieber die Herdprämie durchboxen wollen, anstatt sich um den Ausbau von Kitas zu kümmern? Und weil sie sich überreden ließ, gegen die Quote zu stimmen? So schlimm wäre das ja auch gar nicht mit den unterschiedlichen Gehältern, findet Frau Schröder. Die kämen ihrer Ansicht ja auch vor allem daher, dass Frauen eben lieber in Teilzeit arbeiteten. Wer solche Ansichten vertritt, kann auf den Feminismus natürlich verzichten - da ist der Opportunismus offensichtlich die größere Herzensangelegenheit.

Frau Schröder muss irgendetwas Traumatisches mit einer Feministin erlebt haben. Denn auf den 200 Seiten ihres Buches geht es so auffallend oft um die angebliche Bevormundung und Selbstgefälligkeit von Feministinnen, dass es einen persönlichen Grund für diese merkwürdigen Einschätzungen geben muss. Natürlich gibt es Feministinnen, die Frauen als Heimchen am Herd abstempeln, weil die als Mutter lieber zu Hause bleiben wollen, als weiter zu arbeiten. Aber wenn das alles ist, was einer Familienministerin von der Frauenbewegung im Kopf hängenbleibt, ist das schon bedenklich. Dafür liefert sie uns allerdings einen weiteren hervorragenden Grund für die Einführung der Frauenquote - denn sie will angeblich zurücktreten, wenn die CDU die Quote einführt.

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