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Kita-Streik: Eltern gehen auf die Barrikaden

Viele Eltern haben ihren Jahresurlaub aufgebraucht

Langsam aber sicher haben Millionen Mütter und Väter die Nase voll - ihnen reicht's! Denn die Kitas streiken seit fast drei Wochen. Viele Eltern hatten bislang ja noch Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen und Erzieher. Doch so langsam wissen sie nicht mehr, wohin mit ihren Kleinen. In immer mehr Städten gehen Mütter und Väter deshalb jetzt auf die Barrikaden. Und sie sind dabei alles andere als zimperlich. Zurecht, denn der Streik wird komplett auf ihrem Rücken ausgetragen. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben keine nennenswerten Nachteile. Denn so lange die Kitas zu sind, sparen die Kommunen die Gehälter ein - und die Streikenden werden aus der Streikkasse von Verdi entlohnt.

Kita-Streik: Eltern gehen auf die Barrikaden
© dpa, Andreas Gebert

Viele Eltern haben schon ihren kompletten Jahresurlaub genommen, denn sie wissen so langsam nicht mehr wohin mit ihren Kindern. Rechtsanwältin Dorothee Müller kann leider auch keine Hoffnung machen: "Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben, ihre Kinder unterzubringen, dann müssen sie ihren gesamten Jahresurlaub nehmen. Sie haben keine andere Wahl. Sie können keine Freistellung beanspruchen, die möglicherweise auch noch bezahlt würde, insofern ist Urlaub eigentlich der einzige Ausweg."

Rund 25.000 Kinder und Eltern vom Streik betroffen

Genehmigen muss der Arbeitgeber den Urlaub allerdings nicht. Und auf dem Weg nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten werden die Eltern immer kreativer:

Variante 1: Die Kita bleibt offen. Da die Erzieher aber nicht da sind, kümmern sich die Eltern selbst um die Kinder und zwar im Schichtsystem.

Variante 2: Betreute Kinderspielplätze. Diese sind meistens jedoch völlig überfüllt.

Variante 3: Spielgruppen in Einkaufszentren. Sie sind eigentlich dafür gedacht, Eltern zu entlasten, wenn diese shoppen gehen wollen.

Variante 4: Die Kinder mit zur Arbeit nehmen. Das geht natürlich nur, wenn der Chef das erlaubt.

Da alle diese Alternativen jedoch nicht wirklich welche sind, fiebern Eltern deutschlandweit dem Streik-Ende entgegen. Und auch der Landeselternbeirat (LEB) NRW hat zu einem Ende des "vollkommen unsinnigen Streiks" in den kommunalen Kitas aufgerufen. Er fordert die Arbeitgeber auf: "Verlassen Sie Ihre harte Linie und legen Sie ein angemessenes Angebot vor." Auch die Gewerkschaften müssten sich aus Elternsicht bewegen, an den Verhandlungstisch zurückkehren und sich auf einen Kompromiss einlassen.

Allein in Nordrhein-Westfalen befinden sich laut Verdi rund 11.000 Beschäftigte im Ausstand, gut 1.000 Kindertagesstätten sind geschlossen. Deutschlandweit sind rund 25.000 Kinder und ihre Eltern betroffen.

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