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Kindesmissbrauch: So können Eltern Ihre Kinder vor Pädophilen schützen

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Pädophile im Netz: So können Eltern ihre Kinder schützen
Pädophile im Netz: So können Eltern ihre Kinder schützen Die Gefahr von Online-Spielen mit Chat-Funktion 00:03:22
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Nicht alle Männer unter General-Verdacht stellen!

"Erwachsene haben nur in Begleitung von Kindern Zutritt". In einem Freizeitpark in der Nähe von Bristol gilt dieses Gesetz. Matthew Richards, 54, verheiratet, Großvater von drei Enkeln, wurde mit Hinweis auf diese allgemeine Regel der Zutritt verwehrt, als er sich allein die Greifvogel-Vorführung ansehen wollte. Nun fühlt er sich "diskriminiert". Denn die Regel hat einen ernsten Hintergrund: Sie soll die kleinen Besucher des Parks vor Pädophilen schützen. Ein Erwachsener, der allein die Freizeiteinrichtung besuchen will, macht sich nach der Logik der Parkbetreiber also verdächtig. Ist das nun ein sinnvoller Ansatz, um Kinder zu schützen? Oder gibt es noch andere, vielleicht bessere Wege?

Kindermissbrauch vorbeugen
So schützen Sie das Kind vor Pädophilen © dpa, Patrick Pleul

Von: Ursula Willimsky

Rein gefühlsmäßig würden wohl viele Mütter um ihr Kind am liebsten einen flauschig gepolsterten Schutzwall errichten, der alles Risiko und Leid von ihm abhält. Doch im echten Leben ist das kaum möglich (und wahrscheinlich auch nicht wünschenswert). Es ist eine der großen Aufgaben von Müttern, ihre Kinder auf all die Abenteuer (und auch Gefahren) vorzubereiten, die da draußen auf es warten. Eine Gratwanderung.

Soll ich das Kleine in eine KiTa mit männlichen Erziehern geben, weil die als Rollenvorbild so wertvoll sind? Oder lieber nur von Frauen betreuen lassen? Darf es in dem Alter wirklich schon mit seinen Freunden allein auf den Spielplatz – ohne dass ich irgendwo in Ruf- und Sichtweite auf der Bank sitze? Wie schaffe ich es, die Balance zu finden zwischen meiner Angst und dem Ziel, das Kind möglichst selbstbewusst und frei werden zu lassen? Alle Männer unter Generalverdacht zu stellen, kann da kaum die Lösung sein.

Der Verein 'Zartbitter' rät Eltern, ihre Kinder zu schützen, indem sie sie stark machen und sie in ihrem "EigenSinn" bestärken: eines der Ziele von Erziehung und damit auch Prävention sei es, "das Vertrauen in die eigenen Gefühle zu stärken und das "gesunde Misstrauen" von Mädchen und Jungen zu akzeptieren, das ihnen hilft, unangenehme von genussvollen Berührungen zu unterscheiden und sich intuitiv oder bewusst von grenzüberschreitenden Erwachsenen abzugrenzen."

Kinder, auch das betont Zartbitter, "brauchen dafür die ausdrückliche Erlaubnis, sich wehren und über unangenehme Berührungen immer sprechen zu dürfen, auch wenn es ihnen am Anfang ein bisschen gefallen hat oder der Erwachsene gesagt hat, sie dürften das nicht weitererzählen."

Und noch einen Punkt gibt es, der wichtig erscheint: Mädchen und Jungen müssen wissen, dass es oft schwer ist, sich alleine zu wehren – und dass sie das Recht haben, sich Hilfe zu holen.

Um Pädophile abzuwehren hilft Selbstbewusstsein, Lebensfreude und Vertrauen

Das Kind stärken – das heißt auch, ihm starken emotionalen Rückhalt zu geben. Kinder, denen dieser Rückhalt fehlt, werden leider häufiger Opfer sexualisierter Gewalt. Genauso wie Kinder, die aufgrund von Beeinträchtigungen einen geminderten Selbstschutz aufweisen oder sich nicht so gut mitteilen können. Sie werden Opfer eines Täters, für den es keine genaue Personenbeschreibung gibt. Meist ist es ein Mann – aber nicht immer. Häufig (zu etwa 70 Prozent) kommt er aus dem sozialen Nahfeld des Kindes. Fast immer nutzt er "die Zuwendung, die Abhängigkeit und das Vertrauen eines Kindes nicht nur zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse aus, sondern vor allem auch für sein Verlangen nach Macht", so die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Geheimhaltung, Scham und Angst gehören zu seiner Strategie.

Auch die Polizeiliche Kriminalprävention rät dazu, für das Kind einen "Schutzwall" zu bauen – allerdings aus Offenheit und Vertrauen: "Offenheit beginnt, wenn Erwachsene über Missbrauch sprechen, sowie Kindern und Jugendlichen Sicherheitsregeln fürs Unterwegssein oder die Internetnutzung vermitteln. Offenheit ist ein Schritt, um Kinder und Jugendliche zu schützen." Auf ihrer Kampagnen-Seite www.missbrauch-verhindern.de finden sich unter anderem wertvolle Hinweise zu Verhaltensregeln für den Schulweg, die Freizeit oder das Internet. Zudem werden – ebenso wie auf den Seiten von www.zartbitter.de oder anderer Hilfs- und Beratungsangebote - Tipps für einfühlsame Gespräche mit Kindern gegeben.

Um mit ihnen über das Thema präventiv zu reden, aber auch im Fall von Verdachtsmomenten. Wenn sich zum Beispiel das Verhalten des Kindes auffällig verändert, kann das ein Hinweis auf Missbrauch sein, die Signale können aber auch anderen Ursprungs sein. Alle eingebundenen Personen, so die Polizeiliche Kriminalprävention, sollten daher einfühlsam und sensibel der Vermutung nachgehen. Ohne Schuldzuweisungen ("warum hast du mir das nicht früher erzählt!") und ohne bohrende Fragen. Das Kind hat auch das Recht, nicht weitererzählen zu wollen.

Dazu Zartbitter: "Präventionsarbeit darf Kinder und Jugendliche nicht auf ihre – mögliche – Rolle als Opfer reduzieren, sondern muss auch ihre Widerstandskraft und Lebensfreude stärken. Daher gehören das Thema (lustvolle) Sexualität, das alltägliche Miteinander von Kindern und Erwachsenen, die unterschiedlichen Lebenswelten von Mädchen und Jungen – eben ganz alltägliche Situationen von Mädchen und Jungen – ebenso in den Bereich der Prävention wie kindgerechte Informationen über sexuellen Missbrauch."

Vielleicht gelingt es ja so, den schönsten Schutzwall für Kinder aufzubauen: Aus Selbstbewusstsein, Lebensfreude und Vertrauen.

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