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Knieschmerzen: Spritzen und Spiegelungen sind oft wirkungslos!

Was tun gegen Knieprobleme beim Sport?
Was tun gegen Knieprobleme beim Sport? Die besten Tipps von Professor Froböse 00:02:35
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Knieschmerzen: Nutzen der Behandlung nur gering

Schmerzen im Knie sind weit verbreitet: Jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahren in Deutschland leiden an Knie-Problemen. Arthrose (Gelenkverschleiß) nennt sich der Befund. Wer mit Knieschmerzen zum Arzt geht, erhofft sich rasche Heilung oder zumindest Linderung. Für die Ärzte ist das ein gutes Geschäft, denn viele beliebte Behandlungsformen sind teuer. Oft müssen sie sogar vom Patienten selbst bezahlt werden. Aber die Rechnung geht nicht auf, denn viele Eingriffe helfen nicht – im Gegenteil: Sie verschlimmern die Probleme. Das hat jetzt eine wissenschaftliche Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergeben.

Eine Studie offenbart: Knie-OPs sind nicht immer wirksam.
Chronische Knieschmerzen beeinträchtigen viele Deutsche über 60. Spritzen und Spiegelungen schaden da mehr als sie nützen © praisaeng - Fotolia, Praisaeng

„Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos. … die damit verbundenen Risiken (werden) ausgeblendet“, so fasst Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Zentrums, das die Studie durchführte, die Ergebnisse zusammen.

Schockierend: Teure Behandlungen verschlimmern das Problem

Insbesondere die beliebten Hyaluron- oder Kortikoid-Injektionen helfen nicht immer, und wenn, dann nur kurz: Nach vier Wochen sind die Wirkungen verpufft, so das Studien-Ergebnis. Ausgeblendet bleiben oft die möglichen Nebenwirkungen. Schwellungen und Gelenkentzündungen als Folge der Injektionen können die Situation am Knie sogar deutlich verschlimmern. Für Kortikoid-Injektionen besteht sogar der Verdacht, dass sie Gelenkknorpel abbauen könnten.

Auch die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) bringt nichts: „Viele Patienten können im Vergleich zu Nicht-Operierten weder besser gehen, noch haben ihre Schmerzen nachgelassen“, führt die Bertelsmann-Studie aus. Untersuchungen ergaben, dass genauso viele Arthroskopie-Patienten über eine subjektive Besserung der Beschwerden berichteten wie Patienten, die nur eine Placebo-Operation erhalten hatten. Bei letzterer Gruppe machten Ärzte nur einen oberflächlichen Hautschnitt, ließen die Patienten aber im Glauben, sie hätten eine Arthroskopie gehabt.

Bei einem Funktionstest zwei Jahre nach dem Eingriff, in dem es darum ging, möglichst schnell 30 Meter plus ein paar Treppenstufen hinauf und herunter zu gehen, war die Gruppe der Placebo-Patienten sogar deutlich besser als die Gruppe der Arthroskopie-Operierten.

Schockierend sind auch die Ergebnisse, die die Forscher erhielten, indem sie die Arthroskopie-Behandlungen nach Landkreisen aufschlüsselten: In der armen Stadt Brandenburg gab es altersbereinigt pro 100.000 Einwohner im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011 genau 14 Arthroskopien, im reichen Peine waren es 894: Ein Unterschied um den Faktor 60! Das macht deutlich, dass die Arthroskopie weniger ein medizinischer Eingriff, als ein Griff in die Geldbörse ist.

Was Knie-Patienten statt Spritzen und Spiegelungen tun sollten, benennt die Studie ebenfalls: Vor allem sollte das Gewicht reduziert werden, das die Knie tragen müssen. Die Patienten müssen abnehmen. Außerdem raten die Wissenschaftler zu Physio-, Ergo- und physikalischer Therapie.

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