BABY BABY

Klinik sucht Muttermilch für Frauenmilchbank: Engpass auf Frühchenstation

Klinikum bittet um Muttermilch-Spenden

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam sucht dringend Spenderinnen, die Muttermilch für Frühchen abgeben und bietet dafür sogar 20 Euro pro Liter! Dieser Aufruf ist ungewöhnlich, hat aber einen sehr ernsten Hintergrund. Denn für Frühchen kann echte Muttermilch überlebenswichtig sein.

Muttermilch ist die ideale Nahrung für Babys, sie ist optimal auf die Bedürfnisse von Babys abgestimmt und enthält alles, was ein Neugeborenes braucht. Aber gerade bei Frühchen, die viel früher als geplant zur Welt kommen, können die Mütter oft in der ersten Tagen noch nicht stillen, da der Körper der Mutter noch keine Milch produziert. Und das ist gerade für zu früh geborende Babys besonders fatal. Denn Körper der Frühchen ist oft noch nicht richtig ausgereift - und daher besonders anfällig für Infektionen. "Wir wissen, dass in der Muttermilch Stoffe drin sind, die deshalb wichtig sind, weil die Immunabwehr des Kindes relativ schlecht ist. Muttermilch enthält Abwehrstoffe, die sich im Darm ansiedeln können und helfen können, bestimmte Krankheiten zu verhindern“, so Prof. Dr. med R. Schlößer von der Uniklinik Frankfurt.

Engpass in der Frauenmilchbank Potsdam

Für die Fälle, in denen die leibliche Mutter auf Grund einer Frühgeburt noch nicht in der Lage ist, zu stillen, haben Kliniken wie das Klinikum in Potsdam eine sogenannte Frauenmilchbank. Dort können stillende Mütter Muttermilch spenden, deren eigene Kinder höchstens vier Monate alt sind und die einen Milchüberschuss haben, so die Klinikumssprecherin der Klinik. Bei älteren Kindern verändere sich die Zusammensetzung der Milch. Im Schnitt meldeten sich pro Jahr zwischen zehn und 13 Milchspenderinnen bei der Potsdamer Frauenmilchbank.

Doch jetzt gibt es einen Engpass im städtischen Klinikum in Potsdam: Nur noch fünf Liter Muttermilch lagern im Vorrat der Frühchenstation. Die genügen normalerweise nicht einmal eine Woche. Aus diesem Grund hat Frühchenstation im Potsdamer Ernst-von Bergmann-Klinikum einen Notruf abgesetzt. Mütter, die Milch spenden oder sich näher informieren möchten, können sich im Klinikum melden. Wichtige Voraussetzungen zur Spende sind, dass das eigene Kind ausreichend Milch zur Verfügung hat, die Bereitschaft, sich wie bei einer Blutspende auf Infektionskrankheiten testen zu lassen und die Zustimmung zur regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchung der Muttermilch. Als Dank erhalten die Mütter 20 Euro pro Liter gespendeter Milch.

Muttermilch zu spenden ist nicht Neues, das Prinzip der Amme hat eine lange Tradition. Allerdings werden deutschlandweit immer mehr Frauenmilchsammelstellen geschlossen. Zu DDR-Zeiten verfügte jeder Kreis über eine. In der alten BRD schloss die letzte Milchbank 1972 – zu groß war der Druck der Säuglingsnahrungshersteller. Derzeit gibt es deutschlandweit noch elf Milchbanken: zehn im Osten, eine in München. Die wurde 2012 neu gegründet.

Anzeige