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Krank: Zu dieser Tageszeit stecken wir uns schneller an

Warum die Tageszeit die Infektion beeinflusst
Warum die Tageszeit die Infektion beeinflusst Britische Forscher wissen, wann wir krank werden 00:00:25
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Krank - DAS beeinflusst den Krankheitsverlauf wirklich

Wir infizieren uns ständig mit Krankheitserregern - doch müssen die nicht zwangsläufig eine Erkältung oder Schlimmeres mit sich bringen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Tageszeit, zu der wir uns mit den Viren anstecken, erst entscheidend ist, ob und wie krank wir wirklich werden. Herausgefunden hat das ein Forscherteam in Großbritannien, der Universität Cambridge: Infiziert sich der Mensch abends, fährt das Immunsystem gerade runter - Viren können sich dann stärker ausbreiten.

Die Wissenschaftler führten eine Testreihe mit Mäusen durch. Hierbei injizierten sie den Tieren Herpesviren zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Ergebnis war eindeutig: Werden die Viren kurz vor der Ruhephase der Mäuse verabreicht, vermehren sich die Erreger um das Zehnfache stärker. Bei den Tieren, die genetisch verändert worden sind – denen das Schlüsselgen Bmal1 für die innere Uhr fehlt – beeinflusst die Tageszeit hingegen das Infektionsgeschehen nicht. “Wenn wir die Körperuhr in Mäusen störten, spielte der Zeitpunkt der Ansteckung keine Rolle mehr. Die Viren vermehrten sich ständig stark.“ berichtet Rachel Edgar, die Erstautorin in den ‘Proceedings‘ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Auch in Zellkulturen, die nicht über das Uhrgen Bmal1 verfügten, vermehrten sich die Viren, unabhängig von der Tageszeit, sehr stark. Weitere Versuche lassen sogar den Schluss zu, dass die Krankheitserreger die innere Uhr so beeinflussen, dass die Viren sich optimal entwickeln und ausbreiten können.

Die Entdeckungen um das Forscherteam von Akhilesh Reddy verweisen mit den Erkenntnis aus ihrer Studie darauf, dass nun zumindest teilweise erklärt werden kann, warum bei Impfungen unter anderem auch die Tageszeit eine Rolle spielt, warum Schichtarbeiter oftmals anfälliger für Erkrankungen sind oder warum Infektionskrankheiten eher im Winter auftreten. “Eine Ansteckung zur falschen Tageszeit könnte eine viel schwerere akute Infektion verursachen“, zitiert die Universität Reddy in einer Mitteilung.

Die Ergebnisse der Forscher lassen sich bestätigen

Anschließend überprüften die Wissenschaftler explizit die Ausbreitung von Grippeviren. Die Ergebnisse fielen vergleichbar aus. Das Team teilt mit: “Der ähnliche Effekt der zellulären Rhythmusstörung auf zwei unterschiedliche, klinisch bedeutende Virusfamilien zeigt, dass die innere Uhr und ihre speziellen Komponenten wie Bmal1 auf Virusinfektionen einen breiten Einfluss haben. Wir spekulieren, dass dies zur Ausbreitung von Viren auf Bevölkerungsebene beitragen kann, denn viele Viren wie etwa Influenza verursachen Infektionen eher im Winter.“ Denn in den Wintermonaten ist das Uhrgen Bmal1 weniger aktiv.

Als Beleg lässt sich eine weitere Studie anführen. Das Team um Anna Phillips von der britischen Universität Birmingham berichtet im Fachblatt „Vaccine“, dass Grippeimpfungen am Morgen im Vergleich zu solchen am Nachmittag die Produktion von Antikörpern innerhalb eines Monats stärker ankurbelten. Das Bestätigt die Theorie der Abhängigkeit der Impfeffektivität von der Tageszeit.

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