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Krampfadern und Besenreiser: Das Leid der Venen

Krampfadern entfernen: Neue Methoden
Krampfadern entfernen: Neue Methoden Schöne Sommerbeine in 15 Minuten 00:03:05
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Frauen leiden öfter als Männer unter Krampfadern

Das ist doch gemein! Wir Frauen müssen im Gegensatz zu den Männern nicht nur gegen die Cellulite kämpfen, nein, wir leiden auch viel öfter an Krampfadern und Besenreisern als Männer. Dabei zeigen wir unsere Beine doch gerne in sexy Röcken und Kleidern. Manche Frauen fühlen sich mit den Krampfadern sogar so unwohl, dass sie selbst zuhause ihre Beine unter Hosen und blickdichten Strümpfen verstecken. Denn wer fühlt sich schon sexy mit diesen dicken, knotigen und bläulich gefärbten Adern an den Beinen?

Krampfadern
rauen leiden dreimal sooft an Krampfadern wie Männer.

Von Daniele Erdorf

"Doch Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem", warnt Dr. Stefan Schulte, vom Kölner Centrum für Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie, „sie können zu einem echten Gesundheitsrisiko werden".

Etwa 80 Prozent aller Erwachsenen leiden an kleinen, dünnen Krampfadern, den so genannten Besenreisern und bis zu 30 Prozent an ausgeprägten Krampfadern. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer und mit zunehmendem Alter steigt das Risiko. Schulte: "Erste Venenschäden können sich bereits mit Anfang Zwanzig zeigen. Ab Mitte 30 steigt die Zahl der Patienten rapide". Etwa jeder sechste Betroffene muss sich medizinisch behandeln lassen. Und ob nun aus medizinischer oder ästethischer Sicht, wer sich operieren lassen will, der sollte dies am besten im Winter tun. Denn nach einer OP müssen längere Zeit Kompressionsstrümpfe getragen werden, die im Sommer durch die Wärme unangenehm auf der Haut sein können. Außerdem lassen sich die Strümpfe im Winter perfekt unter langen Hosen verstecken.

Schwache Venen verursachen Krampfadern

Krampfadern haben zunächst einmal nichts mit Krämpfen zu tun. Die Bezeichnung leitet sich vom mittelalterlichen Begriff "krumpe Adern" ab. "Nächtliche Wadenkrämpfe haben meist eher mit Magnesiummangel zu tun", erklärt der Gefäßspezialist. Krampfadern sind knoten-  oder sackförmig erweiterte und stark geschlängelt hervortretende Venen an den Beinen. Ursache für die Erweiterungen und Aussackungen ist die Erschlaffung der Venenwände und nachlassende Verschlusskraft der Venenklappen, was zu einem Blutstau in den Gefäßen führt.

Krampfadern  werden in der Fachsprache Varizen genannt, was sich vom lateinischen „varix“, Knoten, ableitet. Sie sind mit bloßem Auge gut zu erkennen, da sie meist nah unter der Hautoberfläche liegen. "Von einem Krampfaderleiden, der Varikosis, sprechen wir dann, wenn Betroffene viele oder sehr große Krampfadern und entsprechende Beschwerden haben", erklärt Stefan Schulte.

Welche Symptome haben Krampfadern?

 Die Symptome der Varikosis machen sich besonders abends, nach langem Sitzen oder Stehen und bei warmem Wetter bemerkbar:

- Beine, die sich schwer und müde anfühlen

- Wasseransammlung und Schwellungen um die Fußknöchel herum (variköses Ödem)

- Hautverfärbungen in Form von roten oder braunen Flecken

- Juckreiz und Druckgefühl

- in sehr seltenen Fällen Fuß- und Wadenkrämpfe in der Nacht

Eine häufige Vorstufe der Krampfadern sind die Besenreiser. Auch diese Bezeichnung hat ihren Ursprung im Mittelalter. Die Struktur dieser - direkt in der Oberhaut liegenden, gut sichtbaren und sehr feinen, fächerförmigen - Venen erinnerte die Menschen des Mittelalters an feine Reisigäste, die sie zu Besen verarbeiteten.

Wie werden aus Venen Krampfadern?

Wie werden aus Venen Krampfadern?
Bei gesunden Venen fließt das Blut von alleine zurück - ohne, dass Sie Ihre Beine hochlegen müssen.

Es wird zwischen oberflächlichen Venen, die direkt unter der Haut liegen, tiefen Venen, die in der Muskulatur liegen und Verbindungsvenen unterschieden. In den Verbindungsvenen fließt Blut aus den oberflächlichen in die tiefen Venen ab. Aufgabe dieser Gefäße ist, das Blut aus den herzfernen Körperregionen zum Herzen zu leiten.

Das Blut fließt dabei zunächst von den Füßen zurück und in der Kniekehlvene zusammen. Die nächste Vene in der sich das Blut sammelt, ist die Oberschenkelvene, dann folgen die äußere und die gemeinsame Beckenvene. Von dort aus fließt es in die Hohlvene, die in den rechten Herzvorhof mündet. Auf diesem Weg fließen 90 Prozent des Blutes von den Füßen über die Beine ins Herz zurück, die restlichen 10 Prozent werden über das oberflächliche Venensystem zurück geleitet. Und das - solange wir stehen, sitzen oder laufen - entgegen der Schwerkraft.

Damit dieser Prozess reibungslos funktionieren kann, sind funktionsfähige Venenklappen nötig. Die Venenklappen arbeiten wie Segel: Die Klappen liegen eng an der Venenwand an, wenn das Blut zum Herzen hin fließt. Steht das Blut still oder droht es sogar zurückzufließen, "blähen" sich die Klappen auf und liegen so aneinander an, dass die Vene verschlossen wird. Das Blut kann dann nicht mehr der Schwerkraft folgen und in die unteren Beine oder Füße zurückfließen. Ist dieser Mechanismus durch schwache Venenwände oder Klappen gestört, kommt es zur Umkehrung der Strömungsrichtung und Blutstau und Aussackungen in den Gefäßen.

Warum sind Krampadern so gefährlich?

Gefäßchirurg Dr. Stefan Schulte: "Wenn man sich diesen Prozess vor Augen führt, wird deutlich, dass der funktionierende Rücktransport des Blutes aus den Beinen lebenswichtig ist." Bei der Varikosis können nicht nur Schmerzen und Ödeme die Folge sein, es kann zu schweren Folgen kommen:

- Varizen können wegen ihrer dünnen Wände platzen und es kann zu stärkeren Blutungen kommen

- Ansammlung von Wasser im Gewebe lässt Ödeme entstehen

- Das gestaute Blut kann gerinnen, verklumpen und Blutgerinnsel bilden (Thrombose)

- Der Blutstau kann zu Hautververänderungen führen, die mit Entzündungen und Juckreiz verbunden sind

- Gewebe kann absterben und in schweren Fällen zu „Ulcera cruris“, den Beingeschwüren führen, die auch als "Offene Beine" bezeichnet werden.

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