Kristina Pimenowa: Wird das "schönste Mädchen der Welt" sexualisiert?

Kristina Pimenowa: Das "schönste Mädchen der Welt" ist umstritten
Kristina Pimenowa ist mit ihren acht Jahren bereits ein erfolgreiches Model

Solange der Rubel rollt...

Die kleine Kristina Pimenowa ist acht Jahre alt und sieht wirklich hübsch aus: Große blaue Augen, lange Haare und ein voller Mund machen die kleine Russin zu einem auch international gut gebuchten Model. Wird ihre Schönheit Kristina zum Verhängnis?

Von Jutta Rogge-Strang

In den Medien ist sie bereits "das schönste Mädchen der Welt", sie läuft für Top-Designer wie 'Dolce & Gabbana' über den Laufsteg, wird für 'Armani' oder 'Benetton' fotografiert. Kristina Pimenowa hat für ihre jungen Jahre sehr viel Erfolg. Das freut natürlich besonders ihre Mutter: Die hat früher auch gemodelt - und kann sich jetzt so richtig verwirklichen. Dass die kleine Kristina zum Objekt der sexuellen Begierde wird, stört zumindest die Eltern nicht besonders.

Man kann sich leicht vorstellen, dass Kristina vielleicht einen hohen Preis für den Ehrgeiz ihrer Mutter zahlen wird. Wie es ist, als Kinderstar verheizt zu werden, haben schon viele andere vor ihr erlebt. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Viel subtiler kommt ein Frauenbild daher, in dem ein kleines Kind die Phantasie der Erwachsenenwelt bedienen muss. Geschminkt, gestylt und aufgebrezelt wie eine verführerische Lolita rutscht Kristina in eine Ecke, in der sie zum Opfer wird. Denn dass sie sexuelle Bedürfnisse in einigen Erwachsenen weckt, dürfte ihr weder klar sein, noch kann sie sich dagegen wehren.

Gleichzeitig ist Kristina natürlich auch Täterin: Denn sie verkörpert eben diese Phantasie der reinen sexy Unschuld. Sie wird hofiert, hat aufregende Shootings und ist in ihrer Klasse bestimmt der Star unter allen kleinen Mädchen. Und solange der Rubel reichlich rollt, sind auch ihre Eltern glücklich.

Ein Kind als Frau erregt Aufmerksamkeit

In den USA stehen die Kinder-Schönheits-Wettbewerbe schon lange in der Kritik, und sogar bis ins Kino haben es die wahnsinnigen 'Eiskunstlauf-Mütter' geschafft: In 'Little Miss Sunshine' wird der gesamte Betrieb um die kleinen Schönheitsköniginnen lächerlich gemacht. Dabei ist es den wirklichen Müttern bitter ernst mit dem Wettbewerb. Und natürlich geht es auch dort nicht nur darum, die eigene Eitelkeit und den Ehrgeiz zu bedienen, sondern es geht auch ums Geld.

Falsche Wimpern, knappe Outfits und sexy Posen machen aus den kleinen Mädchen verführerische Vamps. Ist das nur eine besondere Darstellung von Schönheit? Eine originelle Kombination von Unschuld und Schönheit? Der Spannungsbogen des Wechsels vom Kind zur Frau? Oder liegt dem sexy Styling eine ganz andere Motivation zugrunde?

Natürlich guckt man hin, wenn ein Kind als Frau daherkommt. Es irritiert uns und stößt uns gleichzeitig ab. Aber bei einigen hat dieses Erscheinungsbild eine andere Wirkung, löst andere Phantasien aus. Die kleinen Mädchen haben keine Ahnung, welche dunklen Seiten sie in manchen Menschen bewegen. Sind wir Erwachsenen nicht dazu verpflichtet, Kinder genau davor zu schützen? Wer hat denn eigentlich ein Interesse daran, Kinder so sexualisiert darzustellen?

Ganz ehrlich: Da muss jemand zu diesem Thema schon einen ganz eigenen Zugang haben. Ich könnte mir das für meine Kinder nicht vorstellen - für kein Geld der Welt.

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