Konfliktlösungen: Mit Bedürfniskonflikten richtig umgehen

Kind Kochen Hilfe
Lassen Sie Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei Hausarbeiten mithelfen. So fühlen Sie sich ernst genommen.

Bedürfniskonflikte: Zeit, Rituale und Tagesstruktur

Je kleiner Kinder sind desto direkter und egoistischer fordern sie ihre Bedürfnisse ein. Sie möchten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und haben noch eine geringe Frustrationstoleranz. Ältere Kinder wollen hingegen vor allem ernst genommen werden, mitreden und zunehmend über ihre Zeit und ihren Tagesablauf mitbestimmen dürfen. In der Art und Weise wie sie das einfordern liegt reichlich Konfliktpotenzial.

Heueck-Mauss empfiehlt, dass Sie auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten. Nehmen Sie sich eigene Auszeiten. Auch wenn es nur 20 Minuten sind. Schon kleine Kinder können das akzeptieren. Achten Sie auch auf Ich- und Du-Zeiten für Sie und eines Ihrer Kinder, oder für Sie und Ihren Partner. Und denken Sie immer dran: Es ist nicht die Quantität der Zeit entscheidend, sondern die Qualität und der bewusste Umgang damit. Wenn Sie entspannter sind, wird es auch innerhalb der Familie weniger Konflikte geben. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche Beziehungen.

Helfen Sie auch Ihrem Kind mit Zuhören und Ich-Botschaften, seine Bedürfnisse zu erkennen und offen auszusprechen.

Tipp 1: Zeit einplanen

Kleine Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie können die Zeit noch nicht einschätzen und haben ein anderes Zeitgefühl als Erwachsenen. Sie können sich zwar schon eine Zeitlang selbst beschäftigen aber immer wenn Erwachsene gerade was Dringendes erledigen müssen, fangen sie an nach Aufmerksamkeit zu suchen, indem sie stören oder trödeln. Darauf reagieren Erwachsene schnell genervt.

Heueck-Mauss empfiehlt: Planen Sie mehr Zeitpuffer ein, damit sich das Kind auf die neue Situation einstellen kann. Hektik führt schnell zu Widerstand. Bereiten Sie das Kind langsam vor. Sagen Sie "Fang bitte an dich anzuziehen, ich möchte, dass wir rechtzeitig zum Kindergarten gehen" anstatt "Mach jetzt schnell".

Geben Sie Ihrem Kind während eines Telefonats eine Aufgabe, die es gerne erledigt. Wenn Sie an einem Tag besonders wenig Zeit haben, lassen Sie das Kind ein paar Freunde einladen. Dann geht es zwar etwas lauter zu, aber in der Gruppe fällt Kindern immer etwas ein womit sie sich beschäftigen können und Sie sind entlastet.

Oder lassen Sie die Kinder bei Hausputz und Einkauf im Rahmen ihrer Möglichkeiten einfach mithelfen. So erfüllen Sie ganz einfach das kindliche Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und ernst genommen werden.

Tipp 2: Tagesstruktur festlegen

Kinder brauchen feste Tagesstrukturen, sie geben ihnen Halt und Sicherheit. Spätestens ab dem Kindergarten gibt es feste Zeitvorgaben, an die sich ein Kind halten muss. Ferienzeiten sollten hingegen Ausnahmezeiten sein. Fangen Sie aber rechtzeitig - ein paar Tage vor Schul- oder Kindergartenbeginn – wieder an gewisse Zeitvorgaben einzuhalten. Je klarer und selbstverständlicher Tagesrituale und Regeln allen Familienmitgliedern sind, desto weniger Konflikte wird es geben. Hilfestellungen und Erinnerungen sind allerdings immer wieder notwendig, machen Sie aber klare, sachliche Ansagen und vermeiden Sie einen Redeschwall mit destruktiven Botschaften.

Tipp 3: Rituale einführen

Liebevolle Weckrituale oder die Kleidung schon am Vorabend aussuchen können helfen die vorgegebenen Zeitstrukturen einzuhalten. Wichtig: Denken Sie an gemeinsame Mahlzeiten! Diese fördern Zuwendung und Austausch und sorgen für ein 'Wir-Gefühl'. Aber führen Sie keine Konfliktgespräche am Tisch, das verdirbt Stimmung und Appetit. Machen Sie dafür lieber eine Extrazeit vor dem Zubettgehen aus. Ältere Kinder erzählen häufig erst von ihren Problemen wenn sie schon im Bett liegen. Nehmen Sie sich die Zeit und hören aufmerksam zu.

Auch Selbstverständlichkeiten wie sich verabschieden und begrüßen sollten nicht vergessen werden. Gehen Sie dabei auf die gleiche Körperebene und schauen sie Ihrem Kind in die Augen. Auch wenn Sie ein Morgenmuffel sind sollten gerade am Morgen auf ein herzliches „Guten Morgen“ und einige freundliche Worte achten. So startet es sich viel besser in den Tag.

Andersrum läuft es beim Heimkehren. Oft werden schnell negative Nachrichten ausgetauscht und Anweisungen verteilt. Das löst häufig Stress aus. Ein "Schön, dass du da bist, komm erst mal rein" erweist sich häufig als guter Türöffner. Kleineren Kindern fällt es jedoch oft noch schwer zu warten. Sie wollen sich sofort die Aufmerksamkeit holen und los reden. Ältere Kinder wollen hingegen erst mal Zeit für sich und in Ruhe gelassen werden. Lassen Sie ihnen die Zeit, das vermeidet Konflikte.

Abendrituale helfen vom Tag loszulassen. Planen Sie 30 Minuten für Kuscheln, Erzählen oder Vorlesen ein, danach kommen die Badezimmerrituale und ein Gute-Nacht-Lied. Dazu sind wieder 30 Minuten die Regel. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind immer wieder die gleichen Geschichten und Lieder hören möchte: Das gibt ihm Halt und Geborgenheit.

Anzeige