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Kontakt zur Familie vom Ex: Kann man nach der Trennung die Verwandeten treffen?

Birgit Ehrenberg erklärt, wie sie den Kontakt behalten
Kontakt mit der Familie vom Ex

Die liebevolle Familie vom Ex

Es gibt immer mehr Menschen, die sich nicht für ihre eigene Familie interessieren und noch viel weniger für die Familie ihres Partners. Das finde ich ausgesprochen bedauerlich. Zwar weiß ich, dass es in vielen Fällen die Freunde sind, also die Wahlverwandten gewissermaßen, die einem wesentlich näher stehen und sogar mehr für einen tun als die eigenen Eltern oder die Geschwister, aber das heißt noch lange nicht, dass jeder Blutsverwandte doof sein muss. Im Gegenteil. Es gibt so tolle „richtige“ Verwandte, und ich liebe das.

Da ich nun so familiär aufgestellt bin, freue ich mich immer besonders, wenn ich mit einem Mann zusammen bin, der nette und liebevolle Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Cousins und Cousinen hat. Ich kann davon gar nicht genug kriegen, selbst dann nicht, wenn ich mit dem Mann nicht mehr zusammen bin. Ich kenne viele Frauen, denen es ähnlich geht.

Leider führt diese Anhänglichkeit häufig zu Problemen. Der Ex, selbst, wenn man nichts mehr mit ihm am Hut hat, unterstellt einem in der Regel, man wolle noch etwas von ihm und versuche, sich quasi durch die Hintertür "reinzuschleichen", indem man sich bei seiner Mutter ins Wohnzimmer setzt und mit ihr Kaffee trinkt.

Noch fataler ist es, wenn der Mann eine neue Partnerin hat. Die Frau dreht am Rad, wenn ihre Vorgängerin bei den Eltern ihres Liebsten ein und aus geht. Das verstehe ich durchaus. Ich möchte auch nicht ständig mit meiner Vorgängerin konfrontiert werden – und sei es nur im Gespräch („Mensch, Birgit, gestern war Karin wieder hier, sie ist wirklich eine ganz tolle Frau!“). Sehr delikat also diese Angelegenheit... Wie kann man mit der Sache so umgehen, dass alle Beteiligten zufrieden sind?

Bitte nicht gleich nach der Trennung, hier ist Fingerspitzengefühl gefragt

Zunächst würde ich in Ruhe und Freundschaft mit dem Mann reden, mit dem Ex, und ihn direkt fragen, ob er es sich vorstellen kann, dass man Umgang mit seiner Familie hat. Ich würde vorschlagen, dass Treffen bei einem selbst oder im Restaurant stattfinden. In der Tat ist das viel weniger eine Zumutung, als wenn man eben ewig bei den ehemaligen Schwiegereltern herumhockt.

Wie empfindlich die Menschen darauf reagieren, dass man noch im Familienleben des Ex herumturnt, das hängt auch davon ab, wie lange die Trennung her ist – und wer sie eingeläutet hat.

Hat man den Mann verlassen, ist es fast schon sadistisch ihm gegenüber, drei Wochen später bei seinen Eltern im Garten zu sitzen, während er noch leidet wie ein Hund. Da muss man eine Trauerzeit verstreichen lassen. Und dass muss mit dem Mann besprochen werden. Aber bitte nicht gleich nach der Trennung, hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Das Gebot der Rücksichtnahme gilt auch, wenn die Wunden verheilt sind. Hat der Mann eine neue Partnerin, sollte man sich zurückhalten und Respekt haben vor dieser Bindung und der neuen Frau eine Chance geben, sich gut einzuleben bei der Familie des Mannes.

Doch gegen tiefe Gefühle ist kein Kraut gewachsen, auch gegen rein freundschaftliche nicht. Die können sehr intensiv sein. Ich nenne ein gutes Beispiel: Man hat in der Schwester des Ex eine Freundin gefunden, eine wirklich liebe und treue Freundin, die man nicht mehr missen mag. Diese Band kann man nicht einfach zerschneiden und den Kontakt abbrechen.

Man muss sich aber redlich um Fairness bemühen, und Feindseligkeiten gegenüber der neuen Frau oder gegenüber dem Ex aus dieser Freundschaft säuberlich heraushalten. Man darf die Freundin/Schwester nicht instrumentalisieren!

Ich denke, dass es durchaus gelingen kann, den Anschluss an die Familie eines ehemaligen Partners nicht zu verlieren. Wenn man die Regeln des Anstands kennt – und diese beherzt und ernsthaft einhält. Fair bleiben!

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