Krankenhauskeime: Mangelnde Hygiene kostet Frühchen das Leben

40.000 Menschen sterben pro Jahr durch Krankenhauskeime

Es ist traurig und einfach unglaublich: Schon wieder stirbt ein Kind auf einer Frühchen-Station. Insgesamt 13 Säuglinge infizierten sich in Lippstadt - wieder mit Krankenhauskeimen. Warum ist das Problem denn nicht in den Griff zu bekommen?

Für das Frühchen aus Lippstadt kommt jede Hilfe zu spät, weil es sich auf der Säuglingsstation mit Darmkeimen angesteckt hat. Ausgerechnet dort, wo eigentlich besonders auf die Hygiene geachtet werden sollte, hat sich der Säugling infiziert. Unfassbar - aber kein Einzelfall.

Auch Walter Kattners Lebensgefährtin starb an Krankenhauskeimen. Kein Tag vergeht, an dem der 43-Jährige nicht an seine Kerstin und die Zeit im Krankenhaus denkt. Denn der eigentlich schönste Moment im Leben eines Elternpaares, nämlich die Geburt des Kindes, wurde zugleich zum schlimmsten Tag für Walter Kattner und seine Lebensgefährtin. Die 37-Jährige hat sich im Krankenhaus offenbar mit einem lebensgefährlichen Keim infiziert. Erst als sie mehrere Tage über Schmerzen klagt, reagieren die Ärzte. Doch zu dem Zeitpunkt ist es schon zu spät. Kerstin stirbt an Multiorganversagen, verursacht durch Krankenhauskeime. Rechtsanwalt Burkhardt Kirchhoff vertritt Walter Kattner.

Laut Kirchhoff infizieren sich jährlich 1,2 Millionen Menschen mit sogenannten Krankenhauskeimen. Etwa 40.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen dieser Infektion. Doch wo verstecken sich die Keime? Und wie kommen Patienten überhaupt damit in Berührung? Mit sogenannten Abklatschproben untersuchen wir drei Krankenhäuser. Wir untersuchen gezielt Gegenstände, die sich sowohl in Patientenzimmern als auch in öffentlichen Bereichen befinden: Lichtschalter, Betten und die dazugehörigen Fernbedienungen. Die Proben bringen wir in ein Labor. Ein paar Tage später bekommen wir die Proben zurück. Allgemeinmediziner Dr. Stanislaw Nawka soll die Ergebnisse beurteilen. Der Lichtschalter war übersät mit sogenannten Staphylokokken. Und auf dem Bett und der Fernbedienung haben wir einen Schimmelpilz gefunden.

Harmlose Keime können für Kranke gefährlich werden

Die Keime, die wir gefunden haben, werden auch als Hautkeime bezeichnet. Ein gesunder Körper kann sie problemlos abwehren - ein kranker allerdings nicht. Als der Geschäftsführer des Krankenhauses ankommt, müssen wir unsere Kamera ausschalten. Im folgenden Gespräch zeigen er und seine Kollegen wenig Einsicht. „Man wird Ihnen ja auch gesagt haben, dass die Staphylokokken, die gefunden worden sind, sich bei Ihnen von oben bis unten am gesamten Körper befinden. Das heißt, ganz normale Hautkeime (...), die sind völlig unbedenklich.“

Das Krankenhaus, in dem Walter Kattners Lebensgefährtin gestorben ist, haben wir übrigens auch auf Keime untersucht. Die Belastung war zwar gering, dennoch konnten auch hier Staphylokokken nachgewiesen werden. Immerhin: Die Abteilung, in der sie verstarb, wurde mittlerweile geschlossen.

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