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Kitabetreuung: Mehr Plätze gleich mehr Qualität?

Kitabetreuung in Deutschland: Es könnte eng werden
Kinderbetreuung in deutschen Kitas: Mehr ist nicht immer besser © dpa, Patrick Pleul

Kitabetreuung: Mehr Plätze - aber zu wenig Erzieherinnen

Seit dem 1. August 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf ein staatlich gefördertes Kinderbetreuungsangebot für ihre unter dreijährigen Sprößlinge - gerade für Mütter, die möglichst früh zumindest teilweise wieder in ihren Beruf zurückkehren möchten, eine gute Nachricht. Die Realität sieht jedoch nicht so rosig aus: Die Länder und Kommunen bemühen sich zwar mehr oder weniger nach Kräften, das Angebot der Betreuungsplätze - sei es in der Kita oder bei einer Tagesmutter - der hohen Nachfrage anzupassen, doch gerade in Großstädten ist es nach wie vor schwierig einen Betreuungsplatz zu finden.

Sandra Bohlender

Zwar gibt es - rein juristisch - die Möglichkeit, dieses Recht auf einen Krippenplatz einzuklagen, doch dafür brauchen Eltern mitunter ein großzügiges Zeitfenster - und Zeit ist es ja gerade, was Eltern, die zu einem bestimmten Termin wieder zurück an den Arbeitsplatz müssen nicht haben. Bleibt die Klage erfolglos, bleiben sie sogar auf den Kosten des Verfahrens sitzen - Geld, dass sie besser in die Betreuung ihrer Kinder gesteckt hätten.

Doch auch für die Eltern, die in der glücklichen Lage sind, für ihr Kleinkind eine Betreuung ergattert zu haben, die nicht 25 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt oder über 800 Euro im Monat kostet, muss das nicht heißen, dass alles optimal ist. Denn selbst wenn eine Kommune annähernd ausreichend Plätze zur Verfügung stellt: An Erziehern und Erzieherinnen herrscht offenbar immer noch ein Mangel, wie eine bundesweite Studie der Bertelsmann-Stiftung herausgefunden hat. Und das geht massiv zulasten der Betreuungsqualität. Daher forderte Jörg Dräger vom Stiftungsvorstand bundesweit geltende Qualitätsstandarts im Bundes-Kita-Gesetz - denn so wie es momentan in Deutschland aussieht, werden unsere Kinder eher nur gehütet und nicht gefördert.

Kinder sind unsere Zukunft?

Frühkindliche Förderung, die den Namen auch verdient hat, ist in Gruppen von über 15 Kleinkindern (oder mehr), die von zwei Erzieherinnen betreut werden, kaum möglich, wenn man bedenkt, dass diese Erzieherinnen neben Tätigkeiten wie Kinder wickeln, Nasen putzen und Beulen kühlen "ganz nebenbei" auch Bildungsdokumentationen schreiben, Elterngespräche führen, Kitafeste organisieren und die Stube fegen müssen. So engagiert sich dieses Personal manchmal auch in die Arbeit stürzt: Gerade sensible und in sich introvertierte Kinder gehen da oft unter.

Und da sind noch nicht die Abwesenheitszeiten der Betreuerinnen wegen Krankheit, Urlaub oder Fortbildung berücksichtigt. Ich habe es bei dem Kindergarten meines Sohnes schon erlebt, dass man mich telefonisch gebeten hat, meinen Sohn ausnahmsweise "wenn irgend möglich" nicht in die Kita zu bringen und zu Hause zu lassen - man sei wegen Personalmangel einfach überfordert.

"120.000 zusätzliche Erzieherinnen wären für eine hochwertige frühkindliche Bildung nötig. Das würde jährlich fünf Milliarden Euro kosten und die Personalaufwendungen in dem Bereich um ein Drittel erhöhen" stellte die Bertelsmannstudie fest. Die Länder und Kommunen scheinen damit überfordert - und der Bund sollte sich fragen, ob er nicht doch mehr Geld in die Hand nehmen müsste, um die Bildung von Kleinkindern zu fördern. Schließlich sind die doch angeblich unsere Zukunft.

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