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Kirche kündigt Frau nach Trennung

Elternschaft läuft Sturm

Bernadette K. wollte den Rest ihres Lebens mit ihrem Mann verbringen – doch es kam anders. Die Leiterin einer katholischen Kindertagesstätte in Königswinter musste einsehen, dass ihre Ehe nicht mehr zu retten ist. Die 47-Jährige suchte sich eine neue Wohnung und zog später zu ihrem neuen Lebensgefährten.

Ihr Arbeitgeber, der katholische Kirchengemeindeverband Königswinter, war davon allerdings weniger begeistert und befand, dass Bernadette K.s Zusammenwohnen mit ihrem neuen Partner die verheiratete, aber getrennt lebende Frau als Kindergartenleiterin untragbar mache. Schließlich gehört Treue bis zum Tod zum kirchlichen Eheverständnis. Ende Januar erhielt Bernadette K. die Kündigung, obwohl die Elternschaft sich massiv für ihr Bleiben eingesetzt hat.

Für die Eltern eine "absurde Entscheidung, fern der Lebenswirklichkeit". Jede dritte Ehe in Deutschland werde geschieden, sagt Elternsprecher Peer Jung zu 'Welt Online'. "Als Kindergärtnerin hat Frau Knecht keinen Verkündungsauftrag. Ihre Arbeit macht sie sehr gut." Der Kirchengemeindeverband sieht das naturgemäß anders: Die hohe Auffassung von der Ehe könne die Kirche keinesfalls einer "mehr und mehr liberalen Einstellung in unserer Gesellschaft anpassen". Denn sie würde "damit ein zentrales Anliegen ihrer Lehre aufgeben, ihr Gottes- und Menschenbild verraten", heißt es in einer Stellungnahme.

Die Elternschaft hat unterdessen einen Bürgerantrag bei der Stadt gestellt, mit dem Ziel, die Trägerschaft der Kirche zu beenden. Mit Erfolg: Der zuständige Jugendhilfeausschuss in Königswinter hat nun beschlossen, den städtischen Vertrag mit der Kirche ordentlich zum 1. August 2013 zu kündigen. Die Eltern hoffen unterdessen, dass die Kirche ihre Trägerschaft freiwillig früher abgibt. Denn nur in diesem Fall könnte Erzieherin Bernadette K., deren Vertrag bereits im Juni endet, ihre Stelle behalten.

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