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Kontaktlinsen unter der Dusche getragen: Wegen Akanthamöben-Infektion fast erblindet

Eine Akanthamöben-Infektion wird oft falsch diagnostiziert

Eine junge Frau wäre fast erblindet, weil sie ihre Kontaktlinsen unter der Dusche getragen hat. Über das Leitungswasser konnten sich Akanthamöben zwischen ihrem Auge und der Linse festsetzten, die zu einer gefährlichen Hornhautentzündung führten. Eine Infektion mit Akanthamöben ist nur schwer festzustellen und wird in den meisten Fällen zunächst falsch diagnostiziert.

Kontaktlinsen können gefährliche Hornhautentzündungen begünstigen
Gefahr vor allem für Kontaktlinsenträger: Gefährliche Akanthamöben lauern im Leitungswasser. © Lehtikuva Oy, B1861 Lehtikuva Jussi Nukari

Auch bei Melanie war das nicht anders: Als sie Sehstörungen, schmerzende und lichtempfindliche Augen hat, geht sie zum Augenarzt. Die Diagnose lautet Hornhautentzündung. Ihr Zustand verschlechtert sich, sie sieht immer schlechter. Die junge Frau sucht Rat in einer Augenklinik in Frankfurt, die Ärzte dort vermuten eine Herpesinfektion oder eine Infektion mit Akanthamöben und behandeln sie vorsorglich auf beides. Doch ihre Augen verschlechtern sich weiterhin, ihre Hornhaut wird immer milchiger. Als feststeht, dass sich tatsächlich Akanthamöben in ihre Hornhaut eingenistet haben, beträgt ihre Sehkraft nur noch 16 Prozent. "Wenn man von heute auf morgen fast blind ist, dann hat man Angst, dass das so bleibt", beschreibt sie uns im Interview.

Eine Hornhauttransplantation hat schließlich ihr Augenlicht gerettet. Dabei wird die Hornhaut eines Verstorbenen eingesetzt. Professor Dr. Berthold Seitz, Leiter der Augenklinik der saarländischen Universitätsklinik, hat ihr zu diesem Schritt geraten. Anderthalb Jahre nach dem Amöbenbefall hat Melanie wieder 50 Prozent ihrer Sehkraft zurückgewonnen. Dass es bei Melanie soweit kommen musste, liegt vor allem daran, dass die Erreger oft nicht rechtzeitig erkannt werden und an der mangelnden Aufklärung von Kontaktlinsenträgern.

Akanthamöben-Infektion: Kontaktlinsen erhöhen das Risiko

"Das Problem ist, dass diese Infektion am Anfang zu 80 Prozent fehldiagnostiziert wird. Oftmals sieht das Krankheitsbild wie eine Herpesvirusinfektion am Auge aus", beschreibt Seitz. Er ist zugleich der Präsident der Gesellschaft für Augenheilkunde (DOG). Laut DOG-Schätzungen erleiden in Deutschland jährlich 200 Kontaktlinsenträger eine Hornhautentzündung durch Akanthamöben, das sind rund fünf Prozent der Fälle. Akanthamöben sind Einzeller, die in der Erde, im Leitungswasser und Klimaanlagen vorkommen können. Kontaktlinsenträger haben ein besonders großes Risiko, laut Seitz haben 90 Prozent der Infizierten Kontaktlinsen.

Die richtige Wahl der Kontaktlinse kann vor einer Infektion schützen. "Wir Augenärzte plädieren dafür, harte Kontaktlinsen zu tragen", rät der Experte. Im Gegensatz zu weichen Kontaktlinsen sind harte Linsen sauerstoffdurchlässig. Außerdem sollten Kontaktlinsen nicht mit Speichel oder Leitungswasser gereinigt werden, sondern nur mit spezieller Reinigungsflüssigkeit. Darüber hinaus empfiehlt der Augenarzt, Kontaktlinsen nicht beim Duschen, Baden oder Schwimmen zu tragen. Wichtig ist auch die richtige Beratung von einem Augenarzt oder einem Optiker. Daher sollte man auch Discounter-Linsen meiden.

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