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Kontaktlinsen bestellen: Vorsicht vor Linsen aus dem Internet

Vorsicht vor Linsen aus dem Internet.
Wer seine Linsen im Internet bestellt, riskiert unter Umständen die Gesundheit seiner Augen. © Lehtikuva Oy, B1861 Lehtikuva Jussi Nukari

Linsen aus dem Netz: Das kann ins Auge gehen

Kontaklinsen sind teuer. Viele Online-Versandhändler verkaufen die scheinbar gleichen Linsen für bis zu 70 Prozent weniger Geld als Augenärzte oder Optiker. Da ist die Versuchung groß, zuzuschlagen. Doch Ärzte warnen vor den Linsen aus dem Netz.

Kontaktlinsen sind beliebt. Leider sind die praktischen Sehhilfen auch teuer. Vor allem die sehr komfortablen und kaum spürbaren weichen Kontaktlinsen schlagen ganz schön zu Buche. Um Geld zu sparen, bestellen immer mehr Menschen ihre Kontaktlinsen über das Internet beim Online-Versandhandel. Diese Linsen sehen aus wie die Originale, die in der Regel der Augenarzt oder Optiker verschreibt und vertreibt - mit dem kleinen Unterschied, dass sie oft weniger als die Hälfte kosten. Sind das wirklich die gleichen Linsen? Oder handelt es sich vielleicht doch um Fälschungen?

Beim Versandhandel drohen Fälschungen

Gerald Böhme, Facharzt für Augenheilkunde und Leiter des Ressorts Kontaktlinsen beim Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. warnt jedenfalls vor dem Kauf von Linsen im Internet. Das Internet sei ein Vertriebsweg ohne qualitative Kontrolle. "Gerade bei Kontaktlinsen kommt es auf den Bruchteil von Millimetern an, deswegen sollten sie auf keinen Fall gekauft werden, ohne dass ein Fachmann Sitz und Augenpassform beurteilt hat", gibt Böhme in "WELT online" zu bedenken.

"Viele Patienten sagen, dass sie im Internet nur die Kontaktlinsen bestellen, die sie von ihrem Arzt oder Optiker bereits kennen", so Böhme weiter. "Aber ich rate auch davon ab, denn beim Versandhandel wurden schon mehrfach Fälschungen entdeckt und außerdem ist es schlicht so, dass billige Kontaktlinsen aus qualitativ minderwertigem Material hergestellt werden."

Bei der Wahl der passenden Kontaktlinsen spielen neben der Dioptrienzahl auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle. So kann es beispielsweise zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen. Auch die Zusammensetzung des Tränenfilms spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Linse eine Rolle. Und diese Faktoren kann nur der Arzt erkennen und bei der Verschreibung der Linsen berücksichtigen.

Der Patient kann bei dem Vertrieb über das Internet nicht kontrollieren, was genau er sich ins Auge setzt. Material und Design der Kontaktlinsen aus dem Netz können variieren. Und genau das kann ins Auge gehen. So sind beispielsweise eine Eintrübung der Hornhaut durch Sauerstoffmangel unter der Linse oder eine kontinuierliche Verschlechterung der Sehstärke durch falsch oder nicht angepasste Linsen möglich.

Wer sich also für das Tragen von weichen Kontaktlinsen entscheidet, für den gilt: Gehen Sie zuerst zum Augenarzt. In Deutschland absolvieren mittlerweile alle Augenärzte eine Kontaktlinsenausbildung. Schon jeder dritte Augenarzt passt in seiner Praxis selbst Kontaktlinsen an. Und die Ärzte beziehen die Linsen ohne Umwege direkt vom Händler. "Nur wenn das Anpassen der Kontaktlinsen und die Kontrolle in einer Hand sind, hat der Patient Sicherheit", bestätigt Böhme.

Selbst wenn Sie sich für den Kauf von Kontaktlinsen über das Internet entscheiden: Suchen Sie vorher dennoch immer Ihren Augenarzt auf und lassen Sie Ihre Augen gründlich untersuchen. Dazu gehören die Bestimmung der Sehstärke, die Messung des Augendrucks, die Spaltlampenuntersuchung, die Augenhintergrunduntersuchung sowie die Messung der Hornhautradien.

Auch wenn der Preis für Kontaktlinsen aus dem Internet unschlagbar scheint: Wer sich vor Augen führt, dass bei der Online-Bestellung neben der Qualitätsgarantie auch die medizinische Beratung, Betreuung und Nachsorge fehlen, wird schnell merken, dass es sich häufig um Augenwischerei handelt. In diesem Sinne: Augen auf beim Kontaktlinsenkauf.

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