Kita-Streik in Deutschland: Verpönt oder anerkannt?

Kita-Streik in Deutschland: Verpönt oder anerkannt?
© dpa, Carsten Rehder

Die meisten Eltern sympathisieren mit dem Kita-Personal

Im Vorfeld des angekündigten Kita-Streiks zeigen sehr viele Eltern Verständnis dafür, dass die Erzieher für ihre anspruchsvolle Arbeit angemessene Gehälter fordern. Aber wird das auch so bleiben, falls sich der Streik lange hinziehen sollte?

Von: Christiane Mitatselis

Wenn man sich so umhört und was man so liest, wird wenig gemurrt. Die meisten Eltern sympathisieren mit dem Kita-Personal, für das Verdi etwa zehn Prozent mehr Gehalt fordert. Im Schnitt verdient ein Erzieher in Deutschland monatlich etwa 2.200 Euro brutto. Bei Steuerklasse 1 bleiben ungefähr 1.400 Euro übrig - ein sehr niedriger Lohn, wenn man bedenkt, was inzwischen von den Erziehern verlangt wird. Sie sollen die Kinder nicht nur mit ein paar Spielchen bei Laune halten, sondern sie individuell fördern, dabei pädagogisch auf dem neuesten Stand und am besten mehrsprachig sein. In Spanien beispielsweise orientiert sich die Bezahlung der Erzieher deshalb an der Lehrerbesoldung.

Für all dies zeigen Eltern gerade viel Verständnis. „Die Öffentlichkeit ist bislang auf der Seite der Erzieherinnen", zitiert die 'Süddeutsche Zeitung' den Soziologen Stefan Kerber-Clasen. Bisher. Aber was wird geschehen, wenn der Arbeitskampf nicht in drei Tagen vorbei ist? Verdi-Chef Frank Bsirske kündigte an, dass notfalls bis Pfingsten gestreikt werde. Pfingstsonntag ist am 24. Mai, es wären also zwei Wochen, während derer Berufstätige Ersatzbetreuung für die Kleinen organisieren – oder sogar Urlaub nehmen müssten.

Eltern sollen Druck auf Arbeitgeber ausüben

Deutschland ist – anders etwa als Frankreich – kein Land mit Streik- oder Rebellions-Tradition, deshalb stellen sich hier spannende Fragen: Wird die Solidarität mit den Erziehern halten, auch wenn der persönliche Stress groß ist? Oder wird schließlich vor allem darüber lamentiert werden, dass der Streik die Eltern bestrafe. Werden die Erzieher schließlich gar als egoistisch, womöglich als raffgierig dargestellt?

Die streikenden Lokführer können ein Lied davon singen. Wer befasst sich noch mit Hintergründen und Details der Auseinandersetzung? Überall wird nur noch - ganz unsolidarisch - darüber geschimpft, dass Züge ausfallen, der Streik eine Frechheit sei. Darüber freuen sich die Arbeitgeber.

Deutschland ist zwar ungeübt im Rebellieren, irgendwo muss man aber anfangen. Verdi empfiehlt den vom Streik betroffenen Eltern, sie sollten parallel Druck auf die kommunalen Arbeitgeber ausüben, sich bei Bürgermeistern, Landräten und Ratsfraktionen für die Interessen der Erzieher einsetzen. Schön wäre es, wenn es funktionierte!

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