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Kindesmissbrauch: Von der Mutter vergewaltigt

Kindesmissbrauch: Von der Mutter vergewaltigt
Kindesmissbrauch: Von der eigenen Mutter vergewaltigt © picture-alliance/ ZB, Arno Burgi

Tabuthema Missbrauch durch die Mutter

Wenn sich ein Erwachsener an einem wehrlosen Kind vergeht, ist das entsetzlich und schockt uns immer wieder. Oft spielen sich solche Vorfälle sogar innerhalb der Familie ab. In den meisten Fällen von Kindesmissbrauch oder Misshandlung durch ein Elternteil, die an die Öffentlichkeit gelangen, ist der Vater der Täter. Aber es gibt auch Mütter, die ihre Kinder missbrauchen – und das ist laut Experten kein Randphänomen.

Trotzdem ist es nach wie vor ein Tabuthema. An gewalttätige Väter haben wir uns, so schlimm das klingen mag, offenbar schon "gewöhnt". Wir sind jedes Mal, wenn ein solcher Fall auftritt, geschockt, angeekelt und fassungslos. Dass es ein Mann ist, der eigene Vater oder ein naher Verwandter des Opfers, nehmen wir irgendwie hin. Aber langsam kommt eine Wahrheit ans Licht, die viel zu lange totgeschwiegen wurde: Auch Mütter sind Täterinnen. Zwar treten sie in den Kriminalstatistiken nicht groß auf - nur vier Prozent der Verdächtigen in Kindesmissbrauchs-Fällen sind weiblich - aber die Dunkelziffer liegt laut Experten bei 15 Prozent. Und die Frauen gehen dabei nicht weniger brutal vor als Männer, erklärt Carmen Osten, Psychologin beim Kinderschutzbund München.

Ein Missbrauch von Kindern durch die eigene Mutter zu erkennen, ist sehr schwierig, erklären Experten. "In unserer Gesellschaft glauben wir an das Konzept, eine Mutter darf doch nur Gutes für ihr Kind tun - derart schreckliche Dinge können in unserer Vorstellung eigentlich gar nicht wahr sein" erklärt die Psychologin Carmen Osten gegenüber Frauenzimmer.de. "Daher neigen wir dazu, in diesen Fällen die Augen zu verschließen."

Wenn Kinder Opfer ihrer Mütter werden

Die Kinder selbst können sich oft gar nicht dazu äußern. Sie können nicht begreifen, dass ihre Mutter ihnen etwas derart Schlimmes antut, sie können vermutlich die Grenzen zwischen normalen mütterlichen Zärtlichkeiten und sexuellen Übergriffen gar nicht erkennen. Wie auch, wenn sie schon von klein auf mit einem zutiefst gestörten Mutter-Sohn Verhältnis aufwachsen müssen? Dazu kommen vielleicht oft noch Scham und die Angst dazu, ihre Mutter zu "verraten".

Was kann eine Frau dazu bringen, sich an dem eigenen Kind zu vergehen? Wie kann es dazu kommen, dass ein kleiner Junge von seiner Mutter als Sexualpartner angesehen wird? Oft seien diese Frauen selbst als Kind Opfer von sexuellen Übergriffen und emotionaler Vernachlässigung geworden, erklärt Carmen Osten. Ihnen fehle es dann an Einfühlungsvermögen und sie könnten nicht mehr erkennen, was die Bedürfnisse eines Kindes sind und wo die Grenzen liegen.

Erklärungen für derartige Übergriffe gibt es viele. Aber können sie als Entschuldigung gelten? Das, was diese Mütter ihren Kindern antun, können sie nie wieder gutmachen. Die Opfer sexueller Gewalt leiden ihr Leben lang unter den Folgen, werden selbst vielleicht niemals ein normales Sexualleben führen können. "In besonders schlimmen Fällen, bei lang anhaltendem Missbrauch, können die Opfer selbst später schwere Fälle für die Psychiatrie werden. Und wenn die Erlebnisse nicht richtig aufgearbeitet werden, besteht die Gefahr, dass sie selbst auch irgendwann zu Tätern werden.", so Carmen Osten.

Sexueller Missbrauch von Kindern ist eine der schlimmsten Gewalttaten überhaupt - sei es seitens des Vaters oder der Mutter. Wir dürfen nicht mehr länger die Augen davor verschließen, dass es eben auch die Mutter sein kann, die ihrem Kind so etwas antut. Wenn das Thema nicht mehr totgeschwiegen wird, gibt es vielleicht die Chance, dass mehr Fälle von Kindesmissbrauch aufgeklärt werden und den Opfern rechtzeitig geholfen werden kann – damit sie nicht selbst in den Teufelskreis geraten und irgendwann zu Tätern werden.

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