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Kita-Platz finden: Wie klappt es bei Ihnen mit der Kinderbetreuung?

Kita-Plätze fehlen
Kita-Plätze fehlen © dpa, Uwe Zucchi

Kita-Platz: Nach wie vor „Bedarfslücke“

„Wer die Fachkräfte der Zukunft für sich haben möchte, muss auf das Thema Familie mehr Rücksicht nehmen“. Findet und fordert unsere Kanzlerin Angela Merkel. Und schob in ihrer wöchentlichen Videobotschaft auch gleich noch nach, dass der Anspruch auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren ab 1. August umgesetzt werden soll. Was auf den ersten Blick schön und einfach klingt – ist bei näher Betrachtung aber für viele Mamas, die nach der Babypause wieder arbeiten wollen oder müssen, eine große Herausforderung.

Von Ursula Willimsky

Was schon mal damit anfängt, dass es vielerorten noch an den versprochenen garantierten Kita-Plätzen fehlt. Und am Fachpersonal. Im November wies zum Beispiel das Statistische Bundesamt darauf hin, dass 220.000 Plätze fehlen, der Zuwachs müsse „binnen 18 Monaten damit stärker ausfallen als in den letzten vier Jahren insgesamt“, sagte Karl Müller, Direktor beim Statistischen Bundesamt. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder machte bei einem Interview mit der „Welt“ keine genauen Angaben, wie viele Plätze fehlen, sie sprach von einer „Bedarfslücke“, und rechnete damit, dass es vor allem in westdeutschen Großstädten Probleme geben werde, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt. Das Gesetz sieht vor, dass Kinder unter drei Jahren einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben - in Einrichtungen, aber auch bei Tagesmüttern (sie sollen etwa 30 Prozent des Bedarfs abdecken, der derzeitige Stand lag aber laut Statistischem Bundesamt 2012 erst bei 20 Prozent).

Aber am Rechtsanspruch ändert das nichts. Wer einen Kita-Platz (oder einen Platz bei einer Tagesmutter) haben will, kann ihn einfordern und notfalls klagen. Viele neue Gruppen werden eröffnet, neue Kitas gebaut. Und ob des zu erwartenden Andrangs überlegen erste Kommunen bereits, ob sie nicht einfach die Gruppengrößen anpassen – 10 Prozent mehr seien kurzzeitig vertretbar. Und ob Tagesmütter nicht auch fünf Kleinkinder betreuen können.

Als erste Adresse auf der Suche nach der geeigneten Betreuung gilt das Jugendamt: Es nimmt die Anmeldungen (am besten frühzeitig) entgegen und berät. Sinnvoll scheint es, sich einige Einrichtungen anzusehen, damit man eine Wunschliste abgeben kann. In manchen Städten werden dort auch sogenannte „Kita-Gutscheine“ verteilt. Rechtsanspruch bedeutet aber nicht, dass man in seiner Wunscheinrichtung einen Platz bekommt. Die Einrichtung muss einfach nur innerhalb von 30 Minuten (von der Wohnung aus gemessen) mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.

Und dann kann man nur noch hoffen, dass die Öffnungszeiten der jeweiligen Institution irgendwie arbeitszeitkompatibel sind. Eine halbe Stunde zur Kita – vielleicht nochmal eine halbe Stunde zum Job. Nachmittags das gleiche wieder zurück: Wenn die Kita nur von 7.30 bis 16.30 geöffnet hat, kann das ganz schön knapp werden.

Kita-Zeiten kollidieren mit Arbeitszeiten der Eltern

Müller wies denn auf seiner Pressekonferenz auch auf die überraschend unterschiedlichen Öffnungszeiten von Kitas hin: Nur rund jede fünfte Kita öffnete 2012 vor 7 Uhr, jede sechste erst nach 7 Uhr 30. Besonders gravierend ist der Unterschied zwischen Ost und West: In den neuen Bundesländern öffneten 81 Prozent der Kitas schon vor 7 Uhr – in den alten gerade mal fünf Prozent. Dafür machen die auch wieder früher zu: In Westdeutschland schloss fast jede zweite Kita vor 16.30 Uhr. Im Osten nur jede zehnte. Irgendwie scheint dort Beruf und Familie leichter zu vereinbaren zu sein, zumal ja nicht jede Mama die Möglichkeit hat, von 8 bis 16 Uhr zu arbeiten. Natürlich gibt es überall Ausnahme-Kitas, gerne in Kooperation mit großen örtlichen Arbeitgebern, die dann auch schon mal bis 18 Uhr, bei Bedarf sogar bis 21 Uhr Kinder betreuen. Und sogar am Samstag, wenn Mama an der Kasse sitzt. Aber sie sind noch die Ausnahme.

Mütter und Väter sind oft zu abenteuerlichen Konstruktionen gezwungen, vor allem, wenn sie Vollzeit arbeiten wollen oder Schicht-Dienst haben. Oder Alleinerziehend sind und sich beim Hol- und Bringdienst nicht abwechseln können.

Manche verlassen frühmorgens das Haus, und nutzen ihre „Frühstückspause“ dazu, nach Hause zu hetzen, die Kinder zu versorgen und in die Kita zu bringen. Manche setzen auf ein Doppelbetreuungsmodell: Mama bringt hin, die Tagesmutter holt ab (sofern man eine Tagesmutter findet, die zu einem solchen Model bereit ist). Manche reduzieren auf Teilzeit. Oder hören auf zu arbeiten. Vor allem, wenn sie das Gefühl haben, eigentlich nur für die Kinderbetreuung zu schaffen. Denn Kita kann auch ganz schön teuer sein. Auch hier gibt es überraschende Unterschiede.

Eines Vorneweg: Wieviel ein Kita-Platz kostet, kann eigentlich niemand sagen. Manchmal wird eine Pauschale erhoben, manchmal wird das Einkommen der Eltern zu Grunde gelegt. Das ganze wird dann noch mit der Zahl der Kinder faktoriert (manchmal zählen nur die Kinder, die betreut werden, manchmal alle Kinder unter 18 Jahren). Die faz hat in einem Ranking Beispiel-Kitas nebeneinandergestellt – ein Ganztagesplatz in Magdeburg kostet demnach 210 Euro. In Gelsenkirchen satte 585 Euro. Und wer auf eine private Einrichtung ausweichen will, muss schon mal mit deutlich über 1.000 Euro rechnen. Das lohnt sich dann wohl nur noch für Doppel-Spitzen-Verdiener.

Die Kosten für die Kita sind für Familien also ein nicht unerheblicher Faktor. Bei knapper Kasse lohnt es sich auf jeden Fall, prüfen zu lassen, ob man Anspruch auf eine Ermäßigung der Kita-Gebühren hat. Und wer überlegt, in eine andere Gegend zu ziehen – sollte nicht nur die Baulandpreise und Mieten checken sondern auch die Gebührenordnung der örtlichen Kita. Und vielleicht auch des Kindergartens: Von null bis über 3.600 Euro jährlich ist auch da nämlich alles drin.

Wie sind Eure Erfahrungen? Hattet Ihr Probleme, einen Krippenplatz für Euer Kleines zu bekommen? Habt Ihr es lieber zu einer Tagesmutter gegeben? Findet ihr die Tarife okay?

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